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USA Teil 7 (07.11.2011 - 03.12.2011)

veröffentlicht um 03.12.2011, 10:17 von Tobias Pieper
Washington, D.C. bis New York City

Wir sind noch immer in den USA. Unsere weitere Route fuehrte uns von Washington gen Norden. Ueber Baltimore und Philadelphia fuhren wir dann in den Staat New Jersey weiter westlich, um dann an der Kueste wieder gen Norden nach Middletown zu radeln. Dieser Abschnitt war kilometertechnisch keine grossartige Strecke mehr, aber wir liessen uns Zeit, da wir sie hatten.
In Baltimore verbrachten wir unerwarteterweise 3 Tage und genossen einige Zeit im dortigen Aquarium. Es ist immer etwas zwispeltig, wenn ich solche Besuche mache. Es ist auf der einen Seite total spannend all die vielen unbekannten und verschiedenen Tiere zu sehen. Und es hat definitiv einen Bildungsaspekt. Gleichzeitig ist es unangenehm, die Tiere so eingesperrt zu sehen. Auch wenn ich weiss, dass wohl die meisten Tiere in einem Aquariumbecken aufgewachsen sind und in der freien Wildbahn auch gar nicht mehr zurechtkaemen, so fuehlt es sich falsch an. 
Die Hoffnung, die in solch einem lebendigen Museum liegt, dass man Menschen an Natur und Tiere heranfuehrt, um zu vermitteln, dass darin Werte stecken, die es eventuell zu schuetzen gilt oder zumindestens zu respektieren gilt, wurde leider etwas ernuechtert. Beobachteten wir neben den bewundernswerten Tieren der Unterwasserwelt auch die Besucher des Aquariums, so sahen wir, wie Familien mit mehreren Kindern dort waren und jedes Kind eine Kamera in der Hand hatte. Und so liefen die Kinder von Becken zu Becken, um alles zu fotografieren. Im Grunde ok, denn warum nicht ein Andenken haben und sich ueber den Besuch des Aquriums hinaus noch damit auseinandersetzen? Eigentlich doch genau richtig! Aber wir konnten beobachten, dass die Kinder sich die Tiere gar nicht ansahen, sondern bloss durch die Kamera ein Foto schossen und schnell zum naechsten weiterliefen. Vielleicht ist es auch zu viel verlangt, wenn man von Kindern erwartet, dass sie sich diese Ausstellung bewusst anschauen und ich kann auch nicht beurteilen, in wie weit Kinder nicht eben doch auf ihre Art und Weise die Dinge aufnehmen, die sie sehen. Vielleicht sogar besser als jeder Erwachsene. Aber das Verhalten spiegelte fuer uns irgendwie unsere "Fast Food Gesellschaft" wieder. Knips hier, knips da, schnell noch hier etwas erhaschen und weiter! Der Mensch ist heute so unglaublich beschaeftigt und unter Zeitdruck. Er will alles erleben, darf nichts verpassen, und das endet dann im Stress. Rennt man dabei nicht am eigentlichen vorbei? Ist es nicht angenehmer wenige Dinge bewusst zu erleben, statt alles nur halb? Aber das ist letztlich doch geschmacksache.

Von Baltimore fuhren wie nach Philadelphia, obwohl wir dies urspruenglich gar nicht vor hatten. Aber Plaene gestalten sich immer neu. Es war nett, Philadelphia zu sehen, eine Stadt mit viel Scharm. Enge Gassen, viele Baeume und nette Architektur. Wir bekamen einen tollen Blick ueber die Stadt, als wir  ueber den Delaware Fluss nach New Jersey fuhren. Wenn sich Staedte auch immer wieder sehr aehneln, wenn man in ihnen unterwegs ist, so ist die Komposition der Gebaeude jeder Stadt doch wirklich einzigartig.
In New Jersey versuchten wir moeglichst ruhige Strassen zu finden, aber das war nur bedingt moeglich. Hatten wir schliesslich die Kueste des Atlantik erreicht, waren die Strassen voll. Wir erfreuten uns am Atlantik, wenn auch das Wetter miserabel und der Verkehr schrecklich waren. Wir verbrachten einen Tag zeltend im Wald, um einfach Ruhe zu haben, von keinen Menschen umgeben zu sein und zu letzt nicht im Regen fahren zu muessen. Wir hatten lange nicht mehr solch einen entspannten Tag. Nichts, was einen ablenkt und immer beschaeftigt haelt, sondern einfach Zeit und Ruhe zu zweit, fuer ein Buch und fuer ein Nickerchen.

