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Abschlußbericht, 22.12.2011

veröffentlicht um 21.12.2011 13:56 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 23.12.2011 08:35 ]

Nun sind wir schon fast zwei Wochen zu Hause und Weihnachten steht vor der Tür. Das erste Wiedersehen ist gefeiert, die Geschenkeeinkäufe getätigt und die Tage werden ruhiger. So möchte ich diesem Moment nutzen, um unseren Abschlussbericht zu schreiben und die Reise noch einmal vorbeiziehen zu lassen.
 
Dank
Zunächst möchten Tobias und ich ein ganz herzliches Dankeschön aussprechen. Der Dank gilt unseren Familien, die uns von Anfang an moralisch unterstützt haben und auch unterwegs immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Ein besonderer Dank gilt aber auch den unzähligen lieben Menschen auf der Welt, die uns auf verschiedenste Weise unterstützt haben und somit dieser Reise zu einem Erfolg verholfen haben. Wir denken hier an Wegbeschreibung, Wasser, Mahlzeiten, sichere Zeltplätze, Nächte in Häusern, Duschen, Ausflüge oder erholsame Geselligkeit.
Ich habe von vielen Begegnungen und der großen Gastfreundschaft berichtet, aber konnte natürlich nicht alle in meinen Berichten nennen. Aus diesem Grunde hatten wir schon recht früh auf der Reise mit einer "Sponsoren-Liste" begonnen. Natürlich bleibt auch diese Liste unvollständig aber es wird zumindest etwas deutlicher, wie viele Menschen uns diese Reise ermöglicht haben.
Nicht zuletzt möchten wir uns auch bei den vielen Unternehmen bedanken, die uns mit notwendigen Ausrüstunggegenständen unterstützt haben und damit unsere Reisekasse schonten.
 
Vorurteile, Ängste und Unbehagen
Als wir im März 2009 unsere Reise oder besser, unser neues Leben begannen, hatten wir wohl das ein oder andere Vorurteil im Kopf. Wir hatten undefinierte Angst vor dem Unbekannten. So viele fremde Länder standen bevor, wo wir keinerlei Vorstellung hatten, was uns dort erwartet. Und sicher war das Unbehagen gegenüber der muslimischen Welt am größten.
Woher kommen aber solche Ängste und Gefühle von Unbehaben? Sie entstehen doch in unseren Köpfen, weil wir meist Nachrichten verfolgen, in denen ein besonderer Fokus auf Sensationsgeschehen gelegt wird. Es wird viel von Gewalt, Krieg und Unglück berichtet. All das was wir als schlechte Nachrichten bezeichnen.
Man hört leider wenig von guten Taten, Großzügigkeit und Mitmenschlichkeit. Aber genau das haben wir erfahren dürfen: Mitmenschlichkeit und herzliche und ehrliche Gastfreundschaft! Wir sind heute sehr froh, dass sich nichts von unseren Ängsten und Vorurteilen bestätigt hat.
Wir erkannten ziemlich schnell, dass man sich kein Bild von einem Land und seinen Menschen Menschen machen kann, wenn man bloß Medienberichte als Quelle heranzieht. Darüber hinaus ist ebenso wichtig, ein Land und seine Menschen nicht nach der Politik des Landes zu beurteilen. Die Politik eines Landes spiegelt nicht zwangsläufig die Mentalität der Bevölkerung wieder.
 
Spiritualität
Wir reisten durch viele Kulturen und damit Religionen, besuchten verschiedene Gottesdienste und übernachteten sogar in einer Moschee im Iran.
Menschen auf der ganzen Welt sind nicht nur äußerst gastfreundlich, sondern auch sehr spirituell! Sehr oft sind diese beiden Dinge auch eng mit einander verbunden. Viele Menschen scheinen ihre Kraft, Zuversicht und vielleicht sogar ihren Sinn in der Religion oder in gewisser Spiritualität zu finden. Menschen wirken weltweit durch das Phänomen der Spiritualtät verbunden zu sein. 
 
Suche nach dem Glück
Gleichzeitig lässt sich aber genauso feststellen, dass gerade in den östlichen Kulturen Geld an Bedeutung zunimmt. Es scheint als läge der Sinn und das Glück im Geld. Und so streben alle danach und unsere Welt verökonomisiert zusehends. Schwer messbare Werte im Sinne von Geld sind weniger interessant, ehr wertlos und nichts nütze.
Wir haben aber definitiv den Eindruck, dass die Menschen, die am wenigsten materiellen Wohlstand besitzen, die Glücklichsten sind. Wie oft sagt man, "weniger ist mehr". Wir in der westlichen Welt werden aber zum Vorbild und so viele wollen diesen materiellen Wohlstand erreichen. Wir können ihnen aber nicht erklären, dass dies nicht zwangsläufig der Weg zum Glück ist. Ist es nicht so, dass wir immer unzufrieden sind, weil wir z.B. mit dem iPad "1" schon nicht mehr aktuell sind und gleich das iPad "2" brauchen? Wir sind vielleicht für einen Moment glücklich, weil wir etwas Neues haben, aber wie schnell ist das verflogen, weil es gleich schon wieder alt ist. Wir hetzen hinter etwas her, was wir dort doch nicht finden können. Glück in der Konsumwelt wirkt so unerreichbar.
Und diese Menschen, die einfach leben, scheinen aber das zu haben, was wir suchen. Unserer Meinung nach drohen sie aber diese Zufriedenheit zu verlieren, wenn sie uns als Vorbild sehen.  Aber das können  wir ihnen nicht sagen, denn der Mensch scheint so gestrickt zu sein, dass er aus Erfahrung anderer nur sehr schwer lernt. Er muss alles selbst am eigenen Leib erfahren, um zu lernen und Konsequenzen zu ziehen oder seelenfrieden zu erlangen. Und das ist so frustrierend.
 
Respektlosigkeit
Neben unserem Studium der Landschaftsökologie hat uns besonders diese Reise noch einmal sehr deutlich gemacht, wie sehr doch unsere Erde ein Wunder ist. Sie hat so viele Schoenheiten zu bieten: Seien es die Iguazu Wasserfaelle in Argentinien oder auch nur die kleinen Blüten, die sich nach dem Winter durch die Laubdecke kaempfen. Zeltet man im australischen Outback unter einem sternenuebersähten Himmel, wird einem unmittelbar klar: Die Erde ist nur ein Planet unter unzaehligen. Im Vergleich mit den anderen Planeten ist die Erde doch ein außergewoehnlicher Ort, ein Wunder und unsere Heimat als Menschheit! Diese Erkenntnis ist jedoch leichter geschrieben als verinnerlicht. Dies fällt einem ja schon allzuoft mit dem Wunder des eigenen Lebens schwer. Wer freut sich schon am Morgen, dass er wieder lebendig (und meist gesund!) aufwacht? Die Existenz unseres Planeten und uns als Mensch bleibt jedoch ein Wunder und ein Potential für Glück.
Betrachtet man nun aber unseren Planeten, so muss man zugeben, dass die Menschheit zu einer Bedrohung des Planeten und fuer sich selbst geworden ist. Die Natur- und Umweltzerstörungen weltweit belegen dies. Was für den einen oder anderen abstrakt wirkt, ist uns nach unserer Reise deutlich geworden. Sieben Milliarden Menschen hinterlassen ihre Spuren und haben einen erheblichen Einfluss auf die Welt. Heute empfinden wir diesen Einfluss im Rahmen der globalen Marktwirtschaft als sozial unfair und respektlos gegenueber unseres Planeten und anderen Lebewesen und am Ende scheinen wir unsere Bestimmung als Menschheit zu verfehlen, nämlich die Wunder zu erkennen, zu respektiern und uns daran zu erfreuen.
 
Folgen des eigenen Handelns
Im Zuge der Untransparenz des globalen Marktes kann doch kaum einer mehr die Folgen seines eigenen Handelns überblicken. Man hat kaum noch Möglichkeiten den Verpackungen, die unendliche Müllberge verursachen, aus dem Weg zu gehen. Wer überdenkt denn, wo die Futtermilltel für sein verzehrtes Hühnchen oder Rindersteak herkommen. Der Verbraucher ist in Deutschland definitiv viel bewusster beim Einkaufen geworden was regionale frische Produkte und sicher auch biologische Produktion angeht. Aber es wird so komplex, wenn es um Futtermittel, Verpackung und Transport geht. Und wie soll man sich darüber hinaus noch damit befassen, wo nun meine Jeans und mein Pullover genäht wurden. Wo kommt eigentlich das Leder her, woraus meine Schuhe genäht wurden. Wie können eigentlich solch billige Preise entstehen, wenn es aus Fernost hergeschifft wird?
Es gibt Fragen über Fragen, die sich jeder Verbraucher stellen müsste, bei jedem Produkt, was er in den Warenkorb legt. Aber das ist nicht zu verlangen. Das kann ein Einzelner nicht leisten. Klar, dafür gibt es Aufklärungsbroschüren, Oragnisationen, die sich dafür einsetzen, Regelungen, die den Verbraucher schützen sollen, Regelungen die die Produzenten schützen sollen usw. Aber wie viel wollen wir denn noch regulieren?
Kann man wirklich eine globale Marktwirkschaft kontrollieren, die sozial, fair, und durchschaubar ist? Ich bezweifle das. Und für uns ergibt sich hieraus folgende Konsequenz: Ein kleines, einfaches und damit überschaubares Leben zu führen, bei dem wir möglichst unseren Einfluss erkennen, auf Verpackungen im Einkauf so gut wie möglich verzichten (eigene Dose mit zur Käsetheke bringen, grundsätzlich Plastiktüten und Plastikverpackungen meiden), unsere Lebensmittel weitestgehend selbst produzieren, und unsere Mobilität im Auto auf das nötigste beschränken. Verbindet man Wege und macht sich einen guten Einkaufsplan, kann man eine Menge Benzin und Zeit sparen. Und es geht sowieso fast alles mit Rad, Bus und Bahn, wenn man nicht zu abgelegen wohnt.
Der Verbraucher hat mehr Einfluss als er glaubt. Die Industrie und Politik muss reagieren, wenn der Verbraucher nicht mit macht. Und es gibt viele Organisationen, aktive Menschen, die etwas verändern wollen (www.nabu.de, www.slowfood.de, www.greenpeace.de uvam.) . Und das macht Mut!
 
