Reiseberichte‎ > ‎

Abschlußbericht, 22.12.2011

veröffentlicht um 21.12.2011, 13:56 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 23.12.2011, 08:35 ]
Nun sind wir schon fast zwei Wochen zu Hause und Weihnachten steht vor der Tür. Das erste Wiedersehen ist gefeiert, die Geschenkeeinkäufe getätigt und die Tage werden ruhiger. So möchte ich diesem Moment nutzen, um unseren Abschlussbericht zu schreiben und die Reise noch einmal vorbeiziehen zu lassen.
 
Dank
Zunächst möchten Tobias und ich ein ganz herzliches Dankeschön aussprechen. Der Dank gilt unseren Familien, die uns von Anfang an moralisch unterstützt haben und auch unterwegs immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Ein besonderer Dank gilt aber auch den unzähligen lieben Menschen auf der Welt, die uns auf verschiedenste Weise unterstützt haben und somit dieser Reise zu einem Erfolg verholfen haben. Wir denken hier an Wegbeschreibung, Wasser, Mahlzeiten, sichere Zeltplätze, Nächte in Häusern, Duschen, Ausflüge oder erholsame Geselligkeit.
Ich habe von vielen Begegnungen und der großen Gastfreundschaft berichtet, aber konnte natürlich nicht alle in meinen Berichten nennen. Aus diesem Grunde hatten wir schon recht früh auf der Reise mit einer "Sponsoren-Liste" begonnen. Natürlich bleibt auch diese Liste unvollständig aber es wird zumindest etwas deutlicher, wie viele Menschen uns diese Reise ermöglicht haben.
Nicht zuletzt möchten wir uns auch bei den vielen Unternehmen bedanken, die uns mit notwendigen Ausrüstunggegenständen unterstützt haben und damit unsere Reisekasse schonten.
 
Vorurteile, Ängste und Unbehagen
Als wir im März 2009 unsere Reise oder besser, unser neues Leben begannen, hatten wir wohl das ein oder andere Vorurteil im Kopf. Wir hatten undefinierte Angst vor dem Unbekannten. So viele fremde Länder standen bevor, wo wir keinerlei Vorstellung hatten, was uns dort erwartet. Und sicher war das Unbehagen gegenüber der muslimischen Welt am größten.
Woher kommen aber solche Ängste und Gefühle von Unbehaben? Sie entstehen doch in unseren Köpfen, weil wir meist Nachrichten verfolgen, in denen ein besonderer Fokus auf Sensationsgeschehen gelegt wird. Es wird viel von Gewalt, Krieg und Unglück berichtet. All das was wir als schlechte Nachrichten bezeichnen.
Man hört leider wenig von guten Taten, Großzügigkeit und Mitmenschlichkeit. Aber genau das haben wir erfahren dürfen: Mitmenschlichkeit und herzliche und ehrliche Gastfreundschaft! Wir sind heute sehr froh, dass sich nichts von unseren Ängsten und Vorurteilen bestätigt hat.
Wir erkannten ziemlich schnell, dass man sich kein Bild von einem Land und seinen Menschen Menschen machen kann, wenn man bloß Medienberichte als Quelle heranzieht. Darüber hinaus ist ebenso wichtig, ein Land und seine Menschen nicht nach der Politik des Landes zu beurteilen. Die Politik eines Landes spiegelt nicht zwangsläufig die Mentalität der Bevölkerung wieder.
 
Spiritualität
Wir reisten durch viele Kulturen und damit Religionen, besuchten verschiedene Gottesdienste und übernachteten sogar in einer Moschee im Iran.
Menschen auf der ganzen Welt sind nicht nur äußerst gastfreundlich, sondern auch sehr spirituell! Sehr oft sind diese beiden Dinge auch eng mit einander verbunden. Viele Menschen scheinen ihre Kraft, Zuversicht und vielleicht sogar ihren Sinn in der Religion oder in gewisser Spiritualität zu finden. Menschen wirken weltweit durch das Phänomen der Spiritualtät verbunden zu sein. 
 
Suche nach dem Glück
Gleichzeitig lässt sich aber genauso feststellen, dass gerade in den östlichen Kulturen Geld an Bedeutung zunimmt. Es scheint als läge der Sinn und das Glück im Geld. Und so streben alle danach und unsere Welt verökonomisiert zusehends. Schwer messbare Werte im Sinne von Geld sind weniger interessant, ehr wertlos und nichts nütze.
Wir haben aber definitiv den Eindruck, dass die Menschen, die am wenigsten materiellen Wohlstand besitzen, die Glücklichsten sind. Wie oft sagt man, "weniger ist mehr". Wir in der westlichen Welt werden aber zum Vorbild und so viele wollen diesen materiellen Wohlstand erreichen. Wir können ihnen aber nicht erklären, dass dies nicht zwangsläufig der Weg zum Glück ist. Ist es nicht so, dass wir immer unzufrieden sind, weil wir z.B. mit dem iPad "1" schon nicht mehr aktuell sind und gleich das iPad "2" brauchen? Wir sind vielleicht für einen Moment glücklich, weil wir etwas Neues haben, aber wie schnell ist das verflogen, weil es gleich schon wieder alt ist. Wir hetzen hinter etwas her, was wir dort doch nicht finden können. Glück in der Konsumwelt wirkt so unerreichbar.
Und diese Menschen, die einfach leben, scheinen aber das zu haben, was wir suchen. Unserer Meinung nach drohen sie aber diese Zufriedenheit zu verlieren, wenn sie uns als Vorbild sehen.  Aber das können  wir ihnen nicht sagen, denn der Mensch scheint so gestrickt zu sein, dass er aus Erfahrung anderer nur sehr schwer lernt. Er muss alles selbst am eigenen Leib erfahren, um zu lernen und Konsequenzen zu ziehen oder seelenfrieden zu erlangen. Und das ist so frustrierend.
 
Respektlosigkeit
Neben unserem Studium der Landschaftsökologie hat uns besonders diese Reise noch einmal sehr deutlich gemacht, wie sehr doch unsere Erde ein Wunder ist. Sie hat so viele Schoenheiten zu bieten: Seien es die Iguazu Wasserfaelle in Argentinien oder auch nur die kleinen Blüten, die sich nach dem Winter durch die Laubdecke kaempfen. Zeltet man im australischen Outback unter einem sternenuebersähten Himmel, wird einem unmittelbar klar: Die Erde ist nur ein Planet unter unzaehligen. Im Vergleich mit den anderen Planeten ist die Erde doch ein außergewoehnlicher Ort, ein Wunder und unsere Heimat als Menschheit! Diese Erkenntnis ist jedoch leichter geschrieben als verinnerlicht. Dies fällt einem ja schon allzuoft mit dem Wunder des eigenen Lebens schwer. Wer freut sich schon am Morgen, dass er wieder lebendig (und meist gesund!) aufwacht? Die Existenz unseres Planeten und uns als Mensch bleibt jedoch ein Wunder und ein Potential für Glück.
Betrachtet man nun aber unseren Planeten, so muss man zugeben, dass die Menschheit zu einer Bedrohung des Planeten und fuer sich selbst geworden ist. Die Natur- und Umweltzerstörungen weltweit belegen dies. Was für den einen oder anderen abstrakt wirkt, ist uns nach unserer Reise deutlich geworden. Sieben Milliarden Menschen hinterlassen ihre Spuren und haben einen erheblichen Einfluss auf die Welt. Heute empfinden wir diesen Einfluss im Rahmen der globalen Marktwirtschaft als sozial unfair und respektlos gegenueber unseres Planeten und anderen Lebewesen und am Ende scheinen wir unsere Bestimmung als Menschheit zu verfehlen, nämlich die Wunder zu erkennen, zu respektiern und uns daran zu erfreuen.
 
Folgen des eigenen Handelns
Im Zuge der Untransparenz des globalen Marktes kann doch kaum einer mehr die Folgen seines eigenen Handelns überblicken. Man hat kaum noch Möglichkeiten den Verpackungen, die unendliche Müllberge verursachen, aus dem Weg zu gehen. Wer überdenkt denn, wo die Futtermilltel für sein verzehrtes Hühnchen oder Rindersteak herkommen. Der Verbraucher ist in Deutschland definitiv viel bewusster beim Einkaufen geworden was regionale frische Produkte und sicher auch biologische Produktion angeht. Aber es wird so komplex, wenn es um Futtermittel, Verpackung und Transport geht. Und wie soll man sich darüber hinaus noch damit befassen, wo nun meine Jeans und mein Pullover genäht wurden. Wo kommt eigentlich das Leder her, woraus meine Schuhe genäht wurden. Wie können eigentlich solch billige Preise entstehen, wenn es aus Fernost hergeschifft wird?
Es gibt Fragen über Fragen, die sich jeder Verbraucher stellen müsste, bei jedem Produkt, was er in den Warenkorb legt. Aber das ist nicht zu verlangen. Das kann ein Einzelner nicht leisten. Klar, dafür gibt es Aufklärungsbroschüren, Oragnisationen, die sich dafür einsetzen, Regelungen, die den Verbraucher schützen sollen, Regelungen die die Produzenten schützen sollen usw. Aber wie viel wollen wir denn noch regulieren?
Kann man wirklich eine globale Marktwirkschaft kontrollieren, die sozial, fair, und durchschaubar ist? Ich bezweifle das. Und für uns ergibt sich hieraus folgende Konsequenz: Ein kleines, einfaches und damit überschaubares Leben zu führen, bei dem wir möglichst unseren Einfluss erkennen, auf Verpackungen im Einkauf so gut wie möglich verzichten (eigene Dose mit zur Käsetheke bringen, grundsätzlich Plastiktüten und Plastikverpackungen meiden), unsere Lebensmittel weitestgehend selbst produzieren, und unsere Mobilität im Auto auf das nötigste beschränken. Verbindet man Wege und macht sich einen guten Einkaufsplan, kann man eine Menge Benzin und Zeit sparen. Und es geht sowieso fast alles mit Rad, Bus und Bahn, wenn man nicht zu abgelegen wohnt.
Der Verbraucher hat mehr Einfluss als er glaubt. Die Industrie und Politik muss reagieren, wenn der Verbraucher nicht mit macht. Und es gibt viele Organisationen, aktive Menschen, die etwas verändern wollen (www.nabu.de, www.slowfood.de, www.greenpeace.de uvam.) . Und das macht Mut!
 
Zu letzt möchten wir noch allen Lesern und Mitreisenden danken. So manch einer hat sich auch mal zu erkennen gegeben, was uns immer sehr erfreute. Denn durch das Wissen darum, dass uns viele für uns unbekannte Menschen begleitet haben, war immer auch eine Motivation unsere Seite aufrechtzuerhalten. Wir hoffen, wir konnten unterhalten, den ein oder anderen fürs Radfahren begeistern, wenn er es nicht schon war, Vorurteile ausräumen und auch etwas zum Nachdenken anregen, was unsere Rolle hier auf dem Planeten ist und vielleicht sein sollte.
 
Wir hoffen wir können einige von Euch einmal persönlich treffen, wenn wir unsere Fotovorträge geben werden. Darüber halten wir euch auf unserer Seit auf dem Laufenden.
Nun wünschen wir euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.
 
Nicole und Tobias 
Comments