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Australien Teil 7 (15.10.2010 – 01.11.2010)

veröffentlicht um 31.10.2010, 16:31 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 04.04.2011, 12:37 ]

Tasmanien – Burnie

 

Wir haben nun das Festland Australien verlassen und sind auf der Insel Tasmanien gelandet. Nach etwas ueber einem halben Jahr in Australien, fuehlte es sich an, als wuerden wir ein neues Land bereisen. Wir waren richtig aufgeregt vor Freude und Spannung auf das Neue. Bevor ich aber nun von unseren ersten Abenteuern auf Tasmanien erzaehle, moechte ich doch noch ein paar Zeilen ueber Melbourne verlieren:

 

Melbourne:

Das nasskalte Wetter hielt noch einige Tage an und wir verbrachten mehr Zeit im Haus als in der Stadt. Vielleicht erzaehlte ich schon, dass wir wieder privat untergebracht waren oder auch nicht. Wir konnten bei unserer Bekanntschaft aus Katherine bleiben, die wir beim Arbeiten im Camp-Resort kennenlernten. Ein nettes und sehr arbeitstuechtiges junges Paar, Adrianna und Krizstian.

Wenn auch der Eindruck der Grossstadt Melbourne beim Reinradeln nicht der positivste war, so entdeckten wir die Stadt spaeter besser und fanden sie recht schoen. Im Zentrum herrscht eine gute Atmosphaere, es gibt tolle Gebaeude und kleine Gassen mit Flair.

 

Wegen Tobias gebrochener Felge auf dem Stuart Highway mussten wir ja per Anhalter zurueck nach Alice Springs. Dabei trafen wir auf John aus Melbourne. Natuerlich gab er uns seine Kontaktdaten und wir versaeumten es nicht, uns bei ihm zu melden, dass wir in Melbourne angekommen waren. Wir verabredeten uns am Abend und genossen ein froehliches Beisammensein bei Pizza und Bier. Wir erfuhren erst dann, dass sie eigentlich 80 km ausserhalb Melbournes wohnen, aber das hinterte John und seine Frau nicht daran, in die Stadt zu kommen, um uns wiederzutreffen. Wir wurden fast rot als wir realisierten, was fuer einen Weg sie zurueckgelegt hatten, fuer ein paar Stunden Gemeisamkeit.

 

Letztes Jahr vor Weihnachten in Hanoi lernten wir auch einen Herren aus Melbourne kennen, der uns seine Email gab und wir schafften es auch, uns bei ihm zu melden und uns auf einen Kaffee zu treffen. Wir sind froh, uns bei diesen Menschen gemeldet zu haben, denn es ist einfach verrueckt, Menschen wiederzusehen, die man vor fast einem Jahr oder auch nur wenigen Monaten einmal getroffen hat. 

Und dann fuehlte es sich gut an, weiterzuziehen und wir buchten die Nachtfaehre nach Tasmanien. Es war wirklich aufregend. Nach einer Woche in Melbourne machte das Radpacken wieder Spass und voller Vorfreude und Aufregung fuhren wir abends aufs Schiff. 

Fotos


Tasmanien:

Nach guten 10 Stunden fahrt kamen wir morgens gegen 6.00 Uhr in Devonport an der Nordkueste an. Es war kalt, aber der Himmel sah vielversprechend blau aus. Wir dachten, “unseren” Arzt George Chandler aus China zu besuchen, der ganz in der Naehe wohnt, aber er war gerade gar nicht zu Hause, sondern weiter im Sueden der Insel.

Wir hatten also noch keinen Plan, wo wir nun hinfahren wollten. Wir setzten uns zunaechst bei McDonalds rein, um die waermende aufgehende Sonne abzuwarten und blaetterten im Reisefuehrer und schauten auf die Karte. Was machen wir denn nun?