Zu letzt möchten wir noch allen Lesern und Mitreisenden danken. So manch einer hat sich auch mal zu erkennen gegeben, was uns immer sehr erfreute. Denn durch das Wissen darum, dass uns viele für uns unbekannte Menschen begleitet haben, war immer auch eine Motivation unsere Seite aufrechtzuerhalten. Wir hoffen, wir konnten unterhalten, den ein oder anderen fürs Radfahren begeistern, wenn er es nicht schon war, Vorurteile ausräumen und auch etwas zum Nachdenken anregen, was unsere Rolle hier auf dem Planeten ist und vielleicht sein sollte.
 
Wir hoffen wir können einige von Euch einmal persönlich treffen, wenn wir unsere Fotovorträge geben werden. Darüber halten wir euch auf unserer Seit auf dem Laufenden.
Nun wünschen wir euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.
 
Nicole und Tobias 

Deutschland (04.12.2011-10.12.2011)

veröffentlicht um 13.12.2011 02:19 von Tobias Pieper

Düsseldorf bis Oldenburg
 
Am Sonntag, den 04.12. ging unser Flieger von New York nach Düsseldorf. Es war ein Nachtflug und die Flugbesatzung deutsches Personal. Es war herrlich die Ansage des Piloten zu hören, der uns mit einem fröhlichen "Guten Abend" begrüßte.
Als dann das Flugbegleitpersonal uns bewirtete und nach unserer Getränkewahl fragte, war es doch glatt etwas schwer, einfach so auf deutsch zu antworten. Obwohl Tobias und ich natürlich immer deutsch untereinander sprachen, so war es doch sehr unwohnt mit fremden Personen deutsch zu sprechen. So kam es auch, dass wir in den ersten Tagen immer unsere Sätze auf englisch begannen.  
Unser Flug verlief problemlos. Unerwarteterweise wurden wir dann am Flughafen Düsseldorf morgens um 8:00 von Tobias´ Eltern überrascht. Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet. Es fühlte sich ziemlich unwirklich an und durch den Jetlag waren wir beide auch nicht so richtig da. Nach einem Begrüßungskaffee bauten wir die Räder zusammen und verabschiedeten uns wieder von Tobias` Eltern und alles erschien wie im Film.
Wir fühlten uns ziemlich merkwürdig. Wir empfanden ein Körpergefühl, was schwer in Worte zu fassen ist. Wir waren zittrig, der Kopf definitiv noch nicht in Deutschland angekommen und übermüdet, aber an schlafen war nicht zu denken. 
Alles was wir wussten war nun, dass uns Astrid in Essen erwartete. Von Düsseldorf bis Essen waren es knappe 40 km über Radwege. Wir hatten keine Karte, sondern uns auf das GPS verlasen. Hier wollte die Routenführung aber nicht so wie wir und es wurde ziemlich nervig. Aber wir waren ja in Deutschland und hier gibt es sogar eine Beschilderung für Radwege - wie herrlich ist das! Das Wetter spielte auch noch mit und wir waren froh, bei Astrid unterschlupf zu finden. Wir hielten uns noch bis zum früehen Abend wach und schliefen dann wie kleine Babies ein. Als wir am nächsten Tag aufwachten und noch immer verschlafen auf den Wecker blickten, waren wir in einer Sekunde hellwach. Es war 13:30 Uhr. Wir hatten doch in der Tat 18 Stunden geschlafen. Es war unglaublich. Kaum waren wir auf, wurde es schon wieder dunkel. Gott sei Dank stand an diesem Tag kein Radfahren an.
Aber die Rechnung von dieser langen Nacht kam schnell. Wir plauderten mit Astrid bis spät in den Abend und als wir schlafen wollten, sollte uns dies nicht wirklich gelingen. Tobias bekam irgendwann hunger, denn das war ja unsere eigentlich Abendessenzeit. Wir lagen wohl bis 4:00 wach und als dann der Wecker nach drei Stunden klingelte, war dies wie ein heftiger Pferdetritt. Unser Rhytmus war völlig durcheinander. Dies hielt auch noch ein paar Tage an.
Unser Weg führte uns nach Steinfurt bei Münster, wo wir dann bei Martin einkehrten. Es war herrlich, Station bei alten Freunden machen zu können. Es wurde so zu einem langsamen ankommen. 
Auf dem Weg entdeckten wir viele Dinge, die Deutschland ausmachen und wir entschlossen uns eine kleine Fotoserie zu machen, wie sehr wir Deutschland vermisst haben.
Das Wetter wollte auf diesen letzten Tagen doch unsere Härte testen. Wir radelten durch Regen und Hagel bei Temperaturen um 2-5 Grad Celsius. Aber diese Herausforderung nahmen wir gerne an und wir spürten einmal mehr, dass wir einfach Draußenkinder sind.
In Quakenbrück gönnten wir uns ein Hotel, um unseren 1000sten Reisetag mit einem deutschen Buffetfrühstück zu beginnen. Von hier führte es uns nach Wardenburg zu weiteren Freunden, bevor wir dann am Samstag die letzten Kilometer nach Oldenburg radelten. Wir fuhren zuerst an unseren alten Wohnungen vorbei, besuchten die Uni, den Pferdemarkt und rollten dann halbwegs pünktlich am Mittag in die Kaiserstraße ein, wo wir vor 2 3/4 Jahren aufgebrochen sind und unsere Eltern uns erwarteten.
Sie haben sich nicht lumpen lassen und uns einen riesigen Empfang bereitet. All unsere Freunde und Verwandten waren aus ganz Deutschland angereist, Funk und Fernsehn war vertreten und wir durften tatsächlich durch ein Zielband fahren. Am Wendehammer war ein Pavillion aufgebaut, wo Kaffee und Kuchen bereit standen, alles war geschmückt und uns wurde verkündet, dass es später eine Feier im Litfaß mit allen Gästen geben würde. Wir waren überwältigt!
Da wir beide keine gebürtigen Oldenburger sind, haben wir kein Elternahus vor Ort, in das wir wieder einkehren konnten. Und so haben wir alle eine Nacht im Hotel verbracht und sind am nächtsen Mittag mit unseren Eltern in unsere alte Heimat gfahren. Es war schon komisch, als wir in getrennte Autos stiegen, die Raeder auf dem Gepäckträger, die Taschen im Kofferaum und plötzlich sollte alles vorbei sein. Alles geschah, ohne dass wir etwas daran ändern konnten. So war es vorgesehen, Weihnachten bei unseren jeweilitgen Familien zu sein!
Nun sind wir im alten zu Hause angekommen. Alles wirkt sehr vertraut, auch wenn sich so manches in den vergangenen Jahren verändert hat. Das Wiedersehen ist eine große Freude und oft scheint es, als wäre man gar nicht weggewesen. Das ist sogar ein wenig beängstigend, aber wir sind fleißig dabei, all das gewesene nicht fallen zu lassen. Es wird immer Teil von uns bleiben und wir sind dabei, die Veränderung, die mit uns stattgefunden hat, in unser neues Leben einzubauen. Es ist nämlich definitiv eine Herausforderung, nicht einfach so in alte Strukturen zurückzufallen, von denen man sich doch so lange gelöst hatte. Aber vielleicht ist das auch eine Wahrnehumg, die sich doch ändern wird und es wird zu einer Herausforderung, überhaupt Strukturen dieses sesshaften Lebens anzunehmen. Wir sind selber sehr gespannt und werden auf unser Gefühl und Herz vertrauen, so wie wir es die letzen Jahre immer getan haben.
 
Ich hatte bereits einen Abschlussbericht angekündigt und ich möchte hier nun noch einmal erwähnen, dass dies nicht als Abschlußbericht zu verstehen ist. An dieser Stelle war es uns zunächst wichtig, noch über die letzten Reisetage zu berichten. Darüeberhinaus gibt es noch so manches an Gedanken und Dank loszuwerden, was auch in den nächsten Tagen geschehen wird. Bis dahin genießt die vorerst letzten Fotos bei einer Tasse Tee und Kerzenschein. Ein schönen 4. Advent!

