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Singapur (19.03.2010 - 03.04.2010)

veröffentlicht um 01.04.2010, 19:44 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 10.02.2012, 11:39 ]
Singapur: Das 21. Land, 1 Jahr und 4 Tage unterwegs und 21.700 km geradelt. Singapur, ein Inselstaat, bestehend aus nur einer Stadt, die mit einer Bruecke zu Malaysia verbunden ist.

Hier haben wir unsere erste Woche seit Hanoi mal wieder bei einem Couchsurfing-Kontakt verbracht. Frank aus Deutschland hat Ho Pheng aus Singapur geheiratet und sie haben nun eine unglaublich niedliche 8 Monate alte Tochter Inge. 

Singapur ist eine sehr moderne Stadt. Mancher kennt sie vielleicht vom "Hoeren-Sagen" als eine unglaublich saubere Stadt. Sicherlich ist sie die modernste Stadt und vielleicht auch sauberste Stadt Asiens, aber super auffaellig ist es auch nicht. Ausser, dass taeglich die Muellabfuhr kommt, wir keine Ghettos gefunden haben, und die Haeuser regelmaessig gegen Kakalaken und sonstige Insekten eingesprueht werden. Man sagt aber, es sei nicht giftig, weil es ein Oel sei, was zersteubt wird, um das Tracheensystem (Atmungssystem) der Insekten zu verstopfen.

Was ganz besonders auffaellig ist, ist der Reichtum und Wohlstand in dieser Stadt. Achtet man auf den Verkehr, sieht man ein luxurioeses Auto und ein teures Motorad nach dem anderen. Alle haben schaetzungsweise grundsaetzlich weit ueber 100 PS. Das Absurde an der ganzen Sache ist bloss, dass Singapur eine Stadt ist, umrundet von Wasser. Alle bewegen sich hier im Stadtverkehr bei entsprechender Geschwindikeit. Also, was will man in einer solchen Megastadt mit diesen ueberdimensioniereten Autos und Motorraedern? Das ist alles nur Statussymbol. Aber vermutlich verdienen die Menschen hier verdammt gutes Geld und wo soll man auch sonst hin damit?

Die Stadt ist mal wieder ein Multikulti-Treff und so sind wir unsere zweite Woche in "Little India" untergekommen. Haben hier auch schnell unser Stammlokal zum Essen gefunden. Da Tobias oefters zwei Portionen isst, wurde er doch letztens vom Bsitzer am Abend gefragt, ob er noch was moechte, ansonsten wuerde er dann gerne schliessen. Da mussten wir aber alle lachen.   

Was aber haben wir nun 2 Wochen in Singapur getan? Wir haben unsere Weiterreise geplant. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt, mit einem Containerschiff nach Australien ueberzusetzen. Unser erster Schritt war somit der Containerhafen, den wir mit der romantischen Vorstellung ansteuerten, dort mit einem Kapitaen in Kontakt zu kommen. 
Natuerlich wurden wir schnell aus unserem Traum herausgerissen: Wir kamen nicht weiter, als zum Security-Guard am Eingang. Dort erklaerten wir unser Anliegen und baten um eine Liste der Reedereien, die nach Australien schiffen. Mit einem unterdrueckten Schmunzeln wurden wir auf eine Internetseite verwiesen. Dort wuerden wir alles finden. Also fuhren wir wieder zurueck und haengten uns an den Rechner. Aber da war nichts zu holen. Nicht einmal eine Liste der Schiffe bzw. der Reedereien. Wir schrieben also eine Mail. Als naechstes googleten wir nach Reederein, die in Singapur sind, um sie anzurufen. So telefonierte ich mit "Evergreen" und musste leider mit Anhoeren, wie die Dame beim Fragen ihres Kollegen lachte. Tja, alles nicht so einfach. Das Problem ist, dass heute alles sehr unpersoenlich ist. Man kommt nicht mehr an die Leute ran, die an der Basis sitzen. Man landet bei "Vorzimmerdamen" und wird schnell abserviert. Soll doch das Internet die Moeglichkeit der Informationsbeschaffung sein, so macht es aber letztlich sehr untransparent und unpersoenlich. Man fuellt nur noch Formulare aus, und wenn man nicht in das Schema F passt, fliegt man eben raus. Persoenliche Absprachen und Zwischenmenschlichkeit wird vielleicht bald Vergangenheit sein.
Wir versuchten es nochmal direkt bei dem Sitz der Firma, die die Kontrolle ueber den Containerhafen hat. Wir wurden von Tuer zu Tuer geschickt, bis jemand unbeteiligtes sich einklingte und uns verriet, dass im Nachbargeaeude eine Reederei sitzt. Ja endlich, die Information hat uns gefehlt. Dort trafen wir im Fahrstuhl auf einen ehemaligen Kapitaen, der offene Ohren hatte. Es war mal ueblich, dass Pasagiere auf einem Frachter mitfahren konnten. Aber die meisten haben dies seit dem 11. September eingestellt. Die Sicherheitsmassnahmen sind enorm verschaerft worden. Er gab uns aber die Nummer eines Bekannten einer anderen Reederei, die dies wohl noch macht. So wurde letztlich fuer uns eine erste Anfrage gestellt. Wahrenddessen klapperten wir noch viele Reedereien ab. Hat man erst mal eine gefunden, wird man immer zur naechsten geschickt, denn untereinander kennen sie sich alle. Aber alles ohne Erfolg. Keiner hat mehr diese Moeglichkeit. Auch anheuern ist vorbei, die Crew ist vollstaendig und Rettungsausruestung gibt es eben auch nur in dieser Anzahl. Sicherheit ist dort das A und O. 
Wir hofften aber ja noch auf die Anfrage.
Wir liesen nicht locker und fuhren zum Yachthafen, um vielleicht einen privaten Segler zu finden, der uns mitnimmt. Wir trafen wieder auf hilfsbereite Leute. Sie wussten von einem Segler, der vermutlich nach Bali (Indonesien) faehrt. Damit waeren wir schon weiter und koennten von dort erneut versuchen, ein anderes Schiff nach Darwin (Australien) zu bekommen. Sie wollten uns mailen, wenn sie ihn antreffen. 
Super, da war noch eine Option. Und so warteten wir. Nach einigen Tagen riefen wir an, um nachzufragen - nichts. Weder eine Antwort der Reederei, noch von dem Segler.
Und so ist die Lage noch immer. Da wir aber nicht ewig warten koennen, haben wir nun Naegel mit Koepfen gemacht. Es war ein Traum, mit einem Schiff weiterzureisen, um das Reisetempo dem Radeln anzupassen. Aber wir haben alles versucht, und es scheint von hier nicht moeglich zu sein. Andere Hafenstaedte sind eventuell anders. Singapur sei wohl sehr strikt.
So haben wir nun einen Flug gebucht, uns Kartons fuer die Raeder besorgt, um sie ordungsgemaess zu verpacken und werden Ostersamstag nach Darwin fliegen. Durch den Flug emittieren wir ca. 2 Tonnen Treibhausgase (CO2). Als CO2-Kompensation spenden wir der Organisation "Prima Klima Weltweit" Geld fuer eine entsprechende Aufforstungsmassnahme.

Es sollte vielleicht so sein. Vielleicht sind gerade wieder Piraten in den Gewaessern Richtung Australien unterwegs, wovon wir verschont bleiben sollen. Oder es wartet die Jobgelegenheit in Australien, fuer die wir nun jetzt los muessen. Und ich werde nun das erste Mal in meinem Leben einen Flieger besteigen.  

      
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