Reiseberichte‎ > ‎

Peru Teil 1 (21.05.2011 - 06.06.2011)

veröffentlicht um 06.06.2011, 12:06 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 25.06.2011, 20:31 ]
Titicaca-See bis Nazca
 
Nachdem wir uns von der Gipfelbesteigung in Bolivien erholt hatten, fuhren wir nach Copacabana am Lago Titicaca und weiter nach Peru. Die Szenerie am Titicaca-See war unglaublich schoen. Ein riesiger See, fast ein Meer von 8400 km2 auf einer Hohe von 3808m ist schon einmalig. Das Wasser hatte eine extrem blau-tuerkise Farbe und die sanften Berge drumherum mit ihrer braunen bis roetlichen Faerbung und die gruenen Schilfraender machten das Bild perfekt.
 
Der Grenzuebergang nach Peru verlief ganz problemlos. Das ist doch das schoene an Suedamerika. Die Grenzen sind sehr offen und man wird mit keiner Taschendurchsuche behelligt.
Hinter der Grenze wurden wir von Strassenblockaden empfangen. Die lokalen Leute protestierten gegen Mienen um den Titicaca-See, die eine Bedrohung fuer ihr Trinkwasser darstellen. Proteste sehen hier etwas anders aus. Neben Demos wurden hier die Strassen in der Form blockiert, dass die Menschen ganze Steinwaelle oder Baumstaemme ueber die Strasse gelengt haben. Zusaetzlich haben sie ihren Muell und Glass auf der Strasse verteilt, was die groesste Sauerrei war. Damit schaedigen sie am Ende nur sich selbst, denn sie haben auch alle Fahrraeder. Diese Proteste zogen sich entlang des gesamten Titicaca-Sees und kamen in Puno zu ihrem Hoehepunkt. Wir wurden von den Demonstranten aber immer durchgewunken und zogen uns auch keinen Platten zu, obwohl so viel Glas auf den Strassen lag.
 
In Puno besichtigten wir dann die schwimmenden Inseln der Uros-Leute auf dem Titicaca-See. Dies war zwar extrem toursitisch und diese Menschen leben nur noch wegen des Tourismus dort, aber dennoch sehr interessant. Die schwimmenden Inseln bestehen aus riesigen Bloecken von Riedwurzelballen, die im Wasser schwimmen. Auf diesen Wurzelballen legen sie ca. 2m dick Ried. Da die Inseln wirklich schwimmen, verankern sie die Wurzelballen mit langen Eucalyptusstecken im Seeboden. Auf diesen Inseln bauen sie ihrer Unterkunft aus Ried, ebenso ist der traditionelle Bootsbau aus dieser Pflanze. Und das verrueckteste ist, dass man das Endstueck des Rieds sogar essen kann. Manche Pflanzen sind einfach ein Alleskoenner, super faszinierend. Aber warum lebt man eigentlich auf solch selbstgebauten Inseln auf dem Wasser, wenn es an Land doch so viel komfortabler ist? Dieses Menschenvolk der Uros hat sich so von den damaligen aggressiven Collas und Incas isoliert.  
 
Von Puno fuhren wir nach Cusco und stellten im Grunde keinerlei Veraenderung zu Bolivien fest. Die Menschen sahen genauso aus, die Landschaft war die gleiche, die Behausungen nichts neues. Was wir jedoch als anderes empfanden, war das Auftreten der Leute. Man wird in einem Hotel freundlich begruesst und ueberhaupt wirken die Menschen froehlicher.
 
