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Iran Teil 1 (21.06.2009 - 28.06.2009)

veröffentlicht um 19.11.2009, 22:44 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 10.02.2012, 11:27 ]
Ja, wir sind wirklich im Iran. Wir hatten versucht, die Nachrichten ueber BBC und Internet so gut es ging zu verfolgen, um die Lage im Iran mit den Protesten ueber die Ergebnisse der Praesitentschaftswahl einzuschaetzen. Das Auswaertige Amt hatte auch keine Reisewarnung ausgesprochen, sondern nur empfohlen sich von politischen Kundgebungen und Massenveranstaltungen fern zu halten.
 
Wir entschlossen uns, unsere Reise wie geplant fortzusetzen, da wir uns als Touristen, ueber Land, im Norden des Iran nicht bedroht sahen. Natuerlich war uns bewusst, dass wir mit der Kamera sensibel umgehen muessen, sofern wir einreisen koennen und die Kamera uns nicht angenommen wuerde. Aber wie ihr sehen koennt, liesen sie uns in den Iran, ohne uns die Kamera wegzunehmen. Die Einreise war die unkomplizierteste und zuegigste Einreise ueberhaupt. Die Ausreise aus dem Aserbaidschan war dagegen wieder etwas nervig. Die Grenzer haben wie bei der Einreise unsere Paesse hin und her wandern lassen und mussten angeblich unser Visum und dessen Gueltigkeit pruefen. Wir fanden das schon fast laecherlich. Aber, was will man da machen, ausser laecheln und warten.
 
Also, wie ist es nun hier im Iran, was die politischen Proteste angeht: Wir bekommen wie vermutet, davon nichts mit. Sie Proteste scheinen sich auf Teheran zu beschraenken und selbst dort, soll es laut einem Teheran-Bewohner nur in einigen Strassen so sein, wie es die Medien zeigen. Es bestaetigt sich immer wieder, dass die Medien ein voellig anderes Bild vermitteln. Ich hatte gelesen, dass das ganze Land durch diese Proteste in Aufruhr sei. Aber es ist nichts zu sehen und nichts zu spueren, wo wir sind. Es hat Tote gegeben, das ist wahr. Und viele Menschen sind auch erbosst ueber die Situation, das Wahlergebniss, was vermutlich gefaelscht sein soll. Viele regen sich auch ueber die strikten Regeln und Kleiderordnungen fuer die Frau auf. Viele Iraner fuehlen sich nicht frei, man hat da das Gefuehl, sie leben eher in einer Diktatur, wenn man sie reden hoert. Gleich an unserem ersten Abend wurden wir eingeladen und mit zu einem Englischkurs genommen. Dort merkte man schon, dass viele ueber ihre ausweglose Situation, also das Gefangensein in ihrem Land durch die Politik erbost sind. Sie koennen nicht in ein Land ihrer Wahl reisen. Sie kommen kaum aus dem Iran raus. Und sie leiden sehr unter dem Bild, was in der Welt von ihnen herrscht. Sie werden ja fast auf Terroristen reduziert. Wir muessen dahingehend feststellen, dass die Iraner ein nganz hilfsbereites und gastfreundliches Volk ist. Und das haengt auch wieder mit dem islamischen Glauben und deren Kultur zusammen. Sicherlich gibt es auch die Fundamentalisten, die den radikalen Islam verfolgen, diese haben wir aber noch nicht kennengelernt. Wir sind hier wieder so herzlich aufgenommen. Das beste war: wir waren noch keine fuenf Minuten im Land, da hielt ein Auto an, die ganze Familie stieg aus und wollte wissen, wo wir herkommen und hinwollen. Als sie Mashad hoerten, luden sie uns sofort ein, denn sie wohnen dort. Ja, wir haben nun eine Telefonnummer in Mashad, die wir anrufen koennen, wenn wir da sind. Das war voellog verrueckt. Solche Dinge passieren oefter. Leute halten an, sind begeistert, dass wir deutsche sind, loben Deutschland und weisen auf unsere gemeinsamen Wurzeln der Arier hin und wollen uns einladen - einfach so. Wir verstehen das immer nicht und es faellt schwer, sich da so einfach drauf einzulassen. Heute wollte uns jemand das Zimmer bezahlen, weil wir sagten, uns sei es zu teuer. Das konnten wir auf keinen Fall annehmen. Er half uns dann dabei eine guenstigere Unterkunft zu finden. Damit war uns dann richtig geholfen. 
Das angenehme an den Iranern ist, dass sie nicht so aufdringlich sind, wie es eher die Aserbaidschaner waren. Hier sind sie auch oft zufrieden, wenn sie wissen, wo wir herkommen. Wenn wir irgendwo anhalten, sind wir nicht sofort von einer Traube Menschen umringt. Das tut gut.    
 
Neben diesen wieder einmal so positiven Eindruecken ueber die Menschen, gibt es aber auch noch einige Pannen zu berichten.
Wie erwaehnt, fahre ich ja mit einer etwas beschaedigten Nabe, was so aber keine Auswirkungen hat. Das Ersatzteil wurde bereits losgeschickt und erreicht uns dann hoffentich in Mashad. Kurz vor der Aserbaidschanisch-Iranischen Grenze spuerte ich beim Bremsen ein Zucken in der Hand durch den Bremshebel. Das bedeuted, ich hatte einen Schlag im Rad. Das ist nicht gut und muss sofort behoben werden. Tobias nahm sofort mein Rad auseinander und da sahen wir, dass sich die Felgenflanke ausgebeult hatte. Etwas, was eigentlich nicht unbedingt so einfach passieren sollte. Zumal wir nicht mit zu hohem Reifendruck noch mit Uebergewicht fahren. Und Schlagloecher waren auf der Strasse auch nicht. Aber, was will man machen. Tobias konnte es wieder einigermassen begradigen. Aber ganz weg war es nicht. Er wollte am Abend noch mal ran. Schliesslich wollten wir ja zur Grenze. Dort angekommen, stellte ich fest, dass ich hinten einen Platten hatte. Oh man, es wollte aber auch nicht bessr werden. Ich hatte das Gefuehl, mein Hinterrad zerlegt sich so allmaehlich. Nachdem wir die Grenze hinter uns hatten, war erstmal Mittagspause und Reifenflicken angesagt. Tobias zentrierte auch das Rad nochmal nach. Nun schien alles wieder gut zu sein.
Aber dem war nicht so!! Leider war das Zucken ploetzlich wieder da. Am Abend sahen wir, dass die Felge wieder ausgebeult war und dazu einen Riss aufwies. Ich war voellig deprimiert. Der naechste Schritt ist dann naemlich, dass die Flegenflanke aufreisst und nichts mehr geht. Mit solch einer Panne haben wir nach 6000 km niemals gerechnet. Das darf nicht passieren. Uns war klar, dass es sich hier um einen Materialfehler handelt. Das hilft uns aber auch nichts. Ich brauchte ein neues Hinterrad bzw. eine neue Felge. Wir wollten am naechtsen Tag sofort Patria, unseren Fahrradhersteller  anrufen, dass sie uns ein neues Laufrad nach Mashad senden, denn dass ist wohl Garantiesache. Mit dem Telefonieren war es aber nicht so einfach, denn die Auslandsleitungen sind gesperrt. Aber das Internet geht und so starteten wir einen E-mailaustausch mit Tobias Papa.  Er war so lieb und regelte das fuer uns mit Patria. Sie bauten sofort ein neues Hinterrad zusammen, meine Nabe ist ja auch schon kaputt, und es ging noch am selben Tag zur Post. Das war schon mal eine super Sache. Leider ist das mit der Garantie nicht so einfach, denn dafuer ist unser Radhaendler in Oldenburg zustaendig, nicht Patria selbst. Mal sehen, was dadraus wird. Das wichtigste ist, dass ein neues Laufrad unterwegs ist.
Die Frage war nun, wie lange wird meine Felge halten? Das beruhigende war, dass wir viele Fahrraeder sahen mit 26 Zoll-Raedern und auch gute Qualitaet. Nicht so schlecht wie im Aserbeidschan.
 
Ich war ueber jeden Tag froh, den ich heil ueberstanden habe. Das konnte ich aber leider nur 2 Tage sein, denn am zweiten Tag, am Abend sahen wir, dass die Felge schon aufgebrochen war. Wir erfuhren, dass der naechste Radladen 10 km weitweg sein sollte. Ich hoffte, dass mein Rad so weit noch halten wuerde und es dort auch etwas vernunftiges geben wuerde. 
Ja, es gab etwas. Wir verbrachten allerdings 6 Stunden dort. Sie wollten uns helfen und das Rad mit meiner Nabe neu einspeichen. Allerdings hatten sie da eine andere Kreuztechnik als wir sie kannten. Wir wurden schon etwas skeptisch, aber man spricht ja nicht gleich die Kompetenz ab. Wir vertrauten. Am Ende war es auch eingespeicht, und sicherlich fuer den normalen Fahrgebrauch tauglich. Aber fuer unsere Belastung war es definitiv zu instabil. Also, machte Tobias das Ganze noch mal selber. Es war schon recht kraeftezehrend. Aber ich habe nun ein neues Hinterrad und hoffe, dass ich damit gut bis Mashad komme. Bisher macht es keine Probleme. Die Weiterfahrt war fuer mich auch dann um einiges entspannter. Diese Pannen haben mich doch sehr belastet. Aber wir haben es auf die Reihe bekommen, haben uns nicht aus der Bahn werfen lassen sondern, das eben als Herausforderung gesehen. Also, die Reise ist kein Pappenstiel und nicht mal eben so zu machen. Tobias hat in solchen Situationen einfach einen total kuehlen Kopf. Er bleibt ganz ruhig und hat sogar Spass daran, das Problem zu loesen. Ich bin da meist nicht ganz so gut drin. Aber ich denke, ich lerne da von Tobias.

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