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Ecuador (28.06.2011 - 18.07.2011)

veröffentlicht um 17.07.2011, 17:13 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011, 06:45 ]
Machala - Quito

Der Grenzuebertritt nach Ecuador verlief ganz problemlos, und das am gefaehrlichsten Grenzuebergang Suedamerikas, wie wir hoerten. Ich war leicht nervoes, wie ich es jedoch bei jedem Grenzuebergang bin. Wir fuehren den Schildern nach. Es war eine riesige, breit ausgebaute Strasse. Keine Menschenseele war zu sehen, kein einziges Auto fuhr an uns vorbei. Wir waren ganz alleine. Es wirkte sehr absurd, dass dies ein viel genutzter und vor allem gefaehrlicher Grenzuebergang sein sollte. Und dann kamen wir zum Mirgationsgebaeude und zwei einsame Polizisten bearbeiteten unsere Paesse. Es war nichts los, aber auch gar nichts. Und das soll hier gefaehrlich sein?
Wir fragten, ob dieser Uebergang ganz neu sei, denn es wirkte auch noch etwas spaerlich eingerichtet, aber diese Grenze ist wohl schon seit 2000 in Betrieb. Zuletzt erfuhren wir aber, dass es noch einen Grenzuebergang gibt, der durch die Stadt Huaquillas fuehrt. Das erklaerte einiges. Dort fahren die Busse mit allen Toursiten durch und dort sind dann wohl auch die Trickbetrueger von denen wir hoerten. Mit dem Fahrrad ist man doch oft besser dran!

Kaum waren wir auf ecuadorianischer Seite, hatte die Wueste ein Ende und alles war gruen ueber gruen. Es tat sooo gut! Jedoch bestand das Gruen aus Monokulturen von Bananenplantagen. Die Provinz El Oro mit seiner Hauptstadt Machala bezeichnet sich als "Bananenhauptstadt der Welt". Wir stoppten bei einer Bananenverpackungsfirma, die ihre super gruenen Bananen als Premiumbananen nach Italien verkauft. Es war schon interessant zu sehen. Es dauert wohl bis zu viel Wochen, bis diese Bananen gelb werden. Und natuerlich alles im Karton. 
Wir blieben zunaechst im Flachland von Ecuador. Entlang der Kueste war es uns zu weit, ueber die Berge wollten wir noch nicht, weil auch das zu zeitintensiv geworden waere und so blieben wir in der Mitte westlich der Anden. Es war verdammt warm. Die Strasse voller Autos und oft zu eng. Die Bananenplantagern wurden bald von Zuckerrohr und spaeter von Palmoelplantagen abgeloest. Dazwischen sah man immer wieder Mais und Reis! So gut das "Gruen " auch tat, nach der vielen Wueste in Peru, so traurig ist es auch. Natur ist nur noch dort, wo es fuer den Menschen nicht rentabel ist, sie zu nutzen und die Landschaft und das Klima zu extrem sind.

Wir fuhren im Flachland bis Quevedo. Von dort aus namhen wir den Weg ueber die Anden, um nach Quito zu kommen. Quito liegt auf 2800 m Hoehe. Um dort hinzugelangen mussten wir aber wieder auf 4000 m hoch, runter und wieder hoch. Es war wieder eine anstrengende Etappe  mit der wir in dieser Dimension gar nicht gerechtnet hatten. Aber es hat sich super gelohnt. Es war mal wieder eine beeindruckende Landschaft. Berge sind eben der Hammer. Und die Anden hier in Ecuador sind ganz anders als in Bolivien oder Peru. Waehrend es dort ziemlich kark und trocken war, so ist es hier bis auf 4000 m Hoehe gruen. Es gibt in dieser Hoehe noch Waelder und um die Siedlungen herum richtig viel Landwirtschaft von Getreide. Es war unglaublich zu sehen, was fuer schwarze, fruchtbare Erde dort ist. Mehrere Meter Boden liegen auf, bis das Muttergestein kommt. Einfach unglaublich!