USA Teil 7 (07.11.2011 - 03.12.2011)

veröffentlicht um 03.12.2011 10:17 von Tobias Pieper

Washington, D.C. bis New York City

Wir sind noch immer in den USA. Unsere weitere Route fuehrte uns von Washington gen Norden. Ueber Baltimore und Philadelphia fuhren wir dann in den Staat New Jersey weiter westlich, um dann an der Kueste wieder gen Norden nach Middletown zu radeln. Dieser Abschnitt war kilometertechnisch keine grossartige Strecke mehr, aber wir liessen uns Zeit, da wir sie hatten.
In Baltimore verbrachten wir unerwarteterweise 3 Tage und genossen einige Zeit im dortigen Aquarium. Es ist immer etwas zwispeltig, wenn ich solche Besuche mache. Es ist auf der einen Seite total spannend all die vielen unbekannten und verschiedenen Tiere zu sehen. Und es hat definitiv einen Bildungsaspekt. Gleichzeitig ist es unangenehm, die Tiere so eingesperrt zu sehen. Auch wenn ich weiss, dass wohl die meisten Tiere in einem Aquariumbecken aufgewachsen sind und in der freien Wildbahn auch gar nicht mehr zurechtkaemen, so fuehlt es sich falsch an. 
Die Hoffnung, die in solch einem lebendigen Museum liegt, dass man Menschen an Natur und Tiere heranfuehrt, um zu vermitteln, dass darin Werte stecken, die es eventuell zu schuetzen gilt oder zumindestens zu respektieren gilt, wurde leider etwas ernuechtert. Beobachteten wir neben den bewundernswerten Tieren der Unterwasserwelt auch die Besucher des Aquariums, so sahen wir, wie Familien mit mehreren Kindern dort waren und jedes Kind eine Kamera in der Hand hatte. Und so liefen die Kinder von Becken zu Becken, um alles zu fotografieren. Im Grunde ok, denn warum nicht ein Andenken haben und sich ueber den Besuch des Aquriums hinaus noch damit auseinandersetzen? Eigentlich doch genau richtig! Aber wir konnten beobachten, dass die Kinder sich die Tiere gar nicht ansahen, sondern bloss durch die Kamera ein Foto schossen und schnell zum naechsten weiterliefen. Vielleicht ist es auch zu viel verlangt, wenn man von Kindern erwartet, dass sie sich diese Ausstellung bewusst anschauen und ich kann auch nicht beurteilen, in wie weit Kinder nicht eben doch auf ihre Art und Weise die Dinge aufnehmen, die sie sehen. Vielleicht sogar besser als jeder Erwachsene. Aber das Verhalten spiegelte fuer uns irgendwie unsere "Fast Food Gesellschaft" wieder. Knips hier, knips da, schnell noch hier etwas erhaschen und weiter! Der Mensch ist heute so unglaublich beschaeftigt und unter Zeitdruck. Er will alles erleben, darf nichts verpassen, und das endet dann im Stress. Rennt man dabei nicht am eigentlichen vorbei? Ist es nicht angenehmer wenige Dinge bewusst zu erleben, statt alles nur halb? Aber das ist letztlich doch geschmacksache.

Von Baltimore fuhren wie nach Philadelphia, obwohl wir dies urspruenglich gar nicht vor hatten. Aber Plaene gestalten sich immer neu. Es war nett, Philadelphia zu sehen, eine Stadt mit viel Scharm. Enge Gassen, viele Baeume und nette Architektur. Wir bekamen einen tollen Blick ueber die Stadt, als wir  ueber den Delaware Fluss nach New Jersey fuhren. Wenn sich Staedte auch immer wieder sehr aehneln, wenn man in ihnen unterwegs ist, so ist die Komposition der Gebaeude jeder Stadt doch wirklich einzigartig.
In New Jersey versuchten wir moeglichst ruhige Strassen zu finden, aber das war nur bedingt moeglich. Hatten wir schliesslich die Kueste des Atlantik erreicht, waren die Strassen voll. Wir erfreuten uns am Atlantik, wenn auch das Wetter miserabel und der Verkehr schrecklich waren. Wir verbrachten einen Tag zeltend im Wald, um einfach Ruhe zu haben, von keinen Menschen umgeben zu sein und zu letzt nicht im Regen fahren zu muessen. Wir hatten lange nicht mehr solch einen entspannten Tag. Nichts, was einen ablenkt und immer beschaeftigt haelt, sondern einfach Zeit und Ruhe zu zweit, fuer ein Buch und fuer ein Nickerchen.

Leider war das Wetter auch noch am Folgetag schlecht und wir mussten doch durch Regen fahren. Aber wir wurden in Middletown erwartet und wir wussten, dass wir eine Dusche und ein Bett hatten. Verwirrt waren wir zunaechst, als sich Toby vorstellte, die eine Frau ist und Dan, fuer Daniel, ihr Mann. Es war zu einer Zeit in Amerika Mode, Maedchen einen Jungennamen zu geben. Lustig!
Nach der Begruessung und einer warmen Dusche, stand schon der Kaffee bereit. Herrlich, das brauchten wir gerade.
Thanksgiving stand vor der Tuer und eine der ertsen Fragen von Toby war, ob wir denn schon eine Einladung haetten. Und schon war es gebongt, dass wir ein stilechtes Thanksgiving erleben durften. Wir verbrachten eine gute Woche mit Toby und Dan, gingen einkaufen, im Wald und am Strand spazieren, kochten gemeinsam das Thanksgiving Festmahl und gingen regelmaessig joggen. Es ist natuerlich eine Umstellung vom Radfahren zum Joggen, aber es tat gut.
Zu Thanksgiving kam dann Tobys Schwester und eine Freundin. Das Essen spielt an diesem Tag natuerlich DIE Rolle. Also, was gab es feines: Wir begannen mit einem Sekt, Kaese und Cracker. Am Tisch folgte die Vorspeise mit Lachs, angerichtet auf dem Teller mit Zitrone, Kapern und saurer Sahne. Die Hauptspeise war dann natuerlich der grosse Vogel: ein Truthahn mit Fuellung aus Brot, Gemuese, Speck und vielen Gewuerzen. Dazu gab es Kartoffelpuree, Suesskartoffelpuree, Bohnensalat und eine Cranberrysosse. Es war so ein wunderbar bunter Teller und super lecker. Die Kroenung war dann die klassische Nachspeise, Pumpkinpie (Kuerbiskuchen) und Applepie (Apfelkuchen). Es war ein gelungener Tag mit perfektem Mahl.

Nach Thanksgiving verabschiedeten wir uns von Toby und Dan und setzten unsere Reise fort. Es war eine gute Woche, um sich auf das kommende vorzubereiten. Wir hatten nun New York City auf dem Plan!
Anstelle uns durch den irrsinningen Speckguertel zu schlagen, entschlossen wir uns mit der Faehre von Middletown direkt nach Manhattan reinzufahren. Es gibt keinen besseren Abschluss, als mit dem Boot an der Freiheitsstatue vorbei, sich der Hochhausmasse von New York zu naehern - ein Zeitpunkt, auf den wir lange gewartet haben. Und wir wussten, dass es bezueglich Wetter Ende November ein Pokerspiel sein wiuerde. Aber alles war auf unserer Seite. Wir hatten Sonnenschein und klare Luft! New York, unser Traum, hier das ganze zu einem runden Abschluss zu bringen, wurde Wirklichkeit! Ja, ihr lest richtig. New York ist unser Ziel, unsere Endstation! Begreifen koennen wir das ganze selber noch nicht. 
Wir genossen es sehr, die Stadt zu erleben und sind Tobys Schwester Avis sehr dankbar, die uns fuer ein paar Tage in Manhattan aufgenommen hat, um im Herzen New Yorks sein zu duerfen und wieder einen authentischen Eindruck von dem Leben in einem New Yorker Apartment bekommen zu duerfen. 
Das wohl beeindruckendste Erlebnis war fuer uns der Blick ueber die Stadt vom Rockefeller Centre. So erkannten wir bei Tage, dass die Stadt groesser ist, als erwartet, bekamen eine besseren Ueberblick ueber die Masse der Hochhaueser und liessen uns bei Nacht vom Lichtermeer ueberwaeltigen. 

Es sind nun die letzten Stunden bevor unser Flieger geht. Ja, wir kommen zurueck nach Deutschland. Daraus moechten wir nun kein Geheimnis mehr machen. Wenn auch so mancher vielleicht dachte, wir radeln noch durch Afrika oder sonstige Laender, in denen wir noch nicht gewesen sind, so wissen wir fuer uns, dass es nun wichtig und richtig ist, nach Hause zu unseren Familien und Freunden zurueckzukehren. Dies bedeutet nicht, dass unsere Reise zum Horizont zu Ende ist. Wir werden weiterhin auf unserer persoenlichen Reise sein.
Dies soll auch nicht der letze Bericht sein. Wir haben noch ein paar Tage in Deutschland zu radeln, bevor wir an unserem Startpunkt in Oldenburg wieder einrollen. Und wir moechten versuchen, einen Abschlussbericht zu formulieren, in dem wir unsere Gedanken zu dieser Reise und unserer Welt mitteilen moechten.
Wir planen darueberhinaus eine Fotoshow, um unsere Erfahrungen zu teilen und werden dies entsprechend auf unserer Seite bekanntgeben. Es lohnt sich somit, weiterhin einen Blick auf die Seite zu werfen. 

USA Teil 6 (17.10.2011 - 07.11.2011)

veröffentlicht um 07.11.2011 09:10 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 03.12.2011 07:58 ]

Chicago, Illinois bis Washington, D.C.
 
