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USA Teil 2 (25.07.2011 - 10.08.2011)

veröffentlicht um 10.08.2011, 18:36 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011, 09:24 ]
Los Angeles, Kalifornien bis Lake Tahoe, Kalifornien
 
Unsere Reise geht nun erfolgreich auf unseren Drahteseln weiter. Wir muessen zugeben, dass die ersten Tage auf dem Rad nach einer fast drei woechigen Pause doch relativ anstrengend waren. Man kommt schnell aus der Form. Aber so schnell man draussen ist, so schnell baut man doch die eingebuesste Ausdauer und Muskulatur wieder auf. Wir fuehlen uns wieder verdammt fit und strampeln die Berge eifrig hoch und runter.
 
Als wir Los Angeles verliessen, ging es gleich in die Vollen. Wir hatten den Angeles National Forest vor uns, der sich ueber eine Bergkette zog. Da es sehr warm war, freute ich mich schon auf den Wald, durch den wir durchfahren wuerden. Jedoch wurde ich enttaeuscht. Denn was der Name "Angeles Forest" verspricht, konnte er nicht halten. Es gab keinen Wald, viel mehr trockene Berghaenge und vereinzelt schwarze Staemme, die einst auf wenige Baeume hinwiesen. Dort hatte es ein grosses Feuer gegeben, was sogar den Asphalt der Strasse zerstoerte. Wir hatten Glueck, dass wir diese Route fahren konnten, denn die Strassenarbeiten wurden erst kuerzlich beendet. Aber auch ohne Brand haette man niemals von einem Wald sprechen koennen. Wir waren also einmal mehr in einer Wuestenlandschaft.
 
Tapfer kaempften wir uns durch die Hitze und die Berge hoch. Aber wir wussten, der Wald auf der Sierra Nevada-Bergkette war nicht mehr weit entfernt. Ach, wie sehnten wir doch nach dem gruenen kuehlen Wald.
Aber auf der Fahrt dort hin begegneten wir schon wieder so vielen lieben Menschen, so dass alles halb so heiss und muehsam erschien. Die Menschen hier sind auffaellig grosszuegig, offen und hilfsbereit. Etwas, was wir fuer eine kapitalistisch orientierte Gesellschaft nicht so erwartet haetten. Wir haben nun sehr oft bei Leuten privat gezeltet und so gut wie jedes Mal bekamen wir eine Dusche angeboten, wurden zum Abendessen eingeladen oder auf einen Kaffee zum Fruehstueck und sogar zum Essen in ein Restaurant ausgefuehrt. Zu dieser Grosszuegigkeit kommt auch noch eine enorme Begeisterungsfaehigkeit bezueglich unserer Fahrradweltreise, die wir so auch noch nicht erlebt haben. Offen dabei bleibt jedoch, wie sehr die Tatsache, dass wir um die Welt radeln, wirklich bei den Menschen ankommt. Und manchmal empfinden wir diese Begeisterung auch als etwas ueberschwenglich, aber das ist wohl so die Art vieler Menschen hier. Nichts desto Trotz ist es schoen, Menschen so begeistert zu sehen und durch unseren Aufenthalt bei ihnen sie ein wenig aus ihrem Alltag herauszuholen. Das spuert man schon, dass wir mit unseren Geschichten die Menschen etwas aufruetteln und sie fuer einen Moment von den Gedanken um Arbeit und Alltag wegholen.
Das Spanische haben wir uebrigens auch nicht ganz hinter uns gelassen. Wir treffen auf viele Mexikaner. Wir haben auch schon bei zwei mexikanischen Familien gezeltet und konnten da noch etwas unser spanisch ueben, was sehr angenehm und vertraut war. Viele Werbeschilder und auch Laeden haben spanische Bezeichnungen. Es ist irgendwie schoen, dass dies nur so schleichend abnimmt.
 
Mit dem Erreichen der Sierra Nevada, erreichten wir auch die Moeglichkeit, auf Baeren zu treffen. Kalifornien nennt sich naemlich auch Bear-Country! Ab sofort muessen wir beim Zelten besondere Sicherheitsmassnamhen einhalten. Es gibt eine Dreiecksregel: Zelte in einer Ecke, koche in der anderen und lasse alles Essbare und stark riechende (z.B. Zahnpasta, Seife) in der dritten Ecke des Dreiecks. Wir haben ein langes Seil, um unser Essen in einen Baum hochzuziehen. Die Moeglichkeit, dass nachts ein Baer auftauchen kann, ist schon etwas unbehaglich. Da wir aber die Regeln einhalten und wissen, dass Baeren keine angriffslustigen Tiere sind, hoffen wir, dass alles weiterhin gut laeuft. 
 