Tobias hatte ja aus Peru ein ganz einfaches und billiges Hinterrad eingebaut. Da er deshalb nur noch 3 Gaenge hatte und der Weg verdammt steile Abschnitte hatte, musste er teilweise schieben. Es war unmoeglich zu fahren. Selbst fuer mich mit 9-fach Gangschaltung wurde es zu steil. Und dann verabschiedete sich das Hinterrad von Tobias voellig. Es fing an unangenehme Geraeusche zu machen. Tobias dachte, die Lagerkugeln wuerden sich zerlegen. Bei dem Versuch, die Nabe aufzuschrauben, um die Kugeln neu zu fetten, mussten wir feststellen, dass wir die Kasette gar nicht abziehen konnten, weil fuer dieses Modell anderes Werkzeug benoetigt wird, als das, was wir mithaben. Zudem sahen wir, dass das Problem wohl nicht die Kugeln waren, sondern die Achse. Das Gewicht des Fahrrades hat die Achse der Nabe verbogen. Es war klar, dass dies nicht mehr lange gut gehen wuerde. Wir waren in einem kleinen Dorf in den Bergen, Esperanza. Die Idee war nun, Werkzeug aufzutreiben, um die Kassette abzuziehen, um dann die Nabe auszuspeichen, um dann die alte einzuspeichen, die wir Gott sei Dank noch hatten. Unklar blieb jedoch, ob die Speichenlaenge passen wuerde. 
Es war schon Nachmittag und wir wussten, wenn wir anfangen, das Rad zu reparieren, mussen wir dort bleiben. Wir fragten zunaechst, ob es eine Fahrradwerkstadt gaebe und man sagte uns wo. Wir waren erstaunt und froh, dass es wohl eine Werkstatt gab. Wir furhen zum beschriebenen Haus und mussten natuerlich feststellen, dass es keine Radwerkstatt war und doch keine gab. Es war nicht mal eine Werkstatt fuer etwas anderes. Nun ja, wir versuchten den Leuten zu erklaeren, was unser Problem war und fragten, ob wir denn bei ihnen Zelten koennten. Es dauerte eine ganze Weile und Tobias musste viel reden und erklaeren, bis sie letztlich einwilligten. Waehrend ich unser Lager aufbaute und unsere Reise usw. erklaerte, um die Leute etwas zu unterhalten, versuchte Tobias mit dem Rad klarzukommen. Es gab kein passendes Werkzeug, es war auch nicht moeglich, die Kassette irgendwie herauszubrechen und so blieb nur die Variante, die Speichen durchzuknipsen. Wir brauchten ja im Grunde nur die Felge, denn wir hatten auch noch die Speichen des alten Rades. Tobias speichte also die alte Nabe mit den alten Speichen und der billigen Felge zusammen. Und zum Glueck passten die Speichen gerade so. Sie waren im Grunde etwas zu kurz, d.h. es sass zu wenig Gewinde im Nippel, aber immer noch genug, um es einigermassen stabil zu bekommen. Wir mussten also hoffen, dass es die letzten Tage bis Quito durchhaelt und die Speichen nicht herausreissen. Nach guten 2 Stunden war alles fertig, hat Tobias ein neues Laufrad gebaut. Wir hatten noch einen richtig schoenen Abend mit der Familie. Sie waren sehr interessiert. Die Tochter belegt einen Englischkurs an der Uni und hat ihre Freundin geholt, um mich mit ihr zu interviewen. Das haben sie dann gefilmt, um es in ihrem Kurs zu zeigen. Sie hatten wohl gerade gelernt, Interviewfragen zu stellen. Es war sehr nett. Am Ende dachte ich nur, es sollte so sein, dass Tobias Rad kaputt geht, denn wir hatten einen ganz netten und intensiven Abend mit diesen lieben Menschen und die Tochter hatte die Moeglichkeit ein Interview fuer ihren Kurs mit mir auf englisch zu machen.
Am naechsten Tag konnten wir weiterfahren und Tobias hatte nun wieder eine Gangschaltung, was die Sache erheblich erleichterte. 

Wir besuchten die Lagune Quilotoa, ein Kratersee mit tuerkisblauem Wasser, wie man sich den schoensten Strand vorstellt. Und dann war es bis Quito nicht mehr weit. Wir genossen noch eine Nacht in einem luxurioesen Hotel, weil wir es uns hier eben noch leisten koennen, zelteten eine Nacht in einem Erholungsgebiet, was uns sehr an Deutschland erinnerte, denn es ware ein Kiefernwald, und erreichten dann Quito.
Unsere Freunde empfingen uns bereits in Tambillo, der letzte Ort vor Quito. 
Dort standen sie dann mit deutscher und ecuadorianischer Fahne und Blumen. Wir wurden dann von 2 Polizisten auf Motoraedern ins Zentrum eskortiert. Arturo und alle anderen fuhren im Auto mit Warnblinklicht hinterher. Die Polizei sperrte jedes Mal einmuendende Strassen ab und stoppten den Verkehr, wenn unsere Ampel rot zeigte, um pausenlos durchfahren zu koennen. Wir fuehlten uns wie der Praesident und die First Lady persoenlich! Es war echt genial. Tobias hat sich solch eine Eskorte schon immer gewuenscht. Nun wurde es Wirklichkeit. In der Stadt am Plaza Grande stand Presse und Fernsehn bereit. Wir wurden interviewt und von der Stadt Quito persoenlich begruesst und bekamen Geschenke ueberreicht. Der Vorsitzende des Sportvereins Quitos war auch da und brachte uns Trikots und eine Medaille! Es war der helle Wahnsinn. Wir waren umringt von Menschen und ueberall blitzte es und Fragen ueber Fragen. Wir haben es echt genossen, mal so im Rampenlicht zu stehen. Nach 1,5 Stunden Trubel und endlos vielen Fotos wurden unsere Raeder auf einen Pickup der Polizei geladen, um uns dann zu dem Haus von unseren Freunden Martha und Arturo zu fahren. 

Hier in Quito hatten wir nun eine schoene Zeit. Wir hatten eine Praesentation ueber unsere Reise, die gut besucht und gut angekommen ist. Es hat uns sehr Spass gemacht, unsere Erlebnisse mit interessierten Menschen zu teilen. 
Entspannt haben wir uns in den nahe gelegenen Thermen von Papallacta. In Otavalo besuchten wir den Markt mit viel traditioneller Kunst und zu letzt machten wir natuerlich auch noch einen Ausflug zum Aequator! 
Obwohl wir 10 Tage hier hatten, ist die Zeit schnell verflogen. 
Am Montag, 18.07. werden wir nun fliegen. Wohin, lassen wir natuerlich wie immer offen. Vielleicht nach Panama, in die USA, nach Cuba, Afrika oder doch schon nach Hause? 

Wir haben auch zwei neues Videos hochgeladen. Das eine gibt einen kleinen Eindruck, wie es ablaeuft, wenn wir unseren Zeltplatz gefunden haben.
Und das andere berichtet ueber unsere Ankunft in Quito am Plaza Grande.

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