Leider war das Wetter auch noch am Folgetag schlecht und wir mussten doch durch Regen fahren. Aber wir wurden in Middletown erwartet und wir wussten, dass wir eine Dusche und ein Bett hatten. Verwirrt waren wir zunaechst, als sich Toby vorstellte, die eine Frau ist und Dan, fuer Daniel, ihr Mann. Es war zu einer Zeit in Amerika Mode, Maedchen einen Jungennamen zu geben. Lustig!
Nach der Begruessung und einer warmen Dusche, stand schon der Kaffee bereit. Herrlich, das brauchten wir gerade.
Thanksgiving stand vor der Tuer und eine der ertsen Fragen von Toby war, ob wir denn schon eine Einladung haetten. Und schon war es gebongt, dass wir ein stilechtes Thanksgiving erleben durften. Wir verbrachten eine gute Woche mit Toby und Dan, gingen einkaufen, im Wald und am Strand spazieren, kochten gemeinsam das Thanksgiving Festmahl und gingen regelmaessig joggen. Es ist natuerlich eine Umstellung vom Radfahren zum Joggen, aber es tat gut.
Zu Thanksgiving kam dann Tobys Schwester und eine Freundin. Das Essen spielt an diesem Tag natuerlich DIE Rolle. Also, was gab es feines: Wir begannen mit einem Sekt, Kaese und Cracker. Am Tisch folgte die Vorspeise mit Lachs, angerichtet auf dem Teller mit Zitrone, Kapern und saurer Sahne. Die Hauptspeise war dann natuerlich der grosse Vogel: ein Truthahn mit Fuellung aus Brot, Gemuese, Speck und vielen Gewuerzen. Dazu gab es Kartoffelpuree, Suesskartoffelpuree, Bohnensalat und eine Cranberrysosse. Es war so ein wunderbar bunter Teller und super lecker. Die Kroenung war dann die klassische Nachspeise, Pumpkinpie (Kuerbiskuchen) und Applepie (Apfelkuchen). Es war ein gelungener Tag mit perfektem Mahl.

Nach Thanksgiving verabschiedeten wir uns von Toby und Dan und setzten unsere Reise fort. Es war eine gute Woche, um sich auf das kommende vorzubereiten. Wir hatten nun New York City auf dem Plan!
Anstelle uns durch den irrsinningen Speckguertel zu schlagen, entschlossen wir uns mit der Faehre von Middletown direkt nach Manhattan reinzufahren. Es gibt keinen besseren Abschluss, als mit dem Boot an der Freiheitsstatue vorbei, sich der Hochhausmasse von New York zu naehern - ein Zeitpunkt, auf den wir lange gewartet haben. Und wir wussten, dass es bezueglich Wetter Ende November ein Pokerspiel sein wiuerde. Aber alles war auf unserer Seite. Wir hatten Sonnenschein und klare Luft! New York, unser Traum, hier das ganze zu einem runden Abschluss zu bringen, wurde Wirklichkeit! Ja, ihr lest richtig. New York ist unser Ziel, unsere Endstation! Begreifen koennen wir das ganze selber noch nicht. 
Wir genossen es sehr, die Stadt zu erleben und sind Tobys Schwester Avis sehr dankbar, die uns fuer ein paar Tage in Manhattan aufgenommen hat, um im Herzen New Yorks sein zu duerfen und wieder einen authentischen Eindruck von dem Leben in einem New Yorker Apartment bekommen zu duerfen. 
Das wohl beeindruckendste Erlebnis war fuer uns der Blick ueber die Stadt vom Rockefeller Centre. So erkannten wir bei Tage, dass die Stadt groesser ist, als erwartet, bekamen eine besseren Ueberblick ueber die Masse der Hochhaueser und liessen uns bei Nacht vom Lichtermeer ueberwaeltigen. 

Es sind nun die letzten Stunden bevor unser Flieger geht. Ja, wir kommen zurueck nach Deutschland. Daraus moechten wir nun kein Geheimnis mehr machen. Wenn auch so mancher vielleicht dachte, wir radeln noch durch Afrika oder sonstige Laender, in denen wir noch nicht gewesen sind, so wissen wir fuer uns, dass es nun wichtig und richtig ist, nach Hause zu unseren Familien und Freunden zurueckzukehren. Dies bedeutet nicht, dass unsere Reise zum Horizont zu Ende ist. Wir werden weiterhin auf unserer persoenlichen Reise sein.
Dies soll auch nicht der letze Bericht sein. Wir haben noch ein paar Tage in Deutschland zu radeln, bevor wir an unserem Startpunkt in Oldenburg wieder einrollen. Und wir moechten versuchen, einen Abschlussbericht zu formulieren, in dem wir unsere Gedanken zu dieser Reise und unserer Welt mitteilen moechten.
Wir planen darueberhinaus eine Fotoshow, um unsere Erfahrungen zu teilen und werden dies entsprechend auf unserer Seite bekanntgeben. Es lohnt sich somit, weiterhin einen Blick auf die Seite zu werfen. 
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