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Arbeitsbericht (Tobias)

veröffentlicht um 22.05.2010, 18:05 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 25.05.2010, 03:16 ]
Zeiten aendern sich! So gibt es nun Arbeitsberichte anstatt Reiseberichte zu lesen und sogar den ersten Bericht im Tagebuch von mir!

In unserem Waschraum habe ich einen Zettel aufgehaengt, auf dem die vergangenen Arbeitstage abgestrichen werden. Geplant sind drei Arbeitsmonate. Der erste Monat ist nun fast vorbei. Es hat mich schon beeindruckt, wie schnell wir Arbeit gefunden haben. Nicole ja schon am zweiten Tag! Nach einer Woche hatte ich auch einen Job. In den "Gelben Seite" habe ich einige interessante Firmen gefunden die ich angerufen habe und nach Arbeit gefragt habe. Bei einer hatte ich dann Erfolg. Dann habe ich mir noch Arbeitsschuhe, einen Hut und eine Jeans aus dem Second-Hand-Laden gekauft, eine australische SIM-Karte fuer unser Haendy und los ging es. 

Hinter mir liegen abwechslungsreiche Tage in der Baumpflege-Firma. Morgens ziehe ich mir das typische, australische Arbeitshemd ueber und werde puenktlich am Campingplatz abgeholt. Von der Firma geht es dann meist zu dritt auf die verschiedenen Baustellen. 
Baumpflege ist uebrigens etwas verwirrend, denn meistens werden die Baeume einfach gefaellt. Das Faellen geschieht mit Hilfe einer Hebebuehne "Stueck fuer Stueck". Dann wird das ganzen Astwerk gehaeckselt. 
Abwechslung bringen die Tage, wo wir Baeume und Hecken zurueckschneiden, Totholz und Kokusnuesse entfernen, bei einer alten Dame den Rasen maehen oder wenn "Lieth", unser Vorarbeiter, in ein Wespennest saegt und mit ueber hundert Wespenstichen ins Krankenhaus gebracht werden muss. 
Spannend waren die Besuche auf dem Militaerstuetzpunkt "Tindal". Hier ist die australische Luftwaffe stationiert und bereitet sich auf die indonesische Invasion (!?) vor. Wir haben hier die Schutzwaelle um den Jet-Hangar gemaeht.

Besonders interessant war dann ein Job am Anfang der Woche. Fuer drei Tage waren wir weit ausserhalb von Katherine, um Baeume zu schneiden. Es ging zunaechst 260 Kilometer auf dem Victoria-Highway Richtung Westen. Es folgten weitere 80 Kilometer auf einer Schotterpiste mit den typischen "corrugations" (Bodenwellen) die das ganze Auto durchschuettelten. Mittags erreichten wir die Forschungsstation "Kidman Springs". In der Provinz "Northern Territory" gibt es viel Viehwirtschaft und entsprechend konzentriert sich diese Station auf die Zuechtung von Rinderrassen und Methoden der Brandrodung. Die Station liegt an und auf einem Huegel mit einer beeindruckend Aussicht. Ausser ein dutzend klimatisierter Wellblechhuetten und sechs Leuten ist dort aber nichts! So weit das Auge reicht nur Landschaft durchsetzt mit Rindern und Wallabies (kleine Kangurus). Keine Haeuser, Strassen, Hochspannungsleitungen o. ae. zu sehen. Handys funktionieren hier auch nicht. Die Leute telefonieren hier via Satellitentelefon. Eine Landebahn fuer Flugzeuge scheint da obligatorisch. Besonders in der Regenzeit ist die Naturstrasse naemlich nur schwer bis unpassierbar.
Fuer drei Tage haben wir nun hier gearbeitet. Jeder hatte sein eigenes Zimmer und es gab eine Gemeinschaftskueche. Am ersten Abend musste ich jedoch feststellen, dass es mit anderen Reisepartnern gar nicht so einfach ist. Besonders, wenn diese voraussetzen, dass was ihnen gefaellt auch allen anderen gefaellt. So hatte Lieth noch in Katherine schnell "etwas" eingekauft, fuer den Fall, dass wir auf der Station nicht verpflegt werden. Verpflegung musste tatsaechlich mitgebracht werden und am Abend stand ich hungrig vor unserer grossen "Camping-Kiste" mit dreckigem Geschirr, Malzkaffee, drei Kilo Zucker und zwei angebrochenen Nudelpackungen! Lieth hatte Steaks, Wuerstchen und eine Stange Toastbrot gekauft. Kurze Zeit spaeter stand er neben mir und kaute sein Wuerstchen im Toastbrot. Zusammen mit meinem anderen Kollegen haben wir dann die Kueche und Kuehlschraenke nach anderen Sachen durchforstet. Zum Glueck haben die vorigen Besucher einiges hinterlassen und wir konnten etwas schmackhafteres als Wurst im Toastbrot improvisieren.
Die Tage im "Outback" waren regnerisch und anstrenegend. Entsprechend dreckig, muede aber gut gelaunt fuhren wir dann zurueck nach Katherine. 

Ich bin froh und dankbar hier zu sein, einen Alltag zu haben, Australien unter Australiern kennenzulernen. Wir leben wie Australier mit Arbeitstagen, Wocheneinkaeufen bei Woolworth, australischem Bankkonto und Fuehrerschein, Zahnarztbesuch und Joggen am Katherine-River. Wir werden aber auch taeglich mit der dramatischen Situation der Aborigines konfrontiert. Es ist schrecklich, die Ureinwohner so gleichgueltig und motivationslos herumlungern zu sehen. Meist sind sie betrunken und hinterlassen ueberall ihren Muell. Am schlimmsten ist aber die Erfahrung, dass man sie im Laufe der Zeit gar nicht mehr wahrnimmt, sie vielleicht sogar unterbewusst verurteilt. Hoffentlich verlieren wir nie den objektiven Blick und sehen Dinge als "normal" die "alamierend" sind und glauben, dass unser (der kapitalistisch, rationale) Weg der einzig wahre ist. Fuer die Aborigines ist er es offensichtlich nicht! 
Das Klima ist uebrigens nach wie vor eine Herausforderung. Noch immer will sich die Trockenzeit nicht richtig einstellen. So schwitzt man tagsueber die Sachen nass und es gibt Abende, an denen man sich ins Zelt legt und spuert, wie ununterbrochen Schweissperlen am Koerper herunterlaufen. Aetzend! Ausserdem entzuenden sich die kleinsten Kratzer in diesem staendig feuchten Klima. Nicole erzaehlt bestimmt noch etwas von ihrem Fusspilz, aber vielleicht sollten wir ja auch nicht alles erzaehlen ;-)!

 



 
Werkstatt.

Jack und die Motorsaegen-Parade.

Hier hat alles seine Ordnung!



Victoria-Highway.

Victoria River.

"Dirtroad". 

Landschaft beim "Gregory Nationalpark".

"Tree Cutting In Progress"!

Asiatische Rinder.

So wohnt man im "Outback".

Wer sieht das Kanguru?

Weites Land!











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