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Bulgarien (29.04.2009 - 07.05.2009)

veröffentlicht um 19.11.2009, 22:19 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 10.02.2012, 11:24 ]
Die Grenze nach Bulgarien haben wir mit einer Autofaehre über die Donau durchquert. Und dann ging es los mit kyrillischen Buchstaben auf den Schildern. Ich war sehr froh, dass ich doch ein Semester Russisch in der Uni belegt hatte. Oft standen die Ortsnamen in beiden Schrifttypen und auf unserer Karte auch, aber es war gerade in den sehr laendlichen Gegenden und kleinen Dörfern super hilfreich. 
 
In Bulgarien wurden wir den ersten Abend auch sofort wieder heftigst eingeladen. Als wir nach einem Zeltplatz im Garten fragten wurden wir sofort reingelassen, aber zelten war nicht drin. Die Frau ging sofort ins Haus, um die Betten frisch zu beziehen und dann sassen wir auch schon am Tisch und assen alle zusammen. Wir konnten uns zwar nur mit unserem "Ohne-Wörter-Buch", Zettel und Stift, Haenden und Füssen unterhalten, aber es ging super und es war ein sehr lustiger, geselliger Abend. Man kann es wirklich sagen: Je weniger die Menschen haben, desto mehr sind sie bereit zu teilen. 
 
Die Menschen in Bulgarien waren in der ersten Haelfte bis zum Balkangebirge wieder sehr gastfreundlich, offen und interessiert. Südlich vom Balkangebirke schienen sie eher zurückhaltend und misstrauisch. Wenn wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragten, wurden wir oft abgewiesen. Wir bekamen auch einige Armutsviertel zu sehen, in denen man sich gar nicht wohlfühlte. An einem Abend war absolut nichts zu finden und wir mussten noch bis in die naechste Stadt durchpowern, um dort in ein Hotel zu gehen. Da gab es dann eine luxuriöse Suite mit Eckbadewanne, in der wir uns dann entspannt haben. Die billigen Zimmer waren voll, Pensionen gab es nicht, also mussten wir halt mal tiefer in die Tasche greifen. Aber es hat natürlich auch sehr gut getan. 
 
Landschaftlich sind Rumaenien und Bulgarien wirklich toll. Es gibt viel urspruengliche Landschaft, alles ist noch sehr Kleinbaeuerlich und somit strukturreich. In vielen Ecken scheint die Zeit stehen geblieben, die Leute fahren verstaerkt noch mit Pferdewagen umher. Es wirkt auf uns sehr idyllisch, eben wie aus dem Bilderbuch. Aber wenn man die Situation aus deren Blickwinkel betrachtet, dann verfliegt dieser Zauber schnell. Sie leben so, weil sie keine andere Wahl haben. Sis sind arm, produzieren ihre Lebensmittel für sich und müssen sehen, wo sie das nötige Geld für die Stromrechnung etc. herbekommen. Sie haben keine Chance dort rauszukommen, etwas anderes zu tun. Und das, obwohl sie ebenso zu Europa gehoeren. Es ist manchmal erschreckend, wie ungleich alles in der Welt verteilt ist. 
Aber es gibt auch diejenigen, die einige Jahre in Deutschland gelebt haben und mit Freude zurückgekehrt sind. Aus dem Grund, dass sie in Bulgarien viel stressfreier leben können. Sie haben Ruhe, viel Landschaft und ihre Tiere um sich und das ist für sie Lebensqualitaet. Nicht das dicke Auto und die Badewanne und drei Fernseher im Haus. Aber das ist natürlich eine ganz persönliche Sache. Jeder definiert Lebensqualitaet nach anderen Massstaeben.
 
Ja, und dann ging es auch schon bald auf die Grenze in die Türkei zu. Wir wollten einen kleineren Grenzübergang nehmen, um den starken Verkehr und die Grosstadt zu umfahren. Wir waren noch 10 km vom Grenzort entfernt. Da teilte uns ein Polizist mit, dass die Strasse, die wir fahren wollten nicht mehr zu befahren geht, denn die Brücke, die über den Fluss führt ist zusammengebrochen. Nun standen wir da. Der Weg, der uns zu der Grenze führte war somit 50 km laenger. Das war verdammt frustrierend. Wir wollten doch an diesem Tag, am 06.05. in die Türkei!! Aber das sollte nicht sein. Wir mussten also einen grossen Bogen zur Grenze fahren und eine Nacht laenger in Bulgarien bleiben.

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