Reiseberichte‎ > ‎

Chile Teil 1 (27.01.2011 - 30.01.2011)

veröffentlicht um 29.01.2011, 17:17 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 01.04.2011, 10:01 ]
Santiago de Chile

Nun ist das Geheimnis endlich gelueftet. Wir sind von Auckland nach Santiago de Chile geflogen. Es geht also noch weiter!


Die letzten Tage in Auckland waren sehr entspannend. Eins der wichtigesten Dinge, die wir herausfinden mussten, war, ob wir fuer Chile auch wieder ein Ausreiseticket brauchen, ebenso wie es fuer Neuseeland noetig ist. Es kursierten so diverse Meinungen und um nicht noch einmal in solch einen Stress zu geraten, wie in Melbourne, erkundigten wir uns an mehreren Quellen. Damals in Melbourne buchten wir ein einfaches Ticket nach Santiago. Die Dame klaerte uns zu dem Zeitpunkt ueber keinerlei Visa- und Einreisebestimungen auf. In der Regel gehoert aber genau das zu ihrem Job. Jedoch war unsere Situation keine normale und so fiel das fuer sie wohl auch unter den Tisch, denn wir hatten Zeitdruck. Alles was wir wussten ist, dass wir als deutsche Staatsbuerger kein Visum brauchen, sondern bei der Einreise eine 3-monatige Aufenthaltsgenehmigung bekommen werden.
Im Internet konnte ich nur wenig darueber finden, ob man ein Ausreiseticket braucht. Im Reisebuero druckte man mir dann die Bestimmungen aus, in denen es hiess, man braeucht als deutscher Staatsbuerger keines, sofern man aus toursitschen Zwecken mit Kreditkarte und genuegend verfuegbarem Geld fliegt. Die Frau im Reisebuero meinte aber auch, dass nicht definiert sei, wieviel genuegend Geld bedeutet. Fuer Neuseelander, die nach England fliegen ist es wohl so, dass sie nur ohne Reuckflugticket einreisen koennen, wenn sie mindestens 10.000 Dollar verfuegbar haben. Sie gab mir also die Nummer des Konsulates, um mehr zu erfahren. Oh je, ich war schon wieder ganz nervoes. Sollten wir wirklich ein Ticket brauchen? Das wuerde entweder ziemliche Einschraenkung bedeuten oder ein Ticket kosten, was wir nie nutzen. Die Dame im Buero meinte, es gaebe kein 100% stornierbares Ticket. Wir hatten zwar von Freunden anderes gehoert, aber egal. Ich rief also bei dem Konsulat an: Die Frau war sehr nett und sagte gleich, dass wir keines braeuchten. Sie haette noch nie von Problemen gehoert. Und schliesslich wollen die meisten Toursiten doch ueber Land in andere Laender Suedamerikas reisen. Solange wir eine Kreditkarte mit genuegend Geld haetten, sei alles in Ordnung. Was genuegend Geld bedeutet, konnte sie nicht spezifizieren. Soviel, dass man ein Ticket laufen kann. Sie sagte aber noch, dass die Airlines manchmal Probleme machen. Teilweise wollen sie einen ohne Weiterflugticket nicht fliegen lassen. Also telefonierte ich auch noch mit der Airline, aber auch sie sagten, eine Kreditkarte wuerde reichen. Puh, nun hatten wir es von vielen Seiten und schriftlich ausgedruckt, damit sollte nichts mehr schiefgehen. Vorsichtshalber nahmen wir einen Kontoauszug mit, um zu zeigen, dass wir Geld drauf haben. 
Wir radelten zum Flughafen und packten dort alles zusammen. Unser Freund Jeff musste am selben Tag zum Flughafen und brachte uns so die Radkartons mit, sodass wir alles am Flughafen vor Ort einpackten.

Bald war es Zeit, einzuchecken. Trotz dass wir ueberzeugt waren, dass alles gut gehen wird, gingen wir mit weichen Knien zum Schalter. Und dann kam ein Déjà-vue
Wir reichten unser Ticket und die Paesse hin. Der Mann blaetterte durch das Ticket und die erste Frage die er stellte war: Kann ich ihr Weiterflugticket sehen? Uns rutschte das Herz in die Hose. Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Auch wenn wir einerseits unsere Felle haben davon schwimmen sehen, so erklaerten wir ihm ruhig und ueberzeugt, das wir keines haben und keines brauchen. Wir zeigten ihm den Ausdruck, wo stand, dass eine Kreditkarte ausreicht. Dann fing er an in seinem System zu suchen und fand die gleiche Information. Ha, wussten wir da nun mehr als er? Er konnte das wohl nicht auf sich sitzen lassen und meinte, er muesse da seine Vorgesetze fragen, ob das in Ordnung ginge. Momente des Zitterns.
Sie kam und bestaetigte uns, dass es in Ordnung ginge, sie aber eine Kopie unserer Kreditkarte braeuchten. Wir zeigten ihnen auch noch unseren Kontoauszug, was sie dann sehr beeindruckte. Wir seien sehr organisiert. 
Und dann lief alles seinen normalen Lauf. Wir gaben das Gepaeck auf, bekamen unsere Boardingpaesse und hatten es geschafft. Aber ist es nicht verrueckt? Heute ist alles so kompliziert und unueberschaubar, dass die Angestellten gar nicht mehr die Bestimmungen kennen. Man muss als Leihe, als Passagier mehr wissen, als der Angestellte, um nicht unrechtmaessig behandelt zu werden. Haetten wir nicht diese ganzen Informationen gehabt, haette er uns nicht fliegen lassen. Wir haetten wieder ein Ticket buchen muessen. Ist das nicht uebel? 