Unsere Tage in Chicago waren noch sehr nett. Wir besuchten den Baha'i Tempel (Baha'i House of Worship). Baha'i ist eine Glaubensgemeinschaft und wird wohl als die juengste Weltreligion gesehen. Sie sind Anhaenger Baha'u'llahs (geb. im 19.Jh in Persien). Sie glauben, dass es nur einen einzigen Gott gibt, er nur in den verschiedenen Sprachen anders genannt wird (Gott, Allah, Jahve,...) und in den verschiedenen Religionen Ausdruck bekommt. Die Propheten, wie Moses, Buddha, Christus, Muhammad und Baha'u'llah selbst, sind Boten des einen Gottes fuer die Menschen. Es scheint letztlich wie eine Vereinigung aller Religionen.
Es gibt auf allen Kontinenten einen Baha'i Tempel und die Zahl und Verbreitung waechst. Sogar in Deutschland haben wir einen bei Frankfurt. Dieses unglaubliche Gebaeude in Chicago ist vielleicht der groesste und ueberwaeltigenste Tempel, soweit wir es ueber Fotos der anderen beurteilen koennen.
Wir haengten letztlich noch einen Tag mehr in Chicago dran, da das Wetter so miserabel wurde, dass man keinen Hund vor die Tuer schicken wollte. 
Nachdem wir letztlich weiter sind und den schoenen Radweg am Ufer entlang Lake Michigan fuhren, sahen wir die Folgen des stuermischen Wetters vom Tag zuvor. Einige Boote hatten sich losgerissen und zerschellten in Einzelteile an der schuetzenden Wand in einer Bucht. 
Wir aber waren mal wieder gesegnet, denn es war strahlender Sonnenschein ohne jegliches Woelkchen und warmes Wetter. Wir kamen an Haeusern vorbei, die bereits fuer Helloween dekoriert waren. Die US-Amerikaner leben sich diesbezueglich ja hemmungslos aus. Wir kennen vielleicht eher die Weihnachtsdekoration, aber Helloween uebertrifft das ganze noch einmal, da es nicht nur eine Kitschige Seite gibt, sondern eine gruselige und ekelige Seite hat. Wir haben ein paar Bilder, die wenigsten einen Eindruck vermitteln.
Das Wetter verhielt sich in der weiteren Radelwoche sehr wecheselhaft. Der blaue Himmel an einem Tag hielt sein Versprechen nicht lange und der Regen gewann den Kampf am folgenden Tag. Wir bemuehten uns, Kontakte auf unserer Strecke zu finden, um in diesem Wetter nicht zelten zu muessen. Ich glaube, wir werden etwas weicher als wir es zu Anfag der Reise noch waren. Aber man entwickelt doch gewisse Hemmungen bzw. die Toleranzgrenze gegenueger schlechten Wetter veraendert sich. Was nicht heisst, dass wir es nicht mehr koennten, wenn wir muessten. Wir versuchen es bloss eher zu vermeiden, wenn wir die Chance haben. Und es klappte sehr gut. Wir fanden immer wieder sehr spontan Familien ueber "warmshowers.org", die uns gerne aufnamhen. So gestaltete sich die Zeit sehr intensiv mit immer neuen sozialen Kontakten. Ueberwaeltigt wurden wir wieder von dem Vertrauen, was wir entgegenbebracht bekamen. So entschlossen wir uns mittags, bei einer Familie anzurufen, ob sie uns spontan fuer die Nacht beherbergen koennten, denn das Wetter wurde haerter als gedacht. Und sie meinten, es sei kein Problem, sie waeren allerdings am Abend nicht da. Und je eher wir kommen koennten, desto besser. Es waren noch etwa 2 Stunden Fahrzeit und wir kamen gerade rechtzeitig, als sie sich auf den Weg machen wollten. Wir bekamen eine schnelle Hausfuehrung von Ray und Dawn, wir sollten uns wie zu Hause fuehlen und weg waren sie. Wir waren etwas sprachlos und sehr froh, dass wir sie noch antrafen. Wir entdeckten dann, dass die uns einen Brief hinterlassen hatten, fuer den Fall, dass wir sie nicht angetroffen haetten. Sie haetten uns in ihr Haus gelassen, ohne uns auch nur gesehen zu haben. Dieses Vertrauen ist doch beneidenswert! Und am Ende stellte sich heraus, dass es wieder christliche Menschen waren.
 
Unseren Pausetag verbrachten wir mit Roy und Marieanne bei Litchfield, Ohio. Wir verbrachten eine sehr interessante Zeit mit einander. Roy ist dabei, seinen Lebenstil zu aendern und wir entdeckten unglaublich viele Parallelen. Betrachtet man unsere Gesellschaft, so geht es doch primaer darum, Geld zu verdienen. Im Grunde nichts, was anzugreifen waere, da Geld uns hilft, unser Leben zu leben. Aber schaut man genauer hin, so laesst sich erkennen, dass viele Menschen vom Geld getrieben sind. Entscheidungen werden nur noch mit dem Focus auf das Geld getroffen. Geld ist unser Leiter. Wir glauben, mit Geld werden wir gluecklich, denn wir koennen uns alles kaufen, was wir wollen. Wir haeufen immer mehr an, bishin zum absurdesten Luxus und der Hunger scheint nicht gestillt zu werden, die Leere nicht gefuellt und das erwuenschte Gluecksgefuehl sich nicht dauerhaft einzustellen. Wir verlieren uns immer mehr in Arbeit, denn darueber koennen wir uns identifizieren, erfahren Anerkennung, um unser Ego zu staerken und arbeiten noch mehr, wenn die naechste Gehaltserhoehung unsere Arbeitsleistung bestaetigt.
Aber wofuer verdienen wir denn das ganze Geld, wenn wir den ganzen Tag arbeiten und im Grunde keine Zeit haben, es auszugeben oder das grosse Haus, was wir gekauft haben, gar nicht geniessen koennen, weil wir kaum dort sind. Man kann sagen, es kostet eben viel, um es in Stand zu halten, und auch das 2.oder 3. Auto und deshalb muss man ja soviel arbeiten, um alles zu finanzieren. Aber wie absurd ist das, wenn man doch kaum da ist?
Hat man nicht viel mehr vom Leben, wenn man sich reduziert, weniger Lebenshaltungskosten hat, fuer die man arbeiten gehen muss, so dass man am Ende mehr Zeit fuer sich und sein Leben, seine Familie etc. hat? Wenn ich das Geld nicht ausgebe, dann brauche ich es auch erst gar nicht verdienen gehen! Das war die Erkenntnis, die Roy hatte und die uns schon lange im Kopf herumgeht, wenn auch noch nie so formuliert.
Die Herausforderung ist dabei jedoch, das Prolem zu loesen, durch was man sich dann jedoch identifizeirt, denn die Arbeit steht dann nicht mehr im Mittelpunkt und man hat Zeit und muss lernen, damit umzugehen. Denn wie vielel Menschen wissen gar nichts mit ihrer Zeit anzufangen, wenn sie nicht arbeiten?
Eine Frage stellt sich uns noch. Welches Leben ist ein freies Leben? Ein leben mit viel Geld, was mir definitiv gewisse Freiheiten ermoeglicht, ich aber in meinem Arbeitsalltag "gefangen" bin und nicht mehr als 3 Wochen Jahresurlaub habe oder ein Leben mit weniger Geld, was mir gewisse Einschraenkungen gibt, ich aber freier in meinen Entscheidungen im Alltag bin?
 
Wir besuchten mit Roy und Marieanne eine Amischgemeinde. Amischen sind eine taeuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie leben sehr einfach als Bauern und lehnen weitestgehend technischen Fortschritt ab. So sind sie mit Pferdewagen unterwegs und bearbeiten ihre Felder verstaekt durch eigene Kraft. Sie entscheiden jedoch nicht kategorisch gegen Technik, sondern diskutieren Neuerungen und entscheiden sich unter Umstaenden fuer etwas. So gibt es in manchen Gemeinden gasbetriebene Kuehlschraenke, aber keine generelle Elektrizitaet. Es war sehr spannend, sie zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Sie sind sehr ueberzeugt von ihrer Lebensform und machten auf uns auch einen gluecklichen Eindruck. Sie leben stark in Gemeinschaft und haben entsprechende Werte, die in unserer Gesellschaft langsam zu verschwinden scheinen. Dazu gehoert, Zeit zu haben, wenn man ins Gespraech kommt, die Natur als unsere Grundlage zu begreifen, die man nicht mit Fuessen treten sollte und der Respekt untereinander. 
Wir sind Roy und Marianne sehr dankbar, dass wir mit ihnen die Moeglichkeit hatten, Amische kennenzulernen.
 
Von dort steuerten wir auf Pittsburgh zu, denn da beginnt ein 500 km langer Radweg bis nach Washington, D.C. Die erste Haelfte von Pittsburgh, Pennsylvania bis Cumberland, Maryland nennt sich "Great Allegheny Passage", eine alte Bahnstrecke. Da die Eisenbahnen frueher nicht mehr als 3% Steigung fahren konnten, ist die Strecke ziemlich flach, was durch Pennsylvania ein Segen ist, denn das Gebirge der Apallachen zieht sich dort durch, was eine Auffaltung von mehreren Bergruecken ist. Es waere also viel Arbeit gewesen, sich dort hoch und runter zu arbeiten. So genossen wir die Herbststimmung mit nebligen Morgenden und sonnigen Tagen entlang des Youghiogheny Flusses. Nach Cumberland wechselten wir an den "Chasepeake and Ohio Canal". Dieser ist ebenfalls flach und ist ein Kanal neben dem Potomac Fluss. Dieser Kanal diente frueher als Transportweg. Die Schiffe wurden von Pferden gezogen, die auf dem danebengelegenen Weg liefen.
Dieser Abschnitt fuehrte bis Georgetown in Washington, D.C. und war eine Spur rauher, noch dichter in der Natur, weil nicht so breit und ausgebaut und gefiel uns entsprechend besser. Wir zelteten durchweg und genossen Abende vorm Lagerfeuer, aber hatten morgens auch mit starkem Kondenswasser zu kaempfen. 
 
Nun sind wir in Washington D.C. und haben einmal mehr Glueck mit der Wahl unserer Gastfamilie. Wir haben eine tolle Zeit mit Ted und Ann, werden fuerhsorglich verpflegt und bekamen eine private Stadtrundfahrt bei Nacht.  
Nun haben wir die USA durchquert und sind im Osten angekommen. Wir koennen es selbst kaum glauben, in der Hauptstadt zu sein, das Weisse Haus und Pentagon zu sehen, was man bloss aus dem Fernshen kennt, sowie das Kapitol und Washington Denkmal und vieles mehr. Da Washington ein einziges Museum zu sein scheint, und die Smithsonian Museen hier sind, verbrachten wir tatsaechlich einen Tag in 2 Museen, eine fuer uns nicht sehr uebliche Aktivitaet, die wir jedoch genossen.
Wohin geht es nun weiter? Es bleibt nicht viel Land weiter gen Osten, dort kommt das grosse Wasser. Aber es bleibt viel Land nach Norden oder Sueden oder das Flugzeug! Aber wie immer lasse ich dies offen, bis zu unserem naechsten Eintrag.

