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Australien Teil 8 (01.11.2010 – 04.12.2010)

veröffentlicht um 03.12.2010, 21:34 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 04.04.2011, 12:36 ]
Hobart

Erst einmal Entschuldigung, dass wir so lange nichts haben hoeren lassen. Aber manchmal passt es einfach nicht, und wir geniessen dann die Sendepause von dem Computer. Um so mehr gibt es wohl heute zu berichten:

Zuletzt erzaehlte ich euch, dass wir uns statt mit dem Fahrrad zu Fuss fortbewegt haben und den “Overland-Track” gewandert sind. Rueckblickend war dies wirklich ein tolles Erlebnis. Wir sind sehr froh, dass wir die Raeder haben stehen lassen, denn ohne diese Wanderung haetten wir Tasmanien nicht so naturintensiv erlebt, wie es eben moeglich ist.
Von Brunie, der Stadt im Norden, fuehrte uns der Weg entlang der Nordkueste. Die erste Etappe war eine kurze, denn wir “schafften” es nur 60 km weiter bis Devonport, wo wir unsere Bekanntschaft vom Overland-Track besuchten. Bei Tony und Merril durften wir eine ganz neue Erfahrung machen. Sie sind richtige Weinkenner und so brachten sie uns zu einem Weingut, wo wir eine Weinprobe machten. Und wir waren ganz fasziniert, wie unterschiedlich doch die Weine schmeckten. Eine Flasche “Pinot Noir” – ein klassischer tasmanischer Rotwein – genossen wir bei lecker ueberbackenem Baguette. Es herrschte eine sehr schoene Atmosphaere auf dem Weingut und die Aussicht, die wir genossen, war ebenfalls unglaublich schoen. Eine offene Landschaft mit viel Weideflaechen, zersteuten Hoefen und Baumgruppen durchzogen von kleinen Huegeln. Irgendwie wirkte diese Art der Kulturlandschaft recht vertraut und doch unterscheidet sie sich dadurch, dass anstelle der zerstreuten Hoefe, bei uns eher kleine Dorfer zu finden sind. Wie auch immer, es war wunderschoen.
Aber bei dieser Weinprobe sollte es nicht bleiben. Jeden ersten Freitag im Monat machen Tony und Merril eine Weinprobe bei sich zu Hause mit Freunden. Jeder bringt einen Wein und etwas Kaese oder Brot etc. mit und so verbringen sie einen gemuetlichen Abend und lernen neue Weine kennen. Manchmal gibt es auch kleine Raetslen, so dass das Flaschenetikett verdeckt ist und geraten werden soll, was fuer ein Wein es ist. Tony und Merril brachten diesen Abend einen ganz besonderen Wein aus ihrem Keller auf den Tisch, und es wurde ein Raetsel fuer alle. Es sollte erraten werden, wie alt der Wein ist. Fuer uns war es ebenso ein ganz besonderer Wein und der ganze Abend ein unglaublich schoenes und neues Erlebnis. Wir haben einen kleinen Einblick in die Welt der Weine bekommen und entdeckt, dass dies eine richtige Wissenschaft in Form des Weinkennens ist und zum Hobby werden kann.
Aber zurueck zu dem besonderen Wein: Keiner hat das alter wirklich erraten. Der Wein hatte den Jahrgang 1982 und das ist mein Geburtsjahr. Es war verrueckt, einen Wein zu trinken, dessen Trauben in dem Jahr reiften, als ich geboren wurde. Das ist nur schwer vorstellbar. Er war natuerlich unglaublich lecker und wie die Weinkenner meinten, auch noch nicht ueber den Berg.    

Nach diesem Erlebnis kam dann erstmal wieder eine lange Radeletappe. Bis zu dem Zeitpunkt waren wir noch nicht viel radgefahren auf Tasmanien.
Wir suchten uns die kleinen Stassen und schlaengelten uns so weit noerdlich wie ging Richtung Ostkueste vor. Tasmanien besteht aus einer Aneinanderreihung von Huegeln, was sich an den Kuesten etwas mehr in Grenzen haelt. Nichts desto Trotz ging es bergauf und bergab durch viel Wald, entlang des Meeres, ueber Schotterwege und offene Kulturlandschaft. Tasmanien ist wirklich sehr vielseitig. Waehrend der Norden gruente, war es an der Ostkueste eher trocken. Dort pausierten wir an der “Bay of Fires”, eine Bucht mit schoenen Zeltplaetzen, Sandstrand, Felsen mit roten Flechten und Ruhe. Was die Ruhe betrifft, sind wir aber sicherlich zu einer guenstigen Zeit unterwegs, denn die Hochsaison ist gerade erst am Beginnen.