Bei unserem Ausflug in den Sequoia Nationalpark haben wir tatsaechlich zwei Schwarzbaeren zu Gesicht bekommen. Einer sass im hohen Gras und ass gemuetlich Blueten, der andere lief gerade durchs Unterholz. Es war wirklich genial einen Baer in freier Wildbahn zu sehen. 
Im Nationalpark stehen ausserdem riesige Sequoiadenron giganteum (Mammutbaum). Unteranderem auch der groesste Baum der Welt. "Groesste" bezieht sich hier allerdings auf das Volumen, nicht auf die Hoehe oder den Stammumfang. Es sind beeindruckende Riesen und es ist traurig, dass es diese Baeume hier in der USA angeblich nur noch an drei Stellen gibt. Sie sind zum Teil um die 2000 Jahre alt. Diese Vorstellung ist schwer zu greifen.   
 
Bei unserer Fahrt gen Norden fuhren wir auch durch den Yosemite Nationalpark, der fuer sein beeindruckendes Tal, umgeben von maechtigen Berghaengen bekannt ist. Der bekannteste ist wohl der "Half Dome".
Es war leider ein Wochenende, an dem wir den Park erreichten und da zudem noch Hochsaison ist, war natuerlich unglaublich viel los. Wir stellten uns schon auf viel Verkehr usw. ein, aber was wir letztlich erlebten, sprengte alle Vorstellungskraft. Am Parkeingang war Stau. Wir freuten uns natuerlich, dass wir mal wieder an der ganzen Autoschlange vorbeifahren konnten.
Als wir dann das Tal nach einer herrlichen Abfahrt erreichten, trauten wir jedoch unseren Augen nicht. Im Tal gibt es eine Rundstrasse und sie war gefuellt mit Autos. Es war wieder ein Stau. Wir konnten es nicht fassen.
Die Campingplaetze waren voll mit riesigen "Motorhomes", Gelaendewagen, Zelten und natuerlich voller Rauchschwaden von Grillfeuern. Dicht auf dicht erleben die Menschen dort ihr Wildnis-Abenteur.
Wir hatten Glueck und durften unser Zelt auf dem Zeltplatz fuer Wanderer aufstellen, und sogar ganz ohne noetigen Wilderness-pass. Unser Fahrrad war sozusagen unsere Erlaubnis, dort zu zelten.
Wir finden es ziemlich befremdlich, wie die Leute in Scharen am Wochenende mit ihren ueberdimensionierten Fahrzeugen in die "Natur" fahren, dort all ihren Luxus auspacken, mit dem Boot ueber den Fluss fahren, abends ihr Wuerstchen grillen und Bierdosen leeren und am naechsten Tag wieder zurueckbrausen. Wir hatten das Gefuehl, die Leute kommen eher, um ihr tolles Auto durch die Gegend zu fahren. Diese Beurteilung ist vielleicht etwas zu Ueberheblich, aber ...
Was uns auch stoert, ist, dass Autos uneingeschraenkt im Nationalpark zugelassen sind. Es wirkt irrsinnig, wenn all diese riesigen Chevrolet mit 6 Litern Hubraum durch den Park fahren. Geht es hier um den Schutz des Naturraums oder um Profit? Schliesslich wirkt das ganze eher wie ein Funpark und der Eintrittspreis zeigt, dass es wohl mehr um Kommerz geht. 
Wuerde John Muir, einer der Entwickler der Nationalpark-Idee sehen, wie viele Strassen durch den 1890 gegruendeten Park und das beeindruckende Tal fuehren, wuerde er sicherlich mit dem Kopf schuetteln. Es ist fraglich, ob er diese Entwicklung vor Augen hatte. 
Aber am Ende ist vielleicht alles doch ein Kompromiss, denn ohne den etablierten Nationalpark ware der Wald vielleicht ganz gerodet und das Tal durch intensive Landwirtschaft zerstoert. 
      
Wir sind nun am Lake Tahoe angelangt und muessen zugeben, dass wir noch nicht ganz genau wissen, wie wir nun weiterfahren. Die USA ist gross, es gibt viel zu sehen, aber alles geht eben nicht. Wir werden wohl noch ein bisschen ueber den Karten haengen muessen.
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