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Australien Teil 6 (23.09.2010 – 15.10.2010)

veröffentlicht um 14.10.2010, 23:52 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 04.04.2011, 12:37 ]

 Melbourne

 

Und wieder sind drei Wochen vergangen und so wie die Wochen vergehen, so summieren sich die Kilometer auf unserem Tacho.

Der Weg von Adelaide nach Melbourne war sehr abwechslungsreich. In Adelaide selbst wurde Tobias noch zum Zaubergehilfen. Wir schlenderten zur Promenade in Glenelg und wurden von den Vorfuehrungen eines Strassenkuensterls in Bann gezogen. Und keine fuenf Minuten spaeter war Tobias schon mit verwickelt. Der Kuenstler wurde von Tobias und einem weiteren Helfer aus dem Publikum mit Ketten gefesselt, nach dem er sich selbst mit dem Oberkoerper durch einen Tennisschlaeger gekaempft hat, den er nun um den Bauch hatte.

Fest gefesselt und mit Vorhaengeschloessern gesichert, wollte er sich nun innerhalb zwei Minuten befreien. Und es war wirklich nicht zu glauben, wie er das machten wollte. Aber so wie es Houdini schaffte, befreite auch er sich. Wirklich eine faszinierende Show.

 

Nachdem wir Adelaide verliessen, ging es weiter durch die Berge Richtung Kueste. So schoen es in den Adelaide Hills war, so angenehm war es auch, wieder ins Flachland zu kommen. Aber es ist gut, immer wieder gefordert zu werden und ausserdem moechten wir noch weiter nach Tasmanien, wo es ziemlich huegelig sein wird. Also, ein Training ist gut.

 

Auf dem Weg in den Grampians Nationalpark steuerten wir die Naracoorte Caves an. Wir besichtigten eine der zahllosen Karsthoehlen, und druften ein Fossil eines ausgestorbenen Grosssaeugers sehen, den es nur in Australien gab. Es sieht aus wie ein riesiges Nagetier und ist mit den Kaengurus verwandt, aber soll dennoch ein Fleischfresser gewesen sein. Sie nennen es Beutelloewe.

 

Die Grampians waren ein tolles Naturerlebnis. In Mitten eines Flachlandes tuermt sich eine Felsformation auf, die ueber und ueber mit Wald bedeck ist. Es gibt Wasserfaelle, tolle Aussichtspunkte und Wandmalereien der Aborigines zu besichtigen. Aber alleine das Durchradeln dieses bergigen Waldes, der sich etwa 90 km von Nord nach Sued erstreckt, ist schon ein Erlebnis.

Nach den steilen Etappen im Park war es dann wieder sehr angenehm, flache Strassen zu haben, aber der Weg bis zur beruehmten Great Ocean Road war nicht mehr weit, wo uns weitere Bergetappen erwarten sollten.

 

Eines abends bei der Zeltplatzsuche landeten wir bei einem franzoesisch-australischen Hippie-Paar. Ein buntes Haus mit Hund und Huehnern, einem kleinen Gemuesegarten und zwei kleinen Kindern.  Die Kinder waren so neugierig als ich unser Essen zubereitete, dass ich aufpassen musste, dass sie sich nicht am Kocher verbrennen oder gar in den Topf fallen. Die Haende konnte ich gar nicht heraushalten, als ich Tomatenmark und Thunfisch zu den Nudeln fuegte. Sie wollten selbstverstaendlich probieren. Und so holten sie Teller und Gabeln und sassen am Ende zufrieden im Gras und mampften unser Abendessen, was ihnen offensichtlich besser schmeckte, als der spaeter servierte Kartoffelbrei. Aber natuerlich, wer zieht nicht Nudeln den Kartoffeln vor, he?   

 

Die Great Ocean Road ueberwaeltigte uns schon von ihrer Szenerie. Am ersten Tag hatten wir durch leichten Spruehregen und tief haengende Wolken einen mystischen Start. Die Strasse fuehrt entlang der Kueste, die ueberwiegend eine Steilkueste ist. Durch die Kraft des Wassers, welches stetig an der Kueste nagt sind interessante Felsformationen aus haerterem Gestein stehen geblieben, waehrend der Rest weggespuelt wurde. Nun stehen Felsen unterschiedlichster Formen im Meer. Der bekannteste Spot sind wohl die 12 Apostel. Aber wie e simmer so ist, dies wird touristisch verkauft und ist voellig ueberlaufen, aber sie stehen den anderen Spots in nichts nach. Ich fande andere Felsformationen sogar viel schoener.

Das Wetter wurde am ersten Tag nach einer sonnigen Mittagspause leider schlechter. Im Regen strampelten wir die ersten Steigungen hoch, womit ich nicht gerechnet hatte, denn Kueste bedeutet fuer mich Flachland, aber wir sind ja nicht in Norddeutschland unterwegs. Es ging durch den Otway Nationalpark, der uns mit riesigen Baumfarnen ueberraschte. Es sah alles wie in den Tropen aus, aber wir waren doch in Suedaustralien an der Kueste. Konnte das denn sein? Nachdem wir wieder auf einen Mann trafen, der es zu gut mit uns meinte, in dem er uns in seinem leeren Fereinhaus duschen und kochen lies, erfuehren wir, dass die Suedspitze tropischen Regenwald beherbergt. Und am naechsten Tag durften wir bei tollestem Wetter wirklich durch Regenwald spazieren, der voller Baumfarn ist. Als Attraktion sollte man einen gigantischen Baum sehen koennen. Aber so wie der Lauf des Lebens ist: Alles kehrt einmal zur Erde zurueck. Er war umgestuerzt. Und es war irgendwie schoen zu sehen, denn einmal mehr, schehrt sich die Natur nicht um den Menschen, noch weniger um den Touristen.

Dennochr ist aber auch hier der Mensch wieder zu dominant. Denn von diesem Regenwald ist nur ein kleines Stueck uebrig. Der Rest ist der Abholzung und Landnutzung zum Opfer gefallen.

 

Die Fahrt nach Melbourne wurde weniger angenehm. Wir hatten mit Regen und viel Verkehr zu kaempfen. Es ist nie eine Wonne in Grossstaedte zu radeln und Melbourne zaehlt fast 4 Millionen. Wir mussten durch die industriellen Randgebiete, Vortorte mit schraegen Gestalten, bis wir dann das Zentrum erreichten, wo natuerlich nichts von all dem Rattenschwanz, der an einer Stadt haengt, zu sehen ist. Mit Rattenschwanz meine ich Muellberge, endlos grosse Industrieflaechen zur Energieversorgung und Lagerung aller Gueter, die Menschen meinen Kosumieren zu muessen. Viel mehr haben wir allerdings noch nicht gesehen, denn Tobias kurriert eine hartnaeckige Erkaeltung aus und das Wetter ist gerade auch nicht auf unserer Seite. Aber wir koennen uns nicht beschweren. Das Wetter an der Great Ocean Road und in den Grampians war super.

 

Wann und wie es nun genau weitergeht, wissen wir auch noch nicht. Wir wissen nur, dass wir nach Tasmanien wollen.  Also, die Durchquerung Australiens haben wir nun geschafft, aber das Kapitel Australien ist noch nicht zu Ende geschrieben.
 

        

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