USA Teil 5 (14.09.2011 - 17.10.2011)

veröffentlicht um 17.10.2011 11:07 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011 09:21 ]

Torrington, Wyoming bis Chicago, Illinois

Hatten wir auch in Torrington einen Wintereinbruch von zwei Tagen, kam fuer uns rechtzeitig zum Weiterfahren die Sonne und Waerme wieder zurueck. Aller Anflug von Herbst und Winterstimmung war verflogen. Wir hatten nun den Staat Nebraska vor uns liegen. Wenn wir Leuten erzaehlten, dass wir durch Nebraska fahren, fragten sie immer voller Verwirrung, warum denn Nebraska? Dort gaebe es nichts als Maisfelder und flaches Land. In deren Augen Langeweile pur. Die USA hat doch so viele interessante Ecken...
Aber worum geht es hier fuer uns auf der Reise und der Durchquerung der USA? Es geht uns um das Gesamtbild und die Realitat. Und Nebraska, die Kornkammer oder besser Maiskammer des Landes gehoert dazu. Wo sonst kommen all sie Rohstoffe fuer Lebensmittel- und Futtermittelindustrie her? Und es bleibt natuerlich ganz subjektiv zu sagen, dass Felder und  Flachland langweilig sind. Fuer uns sind eben auch die Gegenden mit am interessantesten, die im Reisefuehrer am wenigsten beschrieben sind. Und ueber Nebraska gibt es ganze 4 Seiten von 1130 Seiten der gesamten USA. Ist das nicht eine Reise Wert?

Ganz im Westen begruesste uns zunaechst der Chimney Rock, eine sehensqwerte geologische Formation. Wie ein riesiger Schornstein auf einem Berg ragt der stehengebliebene Fels in den Himmel. Durch die weitgehend flache Umgebeung kommt dies natuerlich besonders zum Vorschein. Wir radelten in 6 Tagen nach Lincoln und sahen wirklich ausser Mais- und Sojabohnenfeldern nicht viel. Manchmal fuehlten wir uns wie im Film "Und taeglich gruesst das Murmeltier", denn jeder Ort sah gleich aus. Ein Wasserturm, mehrere Silos, die Bahnlinie auf der rechten und eine Tankstelle auf der linken Seite. Kaum ist man durch solch eine Ansiedlung gefahren, sah man auch schon den naechtsen Ort kommen, jedoch etliche Meilen entfernt.
Die Bahnlinie ist fuer den Transport von Kohle vorhanden. Endlos lange Zuege donnern permanent ueber die Schienen, um den Energiehunger im Osten zu stillen. Da es wohl viele Unfaelle gab, sind die Lockfuehrer wohl verpflichtet bei jedem Bahnuebergang aufs Horn zu druecken. Die Bahnuebergaenge sind natuerlich in den Ortschaften und es wird nicht nur einmal auf die Tube gedrueckt, sondern mehrfach in endlos langen Toenen. Nachts gibt es da keinen Unterschied und der Betrieb laeuft 24 Stunden. Wir wissen nicht, wie die Anwohner das ertragen koennen. Es ist wirklich eine absolute Laermbelaestigung. Bei uns wuerde man wohl auf die Barrikaden steigen.

Ein weiterer Grund, warum unsere Route durch Nebrska fuehrte, sind unsere guten Freunde in Lincoln. Wir freuten uns riesig auf ein Wiedersehen, denn wir hatten sie damals in Hong Kong besucht, wo sie als Missionare leben. Dieses Jahr sind sie allerdings fuer ein Jahr in den USA. Wir verbrachten zwei Wochen zusammen und erlebten eine Zeit vieler Gespraeche, konnten herrlich ausspannen mit Videoabenden, tollem Essen und Bergen von Eiscreme. Zum Ausgleich halfen wir im Garten und erlebten ein Footballspiel von Josiahs Schulklasse. Es war eine wertvolle Zeit fuer uns und wir sind Dankbar, dass wir solch liebe Menschen wie Familie Van Schooten unsere Freunden nenne duerfen.
Seit Lincoln sind wir nun stolze Besitzer neuer Ortlieb Taschen. Nach vielen Emails hat uns nun die Firma Ortlieb einen guten Rabatt auf neue Taschen gegeben.    
Unsere alten Taschen waren allmaehlich gut verschliessen und jede Regenwolke brachte etwas Sorge mit sich, dass unsere Sachen nicht 100% trocken bleiben wuerden. Aber wie dies mit neuen Sachen so ist: Firmen stehen unter Innovationszwang und leider sind die Veraenderungen und Erneuerungen nicht zwangslaeufig besser.
Nachdem wir Lincoln verliessen, trafen wir auf unserem Weg durch Iowa auf einen Radweg. So lernten wir die "Rails to Trails" kennen, alte Bahnwege, die zu Radwegen umgebaut wurden. Endlich gab es die Moeglichkeit, die herkoemmlichen Strassen zu verlassen und auf einem Radweg, eingerahmt von Baumreihen in voelliger Stille zu radeln. Wenn es auch noch immer sommerliche Temperaturen tagsueber hatte und fast nie Wolken am Himmel zu sehen waren, so zeigte der Herbst allmaehlich seine Spuren. Die Laubbaeume, die wir seit sooooo langer Zeit nicht mehr gesehen haben, verfaerben ihre Blaetter. Wie angemalt stehen die Baeume in ihrem goldgelben Laub und lassen ihre Blaetter zu Boden fallen, als wuerde die frische Farbe noch abtropfen. Wir rollten ueber knisterndes Laub und die Eichhoernchen sprangen im Wettlauf vor uns her und sammelten ihre Nuesse fuer den Winter. Es fuehlte sich traumhaft an und die frische Luft durchstroemte uns. Das Glueck ist fast nicht erfassbar, solch emotional beruehrende Momente sind dies.
Warum realisieren nur so wenige Menschen die Schoenheit unserer Schoepfung? Warum rasen alle nur von A nach B in ihrem fetten Auto entlang der Schnellstrassen? Der Mensch hat die Faehigkeit, Dinge zu erkennen und sich zu wundern. Er kann Dinge bewundern und Freude empfinden. Warum gibt es all die Schoenheiten auf der Welt, wenn sie niemand bewundert? Ist dies nicht eine unserer Daseinsgruende, dass wir unsere Umwelt, unsere Schoepfung bewundern sollen? Warum sonst gibt es so viele Kleinigkeiten, die das Herz erfreuen. Ist denn alles nur noch etwas Wert, wenn es eine Funktion erfuellt?

Wir fuhren weiter durch Winterset und erfuhren, dass dies der Geburstort von John Wayne ist. Ein kleines Oertchen mitten in Iowa.
Der Wind war fuer diese Etappe nicht ganz unser Freund. Wir hatten etwas zu kaempfen und schnell wurde klar, dass wir noch einen Pausetag einschieben sollten, bevor wir Chicago erreichen. Als wir bei einer Bibliothek stoppten, um im Internet einen Warmshower-Kontakt in Davenport zu knuepfen, wurden wir sehr ueberrascht. In dem Moment, wo wir nach Kontakten schauten, kam eine Email rein. Scot aus Davenport kannte unsere Route nicht, aber lud uns herzlich ein, bei ihm vorbeizukommen, sofern Davenport auf unserer Route liegen wuerde. Wir konnten es nicht fassen. Wir hatten keine Ahnung, wie er auf uns gestossen ist, noch wie er auf die Idee kommt, uns aus heiterem Himmel einzuladen. Es war unglaublich.
Und so kam es dann, dass wir bei ihm einen Tag Pause einlegten. Es war wieder einmal zur richtigen Zeit, denn es gab einen Wetterumschwung, der einiges an Regen brachte. Es wird nun so langsam wirklich Herbst und graue Tage mit Regen schleichen sich immer wieder zwischen die Sonnentage ein.  
Der Wetterwechsel brachte aber auch einen Windwechsel, was uns sehr zu gute kam. Der Wind bliess stark aus Westen und bliess uns in zwei Tagen von Davenport nach Chicago. Es war so herrlich, endlich mal wieder ueber die Stassen zu fliegen.

Hier in Chicago treffen wir einmal mehr Bekannte, die wir auf der Reise kennenlernten. Wir fuhren zusammen im selben Zug von Machu Picchu zurueck nach Cusco. Eine dreieinhalb Stunden Zugfahrt. Wir hatten damals solch eine nette Zeit, dass sie uns einluden, bei ihnen in Chicago vorbeizuschauen. Wir hatten sie gewarnt, dass wir in der Regel solche Einladungen auch wahr machen. Und nun ist es Wirklichkeit. Wir sind bei Rebecca und Tim, 6 Monate spaeter in der riesigen Metropole Chicago angekommen.
Chicago ist eine vielumschwaermte Stadt. Bei unserem Ausflug in die Innenstadt, besuchten wir den Willis Tower, das hoechtse Gebaeude der USA mit 442 m und 110 Stockwerken. Der Blick ueber die Stadt war faszinierend. Man kann keine Stadtgrenzen ausmachen und Lake Michigan vermittelt den Eindruck, man wuerde am Meer stehen.
Wir sind selbst gespannt, was wir hier noch erleben werden und geniessen ein paar Tage in der Grosstadt.