In Cusco entschieden wir uns fuer die klassische Touristenvariante, sich Machu Picchu anzusehen, ohne ein grosses Spektakel daraus zu machen. Wir fuhren morgens um 6:30 mit dem Taxi zum Bahnhof, wo wir gegen 7:30 dann in einem schoenen Zug nach Aguas Calientes zuckelten. Der Zug brauchte fuer gute 100km gute 3 Stunden. Es war eine richtige Bummelfahrt, aber da wir nette Gesellschaft aus Deutschlanf trafen, war die Fahrt gar nicht langweilig. Es gab sogar einen kleinen Catering-Service. In Aguas Calientes brachte uns dann ein Bus in ca, 30 Minuten zu den Ruinen von Machu Picchu! Endlich hatten wir es geschafft und konnten uns Machu Picchu ansehen, was ploetzlich ziemlich unwirklich erschien. Wir haben uns gerade noch in Adelaide (Australien) ueber der Suedamerikakarte sitzen sehen und die moegliche Route planen und Sehenswuerdigkeiten markieren. Und nun standen wir ploetzlich wahrhaftig dort und konnten den Blick mit eigenen Augen geniessen, den wir sonst nur von Fotos kannten. Da wir uns auf viele Menschenmassen eingestellt hatten, war es am Ende gar nicht so schlimm. Die Leute verlaufen sich recht gut auf dem Gelaende und wir waren dennoch sehr beeindruckt. Wir haben die Stunden sehr genossen, die wir dort verbrachten und am Nachmittag ging es dann die ganzen vielen Stunden wieder zurueck nach Cusco. Auch auf der Rueckfahrt hatten wir nette Gesellschaft, diesmal aus den USA. Manchal ist es schon verrueckt, wieviel man sich unterhalten kann, ohne Punkt und Komma!
 
Mit diesen Eindruecken fuhren wir weiter mit Kurs auf die Kueste. Es wurde Zeit, dass wir aus den Anden herausfahren. Aber dieser Abschnitt bis Nazca entpuppte sich als richtige Herausforderung und wurde am Ende gar zur Durststrecke.
Nach Cusco fuhren wir ziemlich schnell von etwa 3700m auf 1800m runter. Es war eine geniale Abfahrt in ein Tal hinein. Was daran weniger schoen war, war die Aussicht auf die anschliessende Bergetappe auf 4000m hoch. In einem Zug, endlose Serpentinen kaempften wir uns erneut hoch, was 2 Tage brauchte. Oben angekommen, standen wir auf einer Passhoehe, was bedeutet, es ging sofort wieder steil nach unten. In etwa 1,5 Stunden waren wir wieder auf 1700m. Es war echt verrueckt. Nein, es war eben das Andenerlebnis. Natuerlich war es damit nicht getan. Sondern ueber etwa 3 Tage arbeiteten wir uns einmal mehr auf 4000m hoch. Wir kamen der Kueste immer naeher und fragten uns, wann es denn wohl mal endguetlig runtergehen wuerde. Wir ueberwunden noch einige Berg- und Talfahrten und starteten den gehofften letzten Tag morgens um 6:00, um die Wahrscheinlichkeit zu erhoehen, es nun endlich bis Nazca an die Kueste zu schaffen. Es waren noch knappe 160km. Aber da wir immer noch auf 4000-4500m waren, musste es ja eine oredentliche Abfahrt geben. Diese lies aber wirklich auf sich warten. Wir kaempften uns Steigungen hoch, landeten auf einem Plateau mit Gegensturm und waren frustriert. Dennoch kamen wir gut voran. Und gerade als der Frust am Groessten schien und die Motivation fuer weitere Steigungen auf Null war, tauchten ploetzlich Andenkondore auf. Ein Kondor kam ganz nah und segelte ueber uns in die Hoehe. Es war der Wahnsinn. Es sind die Voegel mit der groessten Spannweite (ca.3,20m) der Welt und sie sind wirklich rieisg. Es war so beeindruckend und ploetzlich war aller Aerger vergessen und wir fuehlten uns befluegelt, als koennten wir mit den Kondoren fliegen. Und dann ging es ploetzlich bergab. Es waren noch etwa 70 km bis Nazca und wir rollten bergab, was nicht mehr enden wollte. Von 4000m ging es nun endlich in einem Rutsch bis auf 618m runter. Eine Abfahrt, die wir nicht vergessen werden. Und es eroeffneten sich Blicke, die wir noch nicht kannten. Eine wahnsinns Szenerie und bald im Hintergrund eine Duene. Die hoechste Duene der Welt von 2078m. Es schien so unwirklich. Ich kann diese Landschaft gar nicht in Worte fassen, aber dafuer haben wir ja eben unsere Fotos. 
Nach fast 12 Sunden waren wir in einem Hotel und hatten Essen da und erfreuten uns ueber die Dusche. Wir hatten es wirklich geschafft, die knappen 160 km an einem Tag zu fahren und wurden endlos belohnt fuer alle anstrengenden Bergetappen. Diese Abfahrt war einmalig!!
Ein Tag Erholung und dann geht es weiter Richtung Lima! 
Comments