Auf Tasmanien laesst es sich unglaublich einfach zelten. Es gibt ueberall Zeltplaetze, die kostenfrei sind. Um eben das unkontrollierte Wildzelten zu vermeiden, werden eben solche Plaezte zur Verfuegung gestellt und haben meist auch ein Kompostklo. Dies macht das ganze sehr leicht, aber auf Dauer auch langweilig, denn so besteht der Tag aus Raffahren und ungestoertem Zelten mit wenig Kontakt zur Bevoelkerung. Man bleibt doch recht isoliert. Gluecklicherweise haben wir aber mit dem Rad nicht immer die Reichweite und haben immer wieder die Moeglichkeit wahrgenommen, bei Ortsansaessigen zu zelten. Nie war es ein Problem, wenn wir Leute fragten. Teilweise haben wir sogar an der Tuer geklopft, um zu fragen, ob wir fuer eine Nacht hinter ihrem Haus auf der grossen Wiese zelten duerften. Und immer entgegnete uns “No worries!” – Kein Problem! Die Australier sind auffaellig entspannt und locker drauf. Man wird selbst in der Stadt gegruesst, was in Deutschland so gut wie nie passiert, weil es einfach zu anonym ist. Tasmanien ist hierin, ebenso wie das Northern Territory, wohl besonders. Die Menschen sind sehr verbunden, was einmal das Inselleben bewirkt und zum anderen die duenne Besiedlung auf so grosser Flaeche (Nothern Territory).  

Bevor wir von der Ostkueste Richtung Hobart steuerten, machten wir einen Abstecher auf die “Tasman Peninsula”. Dies ist eine Sackgasse. Es ist das erste Mal, dass wir so viele Umwege und Runden fuhren, aber anders kann man Tasmanien nicht sehen. Und es ist alles relativ nahe beieinander, so dass man es sich mit dem Rad erlauben kann. Wir haben hier jedenfalls gelernt, auch mal Wege zurueckzufahren.
An der Suedspitze der tasmanischen Halbinsel hatten wir vor, eine Tageswanderung zum “Cape Raoul” zu machen, hatten aber keine Ahnung, wo wir geschickterweise die Raeder lassen sollten. Denn auf der Karte startete der Weg im Nirgendwo. Zuversichtlich, schon eine Loesung zu finden, radelten wir Richtung Startpunkt. Und dann trafen wir voellig unerwartet auf einen kleinen “Campingplatz” mit Sauna! Ein kleines Stueck gemaehter Rasen, eine kleine Holzhuette mit Holzofen und im Vorraum eine Dusche, die aus einem Eimer und Schoepfbecher bestand. Der Besitzer: Ein junger Mann, der selber viel gereist ist und sich gerade ein Zuhause aufbaut, zu dem er zurueckkehren kann, denn eigentlich hat er fernweh, wenn er andere Reisende sieht.
Dieser Platz kam wie gerufen. Wir uebernachteten dort, genossen nach dem langen Radeltag eine gute Saune und bekamen etwas Broccoli aus seinem Gemuesegarten. Am naechsten Tag stellten wir die Raeder in seinen Schuppen. Unsere Rucksaecke hatten wir noch und wurden mit Tagesproviant und warmer Kleidung gepackt und los gings!
Die Wanderung fuehrte uns durch Wald und dichte Vegetation hoch aufs Kap. Wie eine Landzunge einige hundert Meter hoch fuehrte das Kap raus aufs Meer. Das beeindruckende war die Felsformation, aus der das Kap geformt war. Dicht aneinandergereihte Saeulen stachen aus dem Wasser senkrecht empor und bildeten den Untergrund, auf dem wir standen. Der Wind peitschte uns um die Ohren und wir mussten aufpassen, dass er uns nicht von der Kliffkante fegte. 
Es fuehlte sich an, als waeren wir am Ende der Welt angekommen. Es ging nicht weiter, nur noch zurueck.

Von der Halbinsel machten wir uns auf, unsere Bekannten in Richmond zu besuchen. Allan und Ann trafen wir in Katherine beim Arbeiten. Als wir sie anriefen, wussten sie erstaunlich schnell, wer wir sind und konnten es kaum glauben, dass wir es wirklich bis Tasmanien geschafft hatten. Ja, manche geben uns vielleicht zu leichtsinnig ihre Adresse mit den Worten “Kommt vorbei, wenn ihr in der Gegend seid!”. Wir machen soetwas schnell wahr, wenn unsere Route auf dem Weg liegt oder wir richten gar unsere Route danach aus! 
Jedenfalls haben sich Allan und Ann sehr gefreut und es war spannend, sie naeher kennenzulernen. Allan ist begeisterter Drachenflieger und baut sich gerade ein Ultraleichtflugzeug im Schuppen. Da Tobias’ Papa begeisterter Gleitschirmflieger ist und wir dadurch etwas ueber dieses Hobby wissen, hatten wir super Gespraechsstoff und konnten seine Begeisterung verstehen.
Wir machten ein Lagerfeuer und “grillten” Marshmallows, was wir noch nie gemacht hatten. Kommt eben aus Amerika!

Den Preis, den wir jedesmal bezahlen mussten, wenn wir unsere Bekanntschaften besuchten, ist der, dass sie immer oben auf dem hoechsten Huegel wohnen. Ob in Burnie bei George und Debra, in Devenport bei Tony und Merril oder nun in Richmond bei Allan und Ann. Die steilsten Strassen muessen wir erst ueberwinden!

Hier in Hobart hielt es sich ein wenig in Grenzen, aber nur ein wenig. Wieder haben wir einen “Warmshower-Kontakt” bekommen und haben es super gut getroffen. John und Alison sind sehr relaxt, ein klassisches Beispiel fuer den lockeren Australier. Da sie an dem Tag, als wir ankamen, erst am Abend nach Hause kamen, legten sie uns einen Schluessel raus, damit wir nicht draussen warten mussten, falls wir schon frueher da waeren. Wir konnten es nicht fassen. Da uns das am Ende aber zu unangenehm war, in ein fremdes Haus zu gehen, guckten wir uns in der Zeit lieber die Stadt an und fuhren am Abend zu ihnen. Kaum da, ging es auch schon zum naechsten Grillplatz weiter, wo wir mit ihren Freunden zusammen Wuerstchen grillten und Wein tranken. 
John und Alison haben noch ein Haus auf Bruny Island. Das traf sich super, denn wir hatten Bruny Island noch auf unserer Liste fuer Tasmanien, bevor wir uns hier verduennisieren.
Nach einigen Tagen in Hobart radelten wir also zu ihnen nach Bruny, eine kleine Insel, auf die man mit der Faehre uebersetzt. Sie haben dort ein riesiges Grundstueck mit Gemuesegarten, Obstbaumgarten, Weingarten im Bau, zwei Teichen und endlos grosser Rasenflaeche. Da sie also zwei Grundstuecke und Haushalte zu pflegen haben, ist eigentlich zu wenig Zeit da und so halfen wir aus. Wir verbrachten ein paar Tage auf Bruny und arbeiteten im Garten, was eine unglaublich schoene Zeit war. Wir genossen es, morgens aufzustehen und “an die Arbeit zu gehen”. Wir jaehteten endlos viel Unkraut und Tobias baute drei Kompostfaecher. Wir ernteten Salat und Bohnen aus dem Garten und ich backte zum Kaffee einen Rhababerkuchen. Wir fuehlten uns echt wohl und spuerten einmal mehr, dass wir wohl keine Nomaden bleiben werden, sondern das starke Beduerfnis haben, uns niederzulassen und einen grossen Gemuese- und Obstgarten zu haben!
Es gab sogar einen kleinen Weihnachtsmarkt mit deutscher Bratwurst im Broetchen mit Senf und Sauerkraut, denn es leben einige Deutsche dort, aber trotz Kinderchor mit Weihnachtsliedern wollte da keine Stimmung aufkommen! Weihnachten im Sommer? Das geht einfach nicht!

Nun sind wir zurueck in Hobart und bereiten uns auf die Abreise vor. Ja, wo geht es nun also hin? Neuseeland? Amerika? Oder nach Hause? Na, was glaubt ihr?

Am 09.12. geht unser Flieger! Nach Christchurch! Wo liegt Christchurch? Na, na?
Genau, in Neuseeland! Bis dahin ist noch so einiges zu erledigen.

Zu guter Letzt noch einmal eine kleiner Erinnerung an unseren Online Shop! Dieses Jahr koennt ihr es euch mit den Weihnachtsgeschenken ganz einfach machen: Kein Kopfzerbrechen, kein Kaufhausgedraenge, keine endlos langen Schlangen an der Kasse, und nach Weihnachten kein laestiges Umtauschen, weil der Pullover doch zu klein ist oder die Farbe nicht gefaellt, keine unnuetzen Staubfaenger oder einen Umschlag mit Geld…! Aber vielleicht bin ich auch zu befangen ☺!

In diesem Sinne wuenschen wir euch allen eine schoene Vorweihnachtszeit und wer noch keine Plaetzchen gebacken hat oder gar schon alle aufgegessen hat, findet zwei leckere Rezepte bei den “Downloads”!



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