Diesmal war es ein richtig grosses Flugzeug. Wir hatten einen 11 Stunden 30 Minuten Flug vor uns. Und das mit vollem Service. Ich war ueberwaeltigt von dem Luxus. Jeder hatte seinen eigenen Fernseher im Ruecksitz des Vordermanns. Dort waren 40 Filme gespeichert, endlos viel Musik, Radio, Spiele usw. 

Wir bekamen unsere Kopfhoerer, Oropax ,eine Augenklappe und eine Fernbedienung. Oder waren es nicht doch Nasenstoepsel, eine Mundklappe, Augenknoepfe und ein Telefon? Hilfe, wir sind ueberfordert!


Es gab natuerlich auch Essen, Saft, Wein und sogar morgens noch ein Fruehstueck. Dieses wurde uns allerdings nach Neuseelandzeit nachts um 2.00 serviert. Unser Zeitrythmus war voellig durcheinander. Wir sind am 27. nachmittags um 16:00 losgeflogen und kamen am selben Tag mittags um 12:00 an, also 4 Stunden frueher als Abflug. 

In Santiago sicher gelandet, problemlos durch die Passkontrolle und den Zoll gekommen, bauten wir wieder alles zusammen und radelten los. Es war ziemlich heiss und alles sofort voellig anders. Die Berge um den Flughafen herum sind trocken und kahl. Es hat wieder Wuestencharakter. Das Wohnviertel am Flughafen ist eher arm, die Haeuser sehen heruntergekommen aus, die Strassen sind verdreckt, aber der Verkehr ist recht zivilisiert. Wir haben uns auf Chaos auf den Strassen eingestellt, aber das war gar nicht. Wir haben den Weg in die Stadt gut gefunden und haben sofort die Stadt abgegrast. Alles ist bunt, es gibt wieder Maerkte, man hoert Strassenmusiker und faehrt auf Kopfsteinpflaster.
Im Supermarkt half mir der Sicherheitsbeamte, mich zurechtzufinden und die Angebote zu verstehen. Ploetzlich verstehen wir fast nichts mehr. Automatisch will man auf englisch losreden, aber das hilft hier nicht mehr viel. 

Am Abend trudelten wir bei Johanna ein. Eine deutsche Bekannte ueber drei Ecken wohnt hier, was eine sehr entspannte Aklimatisationsphase ermoeglicht.
Am naechsten Tag haben wir gleich einen Busausflug nach Valparaiso ans Meer gemacht. Wir stuertzten uns also gleich ins Getummel, fuhren mit der Metro in die Stadt, kauften uns ein Busticket nach Valparaiso und schwups gings los. Dort hatten wir auch einen Kontakt. Die Familie eines Freundes meiner Freundin wohnt dort. Allerdings koennen sie kein englisch und wir kaum spanisch. Wir hatten keine Ahnung, wie es verlaufen wuerde. In Valparaiso fragten wir bei der Toursiteninfo, wo sie englisch sprechen, ob sie nicht unsere Bekannte anrufen koennten, um Uhrzeit und Treffpunkt auszumachen. Das war auch kein Problem. Wir schlenderten den ganzen Tag durch die Stadt und genossen die bunte und trubelhafte Atmosphaere Valparaisos. Es ist eine schoene Stadt, umgeben von Bergen, auf die die Stadtteile sich ausbreiten. Jeder Berg hat seine eigene Zahnradbahn, um hoch zu fahren. Es gibt endlos viele kleine Gassen und mit Graffiti bemalte Waende. Es sieht toll aus und verbreitet eine ganz besondere Atmosphaere.
Und am Abend klappte es tatsaechlich, dass wir unsere unbekannte Bekannte trafen. Ximena, die Frau winkte uns schon von weitem und wir wussten erst nicht, ob wir gemeint waren. Wir fuhren zu ihr nach Hause und lernten ihren Sohn mit Frau und Kind kennen. Irgendwie klappte es, dass wir uns verstaendigen konnten, aber zu Hause hatten sie dann Internet und so half uns google-translate, bessere Gespaeche zu fuehren. Es war sehr amuesant, aber auch nicht ganz einfach. Das wichtigeste Thema ist immer wieder Geld. Sie wollen wissen, wie viel Geld solch eine Reise kostet, was man in Deutschland verdient, was Biuldung kostet usw. Es wird uns unmittelbar klargemacht, dass Chilenen solch eine Reise niemals machen koennten und Bildung sehr teuer ist. Die Welt ist schon sehr ungerecht. Die Menschen hier oder auch in Aien arbeiten vielleicht mehr als wir, aber werden niemals die Moeglichkeiten haben, die wir als Deutscher oder Europaeer haben. Und das nur, weil sie woanders geboren wurden.
Aber es ist so schwer, die Verhaeltnisse realistsch zu sehen. Natuerlich verdient ein Chilene weniger, aber die Lebenskosten sind hier auch niedriger. Und Bildung ist auch in Deutschlnad nicht mehr umsonst. Und es ist unmoeglich den Leuten klar zu machen, dass wir beide nicht zu den Reichen in Deutschlnad gehoeren, sondern nur das besizten, was wir hier bei uns haben. Aber die Tatsache, dass wir reisen koenen, macht uns eben in deren Augen reich. 
Nichts desto Trotz hatten wir eine schoene Zeit mit ihnen und fuhren am naechsten morgen wieder zurueck nach Santiago. 

Wir sind sehr gespannt, wie es fuer uns hier weitergeht. Unser Plan ist es, zunaechst Richtung Sueden nach Puerto Montt zu radeln. 
     


Comments