Reiseberichte‎ > ‎

USA Teil 1 (19.07.2011 - 25.07.2011)

veröffentlicht um 25.07.2011, 11:44 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011, 09:26 ]
Los Angeles, Kalifornien
 
Nun endlich gibt es die Aufloesung, wo wir gelandet sind. Wir sind in die USA nach Los Angeles, Kalifornien geflogen. Und wie das fuer uns eben so ueblich ist, lassen wir keine Zeit verstreichen, und haben sofort einen Ausflug gestartet. Aber nun der Reihe nach:
Wir sind abends gelandet und direkt zu "Warmshower-Bekannten" gefahren, wo wir noch immer sind. Warum noch immer? Das ist ja nun schon fast eine Woche. Davor waren wir 10 Tage in Quito. Koennen wir ueberhaupt noch radfahren? Ja, diese Fragen gehen uns auch durch den Kopf. Aber wir haben eine Erklaerung fuer diese lange Radfahrpause. Und ausserdem werden wir demnaechst wieder genuegend Kilometer vor uns haben, die wir zuruecklegen wollen. 
Unsere Einreise lief zum Glueck ganz reibungslos. Wir mussten allerdings in einer ewig langen Schlange bei der Immigration warten. Wir hatten noch in keinem Land solch eine lange Wartezeit. Es sind einfach unglaublich viele Menschen, die in die USA wollen. Ja, und wir eben auch. Und um die Moeglichkeit zu haben, laenger als drei Montae zu bleiben, hatten wir uns bereits in Lima fuer das US-Touristenvisum beworben, was auch erfolgreich geklappt hat. Allerdings stand dort kein Datum drin, wie lange wir bleiben duerfen. Das entscheidet eben der Grenzbeamte bei der Einreise. Wir mussten also dem Beamten klar machen, dass wir mit dem Rad reisen und hoffen, das er uns entsprechend viel Zeit in den Pass stempelt. Wir gingen zusammen zum Schalter und das erste was er fragte, ob wir Familie seien oder nur zusammen reisen. Da wir nicht verheiratet sind, gelten wir nicht als Familie und ich musste warten, bis ich an der Reihe war. Er hat uns also nicht zusammen bearbeitet. Er wirkte ueberhaupt sehr murrig und streng. Er wollte das Ausreisefllugticket sehen, wissen wo wir her kommen, wie lange wir planen, in den USA zu reisen und natuerlich, wo wir heute uebernachten werden. Wir konnten alles problemlos getrennt von einander und doch einstimmig beantworten und er stempelte uns beiden ein halbes Jahr in den Pass. Puh, super, das war geschafft! Wir waren drin!
 
