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Ausflug zum Barunga-Festival

veröffentlicht um 14.06.2010, 01:28 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 01.03.2012, 12:23 ]
Wenn auch unsere Hauptbeschaeftigung das Arbeiten ist, so wollen wir doch nicht ganz kulturelle Ereignisse an uns vorbei ziehen lassen, denn deshalb sind wir schliesslch auch hier. Und damit ihr mal wieder etwas zum Lesen und Gucken habt, gibt es einen neuen Eintrag!

Wir haben uns letztens den Ort der ersten Pioniersiedler angesehen. In Springvale, was heute ein Campingplatz ist, haben sich die Briten um 1788 niedergelassen. Mitten im Nichts. Der Plan war, hier eine grosse Schaffarm aufzubauen, um Fleisch und Wolle zu vermarkten. Es dauerte 1,5 Jahre, um das Vieh von Adelaide (an der Suedkueste) hoch in den Norden zu bringen. Viele Tiere starben, Menschen bekamen Malaria und das groesset Problem war natuerlich die mangelde Wasserversorgung. Als sie sich soweit niedergelassen hatten, gab es ein naechstes Problem. An wen sollten man nun Fleisch und Wolle verkaufen? Man befand sich ja mitten im Nirgendwo, 100e Kilometer von der naechsten kleinen Siedlung oder Farm. Wir konnten nur mit dem Kopf schuetteln, als wir das lasen, denn das weiss man doch vorher, wenn man sich auf den Weg ins Nichts macht. Aber das war nun mal der Pionier- und Eroberer-Geist. 

Gerne moechte ich noch einige Zeilen zur Situation der Aboriginies loswerden. Es ist nicht einfach, zu sehen, wie sie heruntergekommen herumlungern, im Laden Dinge kaufen wollen, wofuer das Geld am Ende nicht reicht, aber entscheidungsunfaehig sind, ein Teil wegzulegen. Am Ende muss der Kassierer, alles aus der Hand nehmen. Eine Reaktion von den Eingeborenen gibt es keine. Wir haben auch gesehen, dass sie vom Kassierer angesprochen werden, und sie reagieren nicht. Es gibt keine Antwort. Sie gucken durch einen durch, ins Leere oder in eine andere Welt. Es faellt schwer, diese Haltung begreifen zu koennen.  
Die Situation ist wirklich einfach schrecklich. Vielleicht hat der ein oder andere das Buch "Der Traumfaenger" gelesen, was eine wahre Geschichte ist. Dort stand geschrieben, dass ein Aboriginie sagte, die Zeit der Aboriginies sei vorrueber. Sie werden diesen Planeten verlassen. Und es scheint fuer uns, als haetten sie bereits den Planeten verlassen. Es wandeln vielleicht lediglich noch ihre Huellen umher. So wirkt es auf uns. Sie sind nicht hier.
Vor wenigen Tagen durften wir aber mehr ueber diese Kultur erfahren, was uns ein etwas besseres Verstaendnis brachte. In einer guten Unterhaltung mit Australien wurde uns erklaert, dass es beispielsweise in deren Sprache kein "Bitte" und "Danke" gibt. Denn es gibt auch kein "Mein" und "Dein" im Besitzverstandnis. Alles gehoert allen, solange man zur Familie oder dem Clan gehoert. Demnach brauchen sie sich auch fuer nichts bedanken, wenn sie etwas aus dem "Besitz" des Clans/der Familie bekommen oder nehmen. Man fragt auch nicht, ob man es nehmen kann. Und somit ist es heute so, dass sie sich bei dir niemals bedanken, wenn du ihnen etwas gibts, schenkst oder heruntergfallenes aufhebst. "Danke" kennen sie einfach nicht.
Ist das nicht verrueckt? Daraus ergibt sich nun, dass wir "Bitte" und "Danke" nur daraus entwickelt haben, weil wir persoenlichen Besitz haben: "Mein" und "Dein". Und es ist etwas besonderes, wenn wir teilen, etwas von unserem Besitz abgeben. Das wird dann gewuerdigt. Bei den Aboriginies ist dies aber selbstverstaendlich. Was ist also nun fragwuerdiger? Unser Umgang oder deren Umgang?

Dies ist nun nur ein Beispiel, was unsere Kultur unterscheidet und macht deutlich, dass hier zwei Kulturen aufeinandergeprallt sind, die sich schlichtweg nicht vereinen lassen. Und so scheint es verstaendlicher, dass sie im Laden nicht reagieren (koennen), aus irgendwelchen kulturellen Hintergruenden, die wir nicht kennen und deshalb ihr Verhalten nicht nachvollziehen koennen.

Am Wochenende waren wir dann auf dem Barunga-Festival, ein Sport- und Kulturfestival der Aboriginies. Es fand in Barunga, einer Aboriginie-Kommune, 80 km ausserhalb von Katherine statt.
Wir konnten uns das Arbeitsauto von Tobias Chef leihen, um hinzufahren. Es war sehr spannend zu sehen, wie sie dort leben. Diese Kommune ist natuerluch unterstuezt von der Regierung, wie wohl alle. Es gibt dort kein traditionelles Buschleben mehr und so sahen wir Privatgrundstuecke, die voellig vermuellt waren, obwohl eine grosse Muelltonne daneben stand. Irgendwie ist es unvorstellbar, dass sie nach nun etwa 5 Generationen mit westlicher Kultur, immernoch nicht Muell entsorgen koennen. Klar gab es kein Plastik, keine Dosen etc. Wie alle Nomadenvoelker hinterliess man nur "Muell" der verrottet. Wir haben Verpackungen und vieles mehr gebracht, womit sie nur schwer umgehen koennen. Dennoch sind es 5 "britische" Generationen. Aber vielleicht geht es doch alles zu schnell fuer solch eine Kultur. Auch in Kirgistan sahen wir das Muellproblem.

Aber nun mal zur schoenen Seite des Festivals. Es gab Kunstausstellungen und viel Sport. Der australische Nationalsport ist "Football", was mit einem uns bekannten "Rugby-Ball" gespielt wird. Es ist wohl so eine Mischung aus Rugby und Fussball. Da dieser Sport hier etwa so hochgehalten wird, wie bei uns Fussball, erklaert sich auch, warum Australien heute 4:0 gegen Deutschgland bei der WM verlieren musste. .
Weiterhin gab es Web-Workshops, man konnte sein eigenes Didgeridoo bauen, Basketball sehen, essen und in der Sonne herumliegen. Sehr interessant war dann ein Speerwurf-Wettkampf. Sie Speerwerfer mussten ein Papp-Kaenguru in einer Entferung von bestimmt 25 Metern treffen. Sowohl Weisse als auch Aboriginies haben teilgenommen. Manche hatten das erste mal einen Speer in der Hand und somit wurde schnell klar, dass dies nicht mal eben so zu machen ist. Hier waren die Eingeboren schwer im Vorteil und zeigten einige souveraene Wuerfe. Allerdings hat niemand das Kaenguru getroffen. 
Ein weiteres tolles Event war der Didgeridoo-Wettkampf. Hier gab es viele Bewerber und es war wirklich gut. Es gab zwei Kategorien, einmal traditionell und modern-freestyle. Einige europaeische, asiatische und australische Freaks sind aufgetreten und haben unglaublich kreativ gespielt, waehrend die Aboriginies bei der traditionellen Spielweise geblieben sind.   
Es war ein schoener Tag und besonders gut, mal aus Katherine und dem Resort herausgekommen zu sein. Man klebt hier doch ganz gut fest und Abwechslung ist sehr erfrischend. Also, bis zum naechsten Ausflug!
   
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