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Deutschland (04.12.2011-10.12.2011)

veröffentlicht um 13.12.2011, 02:19 von Tobias Pieper
Düsseldorf bis Oldenburg
 
Am Sonntag, den 04.12. ging unser Flieger von New York nach Düsseldorf. Es war ein Nachtflug und die Flugbesatzung deutsches Personal. Es war herrlich die Ansage des Piloten zu hören, der uns mit einem fröhlichen "Guten Abend" begrüßte.
Als dann das Flugbegleitpersonal uns bewirtete und nach unserer Getränkewahl fragte, war es doch glatt etwas schwer, einfach so auf deutsch zu antworten. Obwohl Tobias und ich natürlich immer deutsch untereinander sprachen, so war es doch sehr unwohnt mit fremden Personen deutsch zu sprechen. So kam es auch, dass wir in den ersten Tagen immer unsere Sätze auf englisch begannen.  
Unser Flug verlief problemlos. Unerwarteterweise wurden wir dann am Flughafen Düsseldorf morgens um 8:00 von Tobias´ Eltern überrascht. Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet. Es fühlte sich ziemlich unwirklich an und durch den Jetlag waren wir beide auch nicht so richtig da. Nach einem Begrüßungskaffee bauten wir die Räder zusammen und verabschiedeten uns wieder von Tobias` Eltern und alles erschien wie im Film.
Wir fühlten uns ziemlich merkwürdig. Wir empfanden ein Körpergefühl, was schwer in Worte zu fassen ist. Wir waren zittrig, der Kopf definitiv noch nicht in Deutschland angekommen und übermüdet, aber an schlafen war nicht zu denken. 
Alles was wir wussten war nun, dass uns Astrid in Essen erwartete. Von Düsseldorf bis Essen waren es knappe 40 km über Radwege. Wir hatten keine Karte, sondern uns auf das GPS verlasen. Hier wollte die Routenführung aber nicht so wie wir und es wurde ziemlich nervig. Aber wir waren ja in Deutschland und hier gibt es sogar eine Beschilderung für Radwege - wie herrlich ist das! Das Wetter spielte auch noch mit und wir waren froh, bei Astrid unterschlupf zu finden. Wir hielten uns noch bis zum früehen Abend wach und schliefen dann wie kleine Babies ein. Als wir am nächsten Tag aufwachten und noch immer verschlafen auf den Wecker blickten, waren wir in einer Sekunde hellwach. Es war 13:30 Uhr. Wir hatten doch in der Tat 18 Stunden geschlafen. Es war unglaublich. Kaum waren wir auf, wurde es schon wieder dunkel. Gott sei Dank stand an diesem Tag kein Radfahren an.
Aber die Rechnung von dieser langen Nacht kam schnell. Wir plauderten mit Astrid bis spät in den Abend und als wir schlafen wollten, sollte uns dies nicht wirklich gelingen. Tobias bekam irgendwann hunger, denn das war ja unsere eigentlich Abendessenzeit. Wir lagen wohl bis 4:00 wach und als dann der Wecker nach drei Stunden klingelte, war dies wie ein heftiger Pferdetritt. Unser Rhytmus war völlig durcheinander. Dies hielt auch noch ein paar Tage an.
Unser Weg führte uns nach Steinfurt bei Münster, wo wir dann bei Martin einkehrten. Es war herrlich, Station bei alten Freunden machen zu können. Es wurde so zu einem langsamen ankommen. 
Auf dem Weg entdeckten wir viele Dinge, die Deutschland ausmachen und wir entschlossen uns eine kleine Fotoserie zu machen, wie sehr wir Deutschland vermisst haben.
Das Wetter wollte auf diesen letzten Tagen doch unsere Härte testen. Wir radelten durch Regen und Hagel bei Temperaturen um 2-5 Grad Celsius. Aber diese Herausforderung nahmen wir gerne an und wir spürten einmal mehr, dass wir einfach Draußenkinder sind.
In Quakenbrück gönnten wir uns ein Hotel, um unseren 1000sten Reisetag mit einem deutschen Buffetfrühstück zu beginnen. Von hier führte es uns nach Wardenburg zu weiteren Freunden, bevor wir dann am Samstag die letzten Kilometer nach Oldenburg radelten. Wir fuhren zuerst an unseren alten Wohnungen vorbei, besuchten die Uni, den Pferdemarkt und rollten dann halbwegs pünktlich am Mittag in die Kaiserstraße ein, wo wir vor 2 3/4 Jahren aufgebrochen sind und unsere Eltern uns erwarteten.
Sie haben sich nicht lumpen lassen und uns einen riesigen Empfang bereitet. All unsere Freunde und Verwandten waren aus ganz Deutschland angereist, Funk und Fernsehn war vertreten und wir durften tatsächlich durch ein Zielband fahren. Am Wendehammer war ein Pavillion aufgebaut, wo Kaffee und Kuchen bereit standen, alles war geschmückt und uns wurde verkündet, dass es später eine Feier im Litfaß mit allen Gästen geben würde. Wir waren überwältigt!
Da wir beide keine gebürtigen Oldenburger sind, haben wir kein Elternahus vor Ort, in das wir wieder einkehren konnten. Und so haben wir alle eine Nacht im Hotel verbracht und sind am nächtsen Mittag mit unseren Eltern in unsere alte Heimat gfahren. Es war schon komisch, als wir in getrennte Autos stiegen, die Raeder auf dem Gepäckträger, die Taschen im Kofferaum und plötzlich sollte alles vorbei sein. Alles geschah, ohne dass wir etwas daran ändern konnten. So war es vorgesehen, Weihnachten bei unseren jeweilitgen Familien zu sein!
Nun sind wir im alten zu Hause angekommen. Alles wirkt sehr vertraut, auch wenn sich so manches in den vergangenen Jahren verändert hat. Das Wiedersehen ist eine große Freude und oft scheint es, als wäre man gar nicht weggewesen. Das ist sogar ein wenig beängstigend, aber wir sind fleißig dabei, all das gewesene nicht fallen zu lassen. Es wird immer Teil von uns bleiben und wir sind dabei, die Veränderung, die mit uns stattgefunden hat, in unser neues Leben einzubauen. Es ist nämlich definitiv eine Herausforderung, nicht einfach so in alte Strukturen zurückzufallen, von denen man sich doch so lange gelöst hatte. Aber vielleicht ist das auch eine Wahrnehumg, die sich doch ändern wird und es wird zu einer Herausforderung, überhaupt Strukturen dieses sesshaften Lebens anzunehmen. Wir sind selber sehr gespannt und werden auf unser Gefühl und Herz vertrauen, so wie wir es die letzen Jahre immer getan haben.
 
Ich hatte bereits einen Abschlussbericht angekündigt und ich möchte hier nun noch einmal erwähnen, dass dies nicht als Abschlußbericht zu verstehen ist. An dieser Stelle war es uns zunächst wichtig, noch über die letzten Reisetage zu berichten. Darüeberhinaus gibt es noch so manches an Gedanken und Dank loszuwerden, was auch in den nächsten Tagen geschehen wird. Bis dahin genießt die vorerst letzten Fotos bei einer Tasse Tee und Kerzenschein. Ein schönen 4. Advent!
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