Von Linda und Steve, unsere Internet-Bekannten wurden wir nett begruesst und nach einigem Plaudern vielen wir totmuede ins Bett. Wir hatten einiges an Schlaf nachzuholen.
Am naechsten Tag organisierten wir unser naechstes Abenteuer. Wir fuehren zu einem Harley Davidson Verleih und machten eine Harley fuer den naechsten Tag klar. 
Am Donnerstag sind wir dann morgens mit einer Harley Davidson Electra Glide auf Tour gegangen. Tobias hatte natuerlich unglaublich Spass, diese Maschine zu fahren und ich hatte meinen Spass hinten drauf. Wir fuhren gen Osten. Wir wolten so gerne den Grand Canyon sehen, der eben nicht auf unserer geplanten Radstrecke liegt, denn wir haben genug von Wuesten. 
Ziemlich schnell wurde uns bewusst, was fuer ein riesiges Land die USA ist. Kaum hatten wir L.A. hinter uns, waren wir auch schon mitten in der Wueste, eben im wilden wilden Westen. Eine Landschaft, wie man es aus dem Fernsehn kennt. Eine Strasse bis zum Horizont, bruetende Hitze, die am Horizont aufsteigt und alles Flimmern laesst, sandiger Boden mit spaerlichem Bewuchs. Meilenweit nichts, einfach gar nichts. Ich wusste sofort, dass unsere geplante Route die richtige Entscheidung war. Denn hier sind die Dimensionen noch einmal anders, als die wir besher hatten. Mit dem Rad wuerde man hier wohl fast verhungern. Natuerlich ist alles machbar und eine Einstellungssache. Aber genau dafuer sind wir gerade nicht bereit. Es war also herrlich mit der Harley durch diese endlose Landschaft zu heizen. 
Ist man mit dem Rad unterwegs und es ist verdammt heiss und Abstaende zu Ortschaften sind weit, dann hat man immer seinen Wasservorrat im Blickund wird leicht nervoes, wenn es sich dem Ende zuneigt. Dieses Phaenomen schwenkte nun auf die Tankanzeige um. Die Harley hatte nicht den groessten Tank und war ziemlich durstig. Da wir unseren geplanten Abzweig verpassten, mussten wir einen kleinen Umweg fahren, der uns fast dazu brachte, die Maschine trocken zu fahren. Wir waren recht nervoes, denn in dieser Wueste liegen zu bleiben, war kein Spass. Aber es kam unerwartet eine Tankstelle im Niergendwo. Dort gab es zwar nur Bezin mit 87 Oktan, waehrend wir 91 Oktan tanken mussten, aber wir tanken ein wenig drauf, um bis in den naechsten Ort zu kommen.
Uns war schnell kalr, dass dies im Grunde nichts fuer uns ist. Immer diese Abhaengigkeit zu haben, die naechste Tankstelle zu erreichen, stresst unglaublich.
Wir fuhren den ganzen Tag und erst am fruehen Abend liessen wir die californische Grenze hinter uns. Wir schafften es bis kanppe 300 km vor den Grand Canyon und zelteten auf einem kleinen Campingplatz. 
Am naechsten morgen holte uns die Sonne ziemlich schnell aus dem Zelt. Wir waren verdammt geraedert, denn es ist nicht weniger anstrengend, als mit dem Rad zu fahren. Und der Hintern tut auch irgendwann genauso weh. 
Dennoch freuten wir uns, mit unserer Harley weiterzuduesen und mit voll aufgedrehter Mucke, fuhren wir ein Stueck auf der Legendaeren Route 66! Es war unwirklich! Es fuehlte sich so an, wie man es traeumt. Der Inbegriff von Freiheit: Mit der Harley auf der Route 66 durch die USA!
Bevor wir den Grand Canyon erreichten fuhren wir bereits ein Stueck am Colorado River entlang, der diesen gigantischen Canyon einst formte. Dort sahen wir Camping-Resorts mit riesigen Motorhomes (gigantische Wohnmobile), super gepflegte Gruenanlagen und Leute, die alle Arten von Wassersport auf dem Fluss betrieben.
Als wir den Grand Canyon dann erreichten, waren wir von der Groesse wirklich beeindruckt. Die Fotos sprechen da fuer sich!
 
Damit hatten wir unser erstes Ziel erreicht. Auf dem Rueckweg wollten wir dann ueber Las Vegas fahren. Wir hatten noch ein ordentliches Stueck vor uns. Aber die Landschaft wurde nie langweilig. Aus der Wueste wurde ploetzlich eine Waldlandschaft, die wieder zur Wueste wurde. Wir arbeiteten uns auf ein riesiges Plateau hoch, von dem man Blick in die Ebene hatte, aus der wir kamen. Eine wirklich rieisge Flaeche plattes Land, umrahmt von stehengebliebenen Erdmassen. Wie aus den Indianerfilmen, wo einst riesige Bueffelherden grasten. 
 
Dieser zweite Tag wurde ein verdammt langer Tag, denn Las Vegas muss man in der Nacht erleben. Und somit fuhren wir in die Dunkelheit hinein und erreichten die Stadt der Lichter gegen 22:00 Uhr. Es war unglaublich und einmal mehr unwirklich, dass wir mit einer Harley nun auch noch durch die Casinostadt Las Vegas fuhren. Es war Freitag Abend und der Baer los. Die Stadt des Entertainment brodelte und das Klischee lebte. Das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten, die Stadt der Tabulosigkeit war Wirklichkeit. Die Menschen liefen voellig aufgestilt herum. Knappe enge Minikleidchen, Frauen in Haeschenkostuem, ein Typ als Captain Jack Sperrow verkleidet, tanzende Schaufesterdamen und das gigantische Licht- und Wasserspiel am "Caesars Palace" . Wir konnten unsere Harley am Harley Davidson Cafe kostenfrei parken, schlenderten ein wenig umher, natuerlich auch in einem Casino und tranken einen Kaffee im Harley Cafe.
Die Stadt besteht aus Kopien aller Sehenswuerdigkeiten der Grossstaedte aus aller Welt. So gibt es den Eifelturm, die Freiheitsstatue, Disneyland, Rom und natuerlich die Pyramiden. Es war super abgedreht. Wir fuhren natuerlich mit der Harley durch jeden Eingangsbereich der grossen Casinos und Luxus-Hotels. Wir wurden sogar von Touristen fotografiert, denn die Harley ist eben der Inbegriff der USA. 
Man kann dieses Erlebnis von Freiheit wirklich kaufen, ohne solch eine gigantische Maschine zu besitzen. Echt bekloppt!
 
Nach Mitternacht fuhren wir voellig berauscht von den Eindruecken aus Las Vegas heraus und zelteten mitten in der Wueste. Es war 2 Uhr nachts, bis wir uns schlafen legten, aber der Schlaf wollte nicht gleich kommen. Wir waren zu voll von diesen irren Eindruecken und es war zu unwirklich, als dass wir realisieren konnten, dass wir gerade in Las Vegas waren.
Die Sonne holte und noch vor 7:00 Uhr aus dem Zelt und wir setzten unsere Fahr zurueck nach L.A. fort. Wir fuhren im Norden von L.A. an den Pazifik auf den Highway Nr. 1. Eine kleine sich windende Strasse brachte uns ans Meer. Tobias konnte die Maschine noch mal richtig ausfahren und wir arbeiteten uns von Malibu Beach ueber Beverly Hills nach Hollywood vor. Wir sahen die legendaeren weissen Buchstaben von Hollywood auf dem Berg stehen. Allerdings hat man davon eine falsche Vorstellung. Der Aussichtspunkt, um die Buchstaben gut zu sehen, ist so weit weg, dass sie verdammt klein sind. Aber es war ein kroenender Abschluss, diese Buchstaben und die Stadt von oben zu sehen.
Im Abendlicht fuhren wir zurueck nach Hermosa Beach, wo unsere Bekannten wohnen. Es waren unglaubliche drei Tage, in denen wir gute 2000 km zuruecklegten. Eine Strecke, die uns mit dem Fahrrad 3-4 Wochen kostet. Voellig uebermuedet, aber gluecklich vielen wir ins Bett. Am Sonntagmorgen brachten wir die Maschine dann zurueck, was fast etwas traurig war, aber auch gut so. Eine weitere verrueckte Idee wurde fuer uns Wirklichkeit! Man muss Dinge einfach tun und nicht zu lange darueber nachdenken. Man lebt nur ein mal auf diesem Planeten!
 
Sicherlich habt ihr auch gewisse Klischees ueber Amerika im Kopf und wir koennen bisher sagen, dass vieles zutrifft. Wir wachen jeden Morgen mit Bob Dylan auf. Der Nachbar scheint dies als Aufwachmusik zu brauchen und es ist jeden Morgen das gleiche Album. Wir fuehle uns ein bisschen wie im Film von "Und taeglich gruesst das Murmeltier". In den Strassen haengen ueberall riesige Amerika-Flaggen. Sie sind wirklich so patriotische, wie man hoert. Alles ist XXL. Wir kannten ja schon riesige Wohnmobile aus Australien, aber die groesste Version sahen wir nur einmal, was hier nun der Standard ist.
In Supermaerkten gibt es alles in Megagrosse, und in der Tanke wird man von der Frau hinter dem Tresen mit "Hi sweety! How are you?" begruesst und mit "Have a good one, honey!" verabschiedet.   
Auch wenn wohl viele Amerikaner Workerholics sind, oft blass und kraenklich aussehen, so sind sie doch verdammt gut und locker drauf. Wir freuen uns nun darauf, mit dem Rad das Land und die Leute besser kennenzulernen und werden sehen, ob wir diese Klischees relativieren koennen.
   
Comments