USA Teil 4 (23.08.2011 - 14.09.2011)

veröffentlicht um 14.09.2011 13:26 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011 09:22 ]

Riggins, Idaho bis Torrington, Wyoming

Nun ist es schon Mitte September und heute haben wir so richtiges Herbstwetter. Aus dem Nichts gab es einen Temperatursturz, es ist regnerisch grau in grau und windig. Gut, dass wir heute nicht auf unseren Raedern sitzten, sondern pausieren und somit einfach Zeit vor dem Computer verbingen. Wir sind in einer Universitaet, was eine ganz besondere Atmosphaere ist.  
Wenn ich auf das Datum Blicke, ueber welchen Zeitraum ich nun berichten moechte, bekomme ich doch fast einen Schreck, so viel Zeit liegt dazwischen und ich muss erst einmal in mich gehen, um zurueckzudenken, was alles so geschehen ist.
Ueber den gesamten Zeitraum hinweg, sind wir mit zwei Bruedern aus North Carolina geradelt, die die USA von Oregon nach Virginia durchqueren wollen. Da unsere Route ab Riggins fuer einen gewissen Abschnitt die selbe war, fuhren wir mit Donnie und Taylor gemeinsam weiter.
Es war eine willkommene Abwechslung und brachte frischen Wind in unseren Radelalltag. Wir aenderten auch nichts an unserer bisherigen Reiseart und fragten auch zu viert bei Leuten, ob wir bei ihnen zelten duerften. Ich war schon etwas skeptisch, ob dies nun noch funktionieren wuerde, denn es ist doch ein Unterschied, ob man zu zweit oder zu viert auftaucht und ein Zelt oder drei Zelte aufstellen moechte. Aber wir wurden sehr ueberrascht. Auch das war nun kein Problem. Wir wurden genauso herzlich empfangen und sogar zum Hamburgeressen eingladen.
Unsere erste Etappe fuehrte uns aus dem Staat Idahoe nach Missoula in Montana. Es war eine tolle Strecke durch bewaldete Region, an einem Fluss entlang ueber mehrere Paesse, so dass es ein ausgewogenes Spiel aus Bergetappen und Hochgeschwindigkeitsabfahrten wurde. Der Verkehr hielt sich sehr in Grenzen, so dass es abschnittsweise richtig idyllisch war. Der Fluss hatte so klares Wasser und die Sonne heizte uns so auf, dass wir einfach im Fluss baden gingen.

In Missoula, Montana legten wir wieder ein paar Tage Pause ein, denn es ergab sich fuer uns ein neues Program. In Missoula ist der Hauptsitz der "Adventure Cycling Association". Diese Radorganisation entwirft Fernradwege mit Karten und versucht Menschen zum Radfahren zu bewegen. Da wir nun seit Quito eine fertige Fotoshow mit uns fuehren, dachten wir, wir koennen ueber diese Organisation vielleicht unsere Fotos noch einmal zeigen. Und "ACA" war tatsaechlich interessiert und organisierte fuer uns die Werbung und stellte Raum und Technik zur Verfuegung. So hatten wir einmal mehr eine erfolgreiche Fotoshow. Es macht unglaublich Spass, unsere Erlebnisse mit anderen Interessierten zu teilen.  
Darueber hinaus liessen wir das Rad mal wieder stehen und begabe uns in ein ganz neues Milieu. Julie, unsere Gastgeberin hatte einen Kajakausflug geplant und wir waren eingeladen mitzukommen. Da wir schon immer wieder auf der Tour ueber Paddeln nachgedacht haben und ueberlegt hatten, wie und wo wir das am besten machen koennten, schlugen wir dieses Angebot nicht ab und organisierten und ein Boot. Wir entschieden uns jedoch fuer ein Kanu. Wie packten alles aufs Auto und fuhren mit Freunden zum Blackfoot River, den wir etwa 15 km runterpaddeln wollten. Es hiess, dass es zwei Stromschnellen gibt, bei denen man etwas aufpassen muss, aber sonst sei er nicht schwer zu befahren. Da wir auf etwas Erfahrung mit dem Kanu auf Fluessen in Schweden zurueckblicken und Tobias noch mehr Kanuerfahrung hat, blickten wir mit Vorfreude auf die Stromschnellen. Es funktionierte auch alles ganz gut, wenn auch die Stroemung zu Beginn recht stark war und wir nur mit Glueck um den ersten Stein herummanoevrieren konnten. Es waren einige Stellen, wo das Paddeln und Manoevrieren ganz gut Arbeit waren und ich konnte schon nach kurzer Zeit meinen Musklekater in den Armen erahnen.
Und dann kam die erste Stromschnelle. der Fluss verengte sich, so dass das Wasser tief wurde und ueber die Steine wirbelte. Es gab im Grunde nur einen Weg durch die Mitte und wir paddelten was das Zeug hielt. Wir bekamen eine Wasserwelle nach der anderen ab und hatten somit eine Menge Wasser im Boot. Und ploeztlich waren wir auf der Spitze einer Welle und das Boot drohte zu kippen. Wir schafften es, es wieder in Waage zu bringen bis zur naechtsen Welle. Es schaukelte, es spritzte, ich wusste nicht, wo wir waren, ich versuchte nur zu paddeln. Und dann packte uns die naechste Welle, die dann staerker war als wir und wir kippten einfach mit dem Boot um. Ich bin noch nie gekentert und es war etwas schockig. Das Wasser war kalt, ich hatte das Paddel fest in der einen Hand und wollte das umgedrehte Boot mit der anderen greifen, als ich ploetzlich unerwartet unter Wasser gedrueckt wurde. Fuer einen Moment ueberkam mich etwas Angst, aber im selben Moment tauchte ich wieder auf und sah nur meinen Schlappen dahin schwimmen. War natuerlich nicht die schlauste Idee, Schlappen zu tragen. Aber ich konnte ihn einfangen und dann fischte mich Julie auf und paddelte mit ihrem Boot ans Ufer. Tobias hatte das Boot und wurde von Ron aufgegablet. Alles passierte so schnell, und so erschreckend es zunaechst auch war, so schnell musste ich darueber lachen und konnte mich ueber diese Erfahrung freuen, denn nun weiss ich auch, wie es ist, wenn man kentert. Tobias war zunaechst etwas enttaeuscht, dass wir es nicht geschafft haben, durch die Stromschnellen zu fahren, aber auch das legte sich schnell. Wir leerten das Boot und suchten uns ein sonniges Plaetzchen, um zu trocknen und den Schreck zu verdauen.
Das Weiterfahren war dann sehr stark von Adrenalinstoessen gepraegt, denn wir mussten erstmal wieder unser Selbstbewusstsein zurueckerpaddeln. Denn der schwierigere Abschnitt war noch nicht ganz vorbei. Und so setzen wir das Boot leider einmal frontal vor einen Stein, weil wir die Kurve nicht gekriegt haben. Tobias ist dabei von seinem Sitz gegen die Querleiste vor ihm gestossen. Die Leiste hat diesen Stoss nicht ueberlebt, aber dafuer Tobias Schienbein. Er hat noch heute ein Ueberbleibsel davon.
Die letzten Stromstellen meisterten wir dafuer um so besser. Dies war dann auch ganz wichtig fuer unser Ego. Einmal kentern, einmal vor den Stein fahren, das war genug. Trotz allem hatten wir viel Spass und sind nun um einige Paddelerfahrungen reifer.

Als wir dann wieder auf unseren Raedern sassen spuerten wir doch schnell, wo wir wirklich hingehoeren. Unser naechstes Ziel war nun der Yellowstone Nationalpark. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch einen Ort namens Ennis. Wir hoerten, dass dort ein Fly Fishing Festival ist und einiges in der Stadt los sein wuerde. Wir dachten uns also, wir sollten einfach mal einen Campingplatz beziehen und uns dann auf dem Festival amuesieren. Leider hatte der Campingplatz geschloessen. Es war niemand anzutreffen und einfach das Zelt aufbauen ist natuerlich nicht unsere Manier. Also ueberlegten wir, was wir tun sollten und Donnie zog seine Isomatte hervor, und schrieb "warm shower, tent site, please" darauf, womit wir ueber den Festplatz fahren wollten. Es fuehlte sich so an, als haetten wir schon ein paar Bier getrunken, denn alles war fuer uns unglaublich lustig. Als wir dann am Festplatz ankamen geschah mal wieder verwunderliches. Kaum erreichten wir den Platz, wurden wir von einem Mann herbeigewunken. Wir hatten nicht mal die Raeder abgestellt, geschweigedenn unser lustiges Schild herausgeholt, da wurden wir gefragt, ob wir einen Platz zum uebernachten braeuchten. Und so lud er uns ein, im Gemeindehaus der Kirche zu schlafen. Er erklaerte uns, wo es ist und meinte, es sei nie abgeschlossen, es gaebe eine Kueche, warm Wasser und wir koennten uns drinnen ausbreiten oder draussen auf der Wiese das Zelt aufschlagen. Wir waren mal wieder sprachlos. Sofoert mussten wir daran denken, wie wir im Iran in einer Moschee uebernachteten. Das Gemeindehaus war direkt an die kleine Kirche angschlossen. Wir hatten somit auch Zugang in die Kirche selbst. Es war ueberwaeltigend. Das grosse runde Kirchenfenster ueber dem Eingang wurde von der Abendsonne hell erleuchtet und liess die Stimmung in der kleinen Kirche unwirklich erscheinen. 
Wieder wurden wir geleitet und fanden einen sicheren Platz zum naechtigen. Nach dem Einrichten, Essen und Waschen, zogen wir noch einmal los, um etwas Musik zu hoeren und ein Bierchen zu trinken. Und so landeten wir in einem klassischen Saloon, wo alle mit Cowboyhueten, Jeans und Cowboystiefeln gekleidet waren. Ein Countrysaenger machte etwas Stimmung und wir tranken nicht nur ein Bier. Das war nun der wilde Westen!