 

Und dann sagte Tobias, ob wir denn nicht erst mal wandern gehen sollten. Wir wussten, dass es hier einen gnaz bekannten Wanderweg durch einen Nationalpark gibt, der uns auch mehrfach empfohlen wurde – der Overland Track im Cradle Mountain - Lake St Clair National Park. Wir wussten, Tasmanien ist eine Insel mit viel Wildniss und Natur, die es auf dem Rad nur schwer zu erfahren geht. Fuer wirkliche Naturerlebnisse, muss man eben wandern gehen. Und da Tasmanien eben dafuer bekannt ist, und wir gerne einen Eindruck davon bekommen wollten, war es naheliegend einfach direkt wandern zu gehen. Wir  erkundigten uns in der Touristeninfo, wie man hin und wieder weg kommen wuerde. Da es noch ausserhalb der Saison war, gab es einen Nachteil, aber auch einen grossen Vorteil. Der Vorteil war, dass der Tarck noch umsonst war. Ab dem 01.11. kostet er 150 $ pro Nase. Das ist eine Stange Geld, nur dass man ihn wandern darf. Ein weiterer Vorteil war eben auch, dass noch nicht so viele Wanderer unterwegs sein wuerden, wie zur Hauptsaison.

Der Nachteil war, dass nur Busse zweimal pro Woche hinfuhren.Vom anderen Ende zurueck (man kann keine Runde wandern!), kommt man nur mit mindestens dreimal umsteigen ueber zwei Tage hinweg. Puh, das hoerte sich alles ziemlich komlpiziert an. Also, was war die Alternative? Mit dem Rad hinfahren, die Raeder dort am Besucherzentrum unterzustellen und irgendwie per Anhalter zurueckzukommen. Wenn mir auch etwas unwohl bei dem Ganzen war, schien das noch die beste Loesung zu sein.

Nun fehlte uns aber der entscheidende Teil der Ausruestung, um wandern gehen zu koennen –naemlich der Rucksack! Leihen war leider unmoeglich. Also, checkten wir die Campinglaeden und kauften uns letztlich zwei gute, aber noch recht guenstige Ruecksaecke. Dann planten wir den Wanderweg mit Karte und den Empfehlungen der Leute im Laden, die den Track kannten und entschlossen uns, den Weg in 6 Tagen gehen zu wollen. Also brauchten wir Essen fuer 6 Tage, plus Essen fuer die Zeit, um zum Startpunkt zu fahren. Das waren zwei Tage. 

Wir fuhren somit zum Supermarkt und deckten uns mit allem Noetigen ein. Um 14.00 Uhr ware wir startklar, um uns auf den Weg Richtung Overland Track zu begeben. Das heisst, von morgens 6.00 Uhr mit null Plan, waren wir um 14.00 Uhr mit Plan und voller Ausruestung, voller Spannung und Nervositaet.   

 

Wir sollten gleich lernen, was Radfahren in Tasmanien bedeutet. Der Weg zum Nationalpark war unglaublich huegelig und dadurch kein Zuckerschlecken.  Wir schwitzten und kaempften uns die Berge hoch, aber verloren nicht die Motivation, denn es wartete ein Woche Wildnis auf uns.

Und es wurde uns wirklich nicht zu viel versprochen. Wir wanderten ueber Fels in alpiner Hoehe, stapften noch durch Schnee, liessen die Baumgrenze unter uns und bewunderten den namengebenden Berg “Cradle Mountain”. Es ging durch Sumpfgebiete, entlang von Seen und durch unberuehrte Waelder. Der Pfad ist an manchen Stellen mit Holzbohlen ausgebaut, um die Sumpfstrecken ueberwinden zu koennen. Da es noch nebensaison ist, ahben die ranger den Weg noch nicht von umgestuerzten Baeumen befreit, was eine zusaetzliche Schwierigkeitsstufe bedeutete.

Man kann von Huette zu Huette wandern, wo es Kohle- oder Gasoefen, Komposttoiletten und Regenwassertanks gibt. So anspruchsvoll der Wanderweg selbst ist, weil es wortwoertlich ueber Stock und Stein geht, so leicht wird es dann, was das Uebernachten angeht, wenn man die Etappen der Huetten wandert. Dennoch sollte man nie ohne Zelt losziehen, denn das Wetter kann schnell umschlagen, so dass man die Etappe nicht schafft oder die Huetten sind voll, so dass man zelten muss.

Wir Lieben unser Zelt, und so kombinierten wir das Ganze und zelteten, nutzten aber auch zweimal die Huetten. Wir hatten unglaubliches Glueck mit dem Wetter, denn es war ueberwiegend sonnig und trocken. Nur der drite Tag war bewoelkt mit etwas Regen am Nachmittag, wo wir aber schon in einer beheizten Huette mit netter Gesellschaft sassen.

Bereits am fuenften Tag erreichten wir das Ziel. Man kann natuerlich endlos viele zusaetzliche Routen wandern und Berge besteigen, was wir aber nicht getan haben. Wir sind kein Freund von hin und zurueck laufen. Das koennen wir also beim Wandern genauso wenig wie beim Radfahren. Und so genossen wir es, den Track auf der Hauptstrecke durchzulaufen. Es war ein tolles Erlebniss und es wurde uns wieder bewusst, wie schoen es doch auch auf dem Rad ist, denn ein Rad nennt man nicht umsonst Drahtesel. Es traegt einfach das ganze Gepaeck, was man beim Wandern selber auf dem Ruecken hat!

 

Nun hatten wir den Overland Track geschafft und das naechste Abendteuer begann – wir mussten zurueck zu den Raedern gelangen. Wir kamen erstaunlich schnell vom Besucherzentrum am suedlichen Ende des Nationalparks weg. Ein deutsches Paar nahm uns mit zur Hauptstrasse. Dort warteten wir etwa 30 Minuten und zwei junge deutsche Maedels hielten mit ihrem Camperbus an. Sie nahmen uns mit in die naechste Stadt – Queenstown. Dort uebernachteten wir. Im Supermarkt fragten wir, nach einem Campingplatz. Der lag leider etwas ausserhalb und das Maedel an der Kasse meinte aber, wir koennten auf dem Sportplatz zelten. Das sei kein Problem. Die Maedels fuhren uns sogar dort hin. Am Sportlatz standen Wohnhaeuser und wir fuehkten uns besser, nachzufragen, anstatt einfach das Zelt aufzubauen. Somit klopften wir an einer Haustuere und schon kam eine ueberaus nette Frau heraus, die uns sofort ihren Garten anbot.

Alles schien schon wieder so glatt zu laufen.

Am naechsten Morgen wurden wir dann allerdings auf die Probe gestellt. Wir mussten viel Geduld haben, bis wir die naechste Etappe schafften. Wir standen drei Stunden an der Strasse und keiner wollte uns mitnehmen. Wir zweifelten an dem, was wir taten. Die meisten Autos fuhren in die andere Richting. Waren wir auf der falschen Route unterwegs? Tasmanien hat nicht viele Strassen und wir pickten uns die kuerzeste Sttrecke heraus, um zuerueckzukommen. Die Kuerzeste schien aber nicht die Frequentierteste zu sein. Wir sahen uns schon zu der netten Frau zurueckkehren, um noch eine Nacht in Queenstown zu bleiben.

Und dann endlich hielt ein Auto an. Und ploetzlich wendete sich alles wieder zum Perfekten. Es war schon wieder fast unheimlich. Jimmy und seine Freundin Jas waren so hilfsbereit und fuhren uns dirket zu unseren Raedern, was ein Umweg von 60 km fuer sie war. Aber sie wollten es, sie hatten Spass daran. Es war unfassbar fuer uns.

Wir konnten somit noch am selben Tag unsere Raeder bepacken und aus dem Natioanlpark herausradeln und ein nettes Plaetzchen zum Zelten suchen.

Und dann versuchten wir es noch einmal “unseren” Arzt George Chandler zu kontaktieren, der mittlerweile zu Hause sein sollte. Und so war es. Wir waren herzlich Willkommen, zu ihnen zu kommen. Wir radelten also vom Nationalpark nach Burnie an die Nordkueste zurueck. Dabei durften wir Tasmanien schon mal von der nassesten Seite kennenlernen. Wir hatten Dauerregen!

Nun sind wir bei Familie Chandler und wieder ist es zu verrueckt, einen Menschen wiederzutreffen, den wir vor mehr als einem Jahr kennenlernen duerfetn. Der kleine Ruben von drei Jahren hat sofort einen Narren an Tobias gefressen! Er ist also gut beschaeftigt! 

Nun sind wir gespannt, was fuer Erlebnisse auf uns in Tasmanien noch warten! 

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