Yellowstone, Wyoming erreichten wir ein paar Tage spaeter. Als aeltester Nationalpark der Welt (1872) ist er fuer seine geothermischen Quellen wie Geysire und Grosssaeuger, wie Bison, Wolf, Grizzlybaer und Elch bekannt. Von vielen Leuten hoerten wir schon, was man alles wo sehen koennte, aber wilde Tiere lassen sich eben nicht wie Tiere im Zoo beobachten. Wir fuhren mit keinerlei Erwartung in den Park, jedoch mit der Hoffnung, einige Tiere sehen zu koennen. Und wir wurden nicht enttaeuscht. Wir sahen keinen Wolf und keinen Baer, aber dafuer Bueffel. Ein Bueffel stand ganz dicht am Radweg, vielleicht 10 m entfernt. Er kaute seelenruhig vor sich hin. Wir beobachteten ihn eine ganze Weile aus sicherer aber naher Entfernung. Da er sich nicht ruehrte, entschlossen wir uns, einfach an ihm vorbei zu fahren. Tobias fuhr erst und ich hielt es auf Kamera fest. Er bewegte sich nicht. Dann war ich an der Reihe. Mein Pulsschlag erhoehte sich von Null auf Hundert in einer Sekunde. Wir blickten uns in die Augen, waehrend er ruhig weiterkaute. Ich versuchte so ruhig aber so zuegig wie moeglich vorbeizufahren. Keine Ahnung, ob dies fahrlaessig war, aber es war genial. Wenn man sich vorstellt, dass diese Tiere einmal die Praerie dominierten und die Herden so gross waren, dass man aus der Ferne schwarze Teppiche in der Landschaft sehen konnte, ist es doch verdammt traurig. Aber immerhin koennen sie heute wieder im Natuionalpark ungestoert leben.
Nachdem wir Yellowstone durchquert hatten und auch den sich anschliessenden Grand Teton Nationalpark durchfuhren, der durch eine schoene etwas alpenaehnliche Bergkette gekennzeichnet ist, trafen wir auf Bob, ein aelterer Mann in seinen 80ern, der uns in seinem Garten zelten liess. Er war unglaublich gut drauf und erzaehlte uns viele Geschichten. Er ist Countryfan und hatte frueher eine Band. er spielte sogar einen Johnny Cash Song fuer uns. Er erzaehlte uns auch von Indianern und wie er frueher bei dem traditionellen Pow-Wow mittanzte. Pow-Wow sind Indianertreffen, wo die indianischen Kulturen geehrt werden, getanzt und gesungen wird. Am naechsten morgen zeigte er uns sein Kostuem voller Federschmuck und sein kleines Museum, was er angelegt hatte, wo er Friedenspfeifen, Kleidung und alles ueber Indianer sammelte.
Uns wurde wieder bewusst, was dies doch fuer eine traurige Geschichte ist. Bob meinte, dass es wohl keine Indianer mehr gibt, die irgendwo in ihren Tipis leben. Es gibt heute die Inianerreservate, wo man ihnen Land "zurueckgegeben" hat, wo sie Landwirtschaft betreiben koennen, oder sie bauen Casinos und verfallen dem Alkohol. Es erinnert sehr an die Aborigines in Australien. Ueberall auf der Erde sind die indigenen Voelker zerbrochen, hat der weisse Mann sie zerstoert und ihnen genommen, was zuvor allen gemeinsam gehoerte und nachhaltig genutzt wurde.

Nun sind wir an der Grenze zu Nebraska und haben die Berge hinter uns und sind wieder alleine. Hier trennen sich nun unsere Wege von Donnie und Taylor. Wir stehen vor den Great Plains, der Flachebene der USA. Wir hoffen, dass der Wind gut mitspielen wird und uns kraeftig schiebt.

USA Teil 3 (10.08.2011 - 23.08.2011)

veröffentlicht um 23.08.2011 11:16 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011 09:25 ]

Lake Tahoe, Kalifornien bis Riggins, Idaho

Es hat uns fast einen Monat gekostet, den riesigen Staat Kalifornien zu verlassen und nur eine Woche, um durch Oregon zu fahren. Erreicht haben wir nun schon Idaho und sind damit ein Steuck weiter in den Osten vorgedrungen.
Wir haben seit dem letzten Eintrag nicht gerade weltbewegendes erlebt, aber es lohnt sich dennoch einige Fotos hochzuladen und somit werde ich einfach auch ein paar Zeilen schreiben.
Wir erleben hier unglaublich heisses Wetter. Oft haben wir ueber 40 Grad, was wir bisher bloss in Turkmenistan und Usbekistan erfahren haben. Wir freuen uns also schon auf den Herbst und Winter, der dann auch alle Muecken vernichtet, die natuerlich immer wieder die schlimmsten Plagegeister sind. Wir sind mittlerweile der Meinung, dass diese Kreaturen Teufelswerk sein muessen.

Ich moechte mich ungern wiederholen, was ich bereits im letzten Bericht erwaehnt habe, aber ich denke, es muss sein. Ich muss noch einmal hervorheben, wie grosszuegig die Menschen hier sind. Wir wurden bereits zwei weitere Male in ein Restaurant eingeladen und treffen immer wieder auf so liebe Menschen, wenn wir zelten. Die USA macht der Tuerkei und dem Iran bezueglich Gastfreundschaft ernsthaft Konkurrenz.

Landschaftlich ist es im grossen und ganzen immer wieder recht wuestig. Allerdings haben wir auch die Route etwas mehr durch die flacheren Bereiche gelegt, um Energie fuer die Rocky Mountains zu sammeln, die nun vor uns liegen. Wir sind auf dem Weg nach Montana.

Wir freuen uns auf die wieder etwas anspruchsvollere Etappe und sind gespannt, ob sich die Mentalitaet der Menschen von Staat zu Staat aendern wird oder nicht.

USA Teil 2 (25.07.2011 - 10.08.2011)

veröffentlicht um 10.08.2011 18:36 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011 09:24 ]

Los Angeles, Kalifornien bis Lake Tahoe, Kalifornien
 
Unsere Reise geht nun erfolgreich auf unseren Drahteseln weiter. Wir muessen zugeben, dass die ersten Tage auf dem Rad nach einer fast drei woechigen Pause doch relativ anstrengend waren. Man kommt schnell aus der Form. Aber so schnell man draussen ist, so schnell baut man doch die eingebuesste Ausdauer und Muskulatur wieder auf. Wir fuehlen uns wieder verdammt fit und strampeln die Berge eifrig hoch und runter.
 
Als wir Los Angeles verliessen, ging es gleich in die Vollen. Wir hatten den Angeles National Forest vor uns, der sich ueber eine Bergkette zog. Da es sehr warm war, freute ich mich schon auf den Wald, durch den wir durchfahren wuerden. Jedoch wurde ich enttaeuscht. Denn was der Name "Angeles Forest" verspricht, konnte er nicht halten. Es gab keinen Wald, viel mehr trockene Berghaenge und vereinzelt schwarze Staemme, die einst auf wenige Baeume hinwiesen. Dort hatte es ein grosses Feuer gegeben, was sogar den Asphalt der Strasse zerstoerte. Wir hatten Glueck, dass wir diese Route fahren konnten, denn die Strassenarbeiten wurden erst kuerzlich beendet. Aber auch ohne Brand haette man niemals von einem Wald sprechen koennen. Wir waren also einmal mehr in einer Wuestenlandschaft.
 
Tapfer kaempften wir uns durch die Hitze und die Berge hoch. Aber wir wussten, der Wald auf der Sierra Nevada-Bergkette war nicht mehr weit entfernt. Ach, wie sehnten wir doch nach dem gruenen kuehlen Wald.
Aber auf der Fahrt dort hin begegneten wir schon wieder so vielen lieben Menschen, so dass alles halb so heiss und muehsam erschien. Die Menschen hier sind auffaellig grosszuegig, offen und hilfsbereit. Etwas, was wir fuer eine kapitalistisch orientierte Gesellschaft nicht so erwartet haetten. Wir haben nun sehr oft bei Leuten privat gezeltet und so gut wie jedes Mal bekamen wir eine Dusche angeboten, wurden zum Abendessen eingeladen oder auf einen Kaffee zum Fruehstueck und sogar zum Essen in ein Restaurant ausgefuehrt. Zu dieser Grosszuegigkeit kommt auch noch eine enorme Begeisterungsfaehigkeit bezueglich unserer Fahrradweltreise, die wir so auch noch nicht erlebt haben. Offen dabei bleibt jedoch, wie sehr die Tatsache, dass wir um die Welt radeln, wirklich bei den Menschen ankommt. Und manchmal empfinden wir diese Begeisterung auch als etwas ueberschwenglich, aber das ist wohl so die Art vieler Menschen hier. Nichts desto Trotz ist es schoen, Menschen so begeistert zu sehen und durch unseren Aufenthalt bei ihnen sie ein wenig aus ihrem Alltag herauszuholen. Das spuert man schon, dass wir mit unseren Geschichten die Menschen etwas aufruetteln und sie fuer einen Moment von den Gedanken um Arbeit und Alltag wegholen.
Das Spanische haben wir uebrigens auch nicht ganz hinter uns gelassen. Wir treffen auf viele Mexikaner. Wir haben auch schon bei zwei mexikanischen Familien gezeltet und konnten da noch etwas unser spanisch ueben, was sehr angenehm und vertraut war. Viele Werbeschilder und auch Laeden haben spanische Bezeichnungen. Es ist irgendwie schoen, dass dies nur so schleichend abnimmt.
 
Mit dem Erreichen der Sierra Nevada, erreichten wir auch die Moeglichkeit, auf Baeren zu treffen. Kalifornien nennt sich naemlich auch Bear-Country! Ab sofort muessen wir beim Zelten besondere Sicherheitsmassnamhen einhalten. Es gibt eine Dreiecksregel: Zelte in einer Ecke, koche in der anderen und lasse alles Essbare und stark riechende (z.B. Zahnpasta, Seife) in der dritten Ecke des Dreiecks. Wir haben ein langes Seil, um unser Essen in einen Baum hochzuziehen. Die Moeglichkeit, dass nachts ein Baer auftauchen kann, ist schon etwas unbehaglich. Da wir aber die Regeln einhalten und wissen, dass Baeren keine angriffslustigen Tiere sind, hoffen wir, dass alles weiterhin gut laeuft. 
 
Bei unserem Ausflug in den Sequoia Nationalpark haben wir tatsaechlich zwei Schwarzbaeren zu Gesicht bekommen. Einer sass im hohen Gras und ass gemuetlich Blueten, der andere lief gerade durchs Unterholz. Es war wirklich genial einen Baer in freier Wildbahn zu sehen. 
Im Nationalpark stehen ausserdem riesige Sequoiadenron giganteum (Mammutbaum). Unteranderem auch der groesste Baum der Welt. "Groesste" bezieht sich hier allerdings auf das Volumen, nicht auf die Hoehe oder den Stammumfang. Es sind beeindruckende Riesen und es ist traurig, dass es diese Baeume hier in der USA angeblich nur noch an drei Stellen gibt. Sie sind zum Teil um die 2000 Jahre alt. Diese Vorstellung ist schwer zu greifen.   
 
Bei unserer Fahrt gen Norden fuhren wir auch durch den Yosemite Nationalpark, der fuer sein beeindruckendes Tal, umgeben von maechtigen Berghaengen bekannt ist. Der bekannteste ist wohl der "Half Dome".
Es war leider ein Wochenende, an dem wir den Park erreichten und da zudem noch Hochsaison ist, war natuerlich unglaublich viel los. Wir stellten uns schon auf viel Verkehr usw. ein, aber was wir letztlich erlebten, sprengte alle Vorstellungskraft. Am Parkeingang war Stau. Wir freuten uns natuerlich, dass wir mal wieder an der ganzen Autoschlange vorbeifahren konnten.
Als wir dann das Tal nach einer herrlichen Abfahrt erreichten, trauten wir jedoch unseren Augen nicht. Im Tal gibt es eine Rundstrasse und sie war gefuellt mit Autos. Es war wieder ein Stau. Wir konnten es nicht fassen.
Die Campingplaetze waren voll mit riesigen "Motorhomes", Gelaendewagen, Zelten und natuerlich voller Rauchschwaden von Grillfeuern. Dicht auf dicht erleben die Menschen dort ihr Wildnis-Abenteur.
Wir hatten Glueck und durften unser Zelt auf dem Zeltplatz fuer Wanderer aufstellen, und sogar ganz ohne noetigen Wilderness-pass. Unser Fahrrad war sozusagen unsere Erlaubnis, dort zu zelten.
Wir finden es ziemlich befremdlich, wie die Leute in Scharen am Wochenende mit ihren ueberdimensionierten Fahrzeugen in die "Natur" fahren, dort all ihren Luxus auspacken, mit dem Boot ueber den Fluss fahren, abends ihr Wuerstchen grillen und Bierdosen leeren und am naechsten Tag wieder zurueckbrausen. Wir hatten das Gefuehl, die Leute kommen eher, um ihr tolles Auto durch die Gegend zu fahren. Diese Beurteilung ist vielleicht etwas zu Ueberheblich, aber ...
Was uns auch stoert, ist, dass Autos uneingeschraenkt im Nationalpark zugelassen sind. Es wirkt irrsinnig, wenn all diese riesigen Chevrolet mit 6 Litern Hubraum durch den Park fahren. Geht es hier um den Schutz des Naturraums oder um Profit? Schliesslich wirkt das ganze eher wie ein Funpark und der Eintrittspreis zeigt, dass es wohl mehr um Kommerz geht. 
Wuerde John Muir, einer der Entwickler der Nationalpark-Idee sehen, wie viele Strassen durch den 1890 gegruendeten Park und das beeindruckende Tal fuehren, wuerde er sicherlich mit dem Kopf schuetteln. Es ist fraglich, ob er diese Entwicklung vor Augen hatte. 
Aber am Ende ist vielleicht alles doch ein Kompromiss, denn ohne den etablierten Nationalpark ware der Wald vielleicht ganz gerodet und das Tal durch intensive Landwirtschaft zerstoert. 
      
Wir sind nun am Lake Tahoe angelangt und muessen zugeben, dass wir noch nicht ganz genau wissen, wie wir nun weiterfahren. Die USA ist gross, es gibt viel zu sehen, aber alles geht eben nicht. Wir werden wohl noch ein bisschen ueber den Karten haengen muessen.

USA Teil 1 (19.07.2011 - 25.07.2011)

veröffentlicht um 25.07.2011 11:44 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011 09:26 ]

Los Angeles, Kalifornien
 
Nun endlich gibt es die Aufloesung, wo wir gelandet sind. Wir sind in die USA nach Los Angeles, Kalifornien geflogen. Und wie das fuer uns eben so ueblich ist, lassen wir keine Zeit verstreichen, und haben sofort einen Ausflug gestartet. Aber nun der Reihe nach:
Wir sind abends gelandet und direkt zu "Warmshower-Bekannten" gefahren, wo wir noch immer sind. Warum noch immer? Das ist ja nun schon fast eine Woche. Davor waren wir 10 Tage in Quito. Koennen wir ueberhaupt noch radfahren? Ja, diese Fragen gehen uns auch durch den Kopf. Aber wir haben eine Erklaerung fuer diese lange Radfahrpause. Und ausserdem werden wir demnaechst wieder genuegend Kilometer vor uns haben, die wir zuruecklegen wollen. 
Unsere Einreise lief zum Glueck ganz reibungslos. Wir mussten allerdings in einer ewig langen Schlange bei der Immigration warten. Wir hatten noch in keinem Land solch eine lange Wartezeit. Es sind einfach unglaublich viele Menschen, die in die USA wollen. Ja, und wir eben auch. Und um die Moeglichkeit zu haben, laenger als drei Montae zu bleiben, hatten wir uns bereits in Lima fuer das US-Touristenvisum beworben, was auch erfolgreich geklappt hat. Allerdings stand dort kein Datum drin, wie lange wir bleiben duerfen. Das entscheidet eben der Grenzbeamte bei der Einreise. Wir mussten also dem Beamten klar machen, dass wir mit dem Rad reisen und hoffen, das er uns entsprechend viel Zeit in den Pass stempelt. Wir gingen zusammen zum Schalter und das erste was er fragte, ob wir Familie seien oder nur zusammen reisen. Da wir nicht verheiratet sind, gelten wir nicht als Familie und ich musste warten, bis ich an der Reihe war. Er hat uns also nicht zusammen bearbeitet. Er wirkte ueberhaupt sehr murrig und streng. Er wollte das Ausreisefllugticket sehen, wissen wo wir her kommen, wie lange wir planen, in den USA zu reisen und natuerlich, wo wir heute uebernachten werden. Wir konnten alles problemlos getrennt von einander und doch einstimmig beantworten und er stempelte uns beiden ein halbes Jahr in den Pass. Puh, super, das war geschafft! Wir waren drin!
 
Von Linda und Steve, unsere Internet-Bekannten wurden wir nett begruesst und nach einigem Plaudern vielen wir totmuede ins Bett. Wir hatten einiges an Schlaf nachzuholen.
Am naechsten Tag organisierten wir unser naechstes Abenteuer. Wir fuehren zu einem Harley Davidson Verleih und machten eine Harley fuer den naechsten Tag klar. 
Am Donnerstag sind wir dann morgens mit einer Harley Davidson Electra Glide auf Tour gegangen. Tobias hatte natuerlich unglaublich Spass, diese Maschine zu fahren und ich hatte meinen Spass hinten drauf. Wir fuhren gen Osten. Wir wolten so gerne den Grand Canyon sehen, der eben nicht auf unserer geplanten Radstrecke liegt, denn wir haben genug von Wuesten. 
Ziemlich schnell wurde uns bewusst, was fuer ein riesiges Land die USA ist. Kaum hatten wir L.A. hinter uns, waren wir auch schon mitten in der Wueste, eben im wilden wilden Westen. Eine Landschaft, wie man es aus dem Fernsehn kennt. Eine Strasse bis zum Horizont, bruetende Hitze, die am Horizont aufsteigt und alles Flimmern laesst, sandiger Boden mit spaerlichem Bewuchs. Meilenweit nichts, einfach gar nichts. Ich wusste sofort, dass unsere geplante Route die richtige Entscheidung war. Denn hier sind die Dimensionen noch einmal anders, als die wir besher hatten. Mit dem Rad wuerde man hier wohl fast verhungern. Natuerlich ist alles machbar und eine Einstellungssache. Aber genau dafuer sind wir gerade nicht bereit. Es war also herrlich mit der Harley durch diese endlose Landschaft zu heizen. 
Ist man mit dem Rad unterwegs und es ist verdammt heiss und Abstaende zu Ortschaften sind weit, dann hat man immer seinen Wasservorrat im Blickund wird leicht nervoes, wenn es sich dem Ende zuneigt. Dieses Phaenomen schwenkte nun auf die Tankanzeige um. Die Harley hatte nicht den groessten Tank und war ziemlich durstig. Da wir unseren geplanten Abzweig verpassten, mussten wir einen kleinen Umweg fahren, der uns fast dazu brachte, die Maschine trocken zu fahren. Wir waren recht nervoes, denn in dieser Wueste liegen zu bleiben, war kein Spass. Aber es kam unerwartet eine Tankstelle im Niergendwo. Dort gab es zwar nur Bezin mit 87 Oktan, waehrend wir 91 Oktan tanken mussten, aber wir tanken ein wenig drauf, um bis in den naechsten Ort zu kommen.
Uns war schnell kalr, dass dies im Grunde nichts fuer uns ist. Immer diese Abhaengigkeit zu haben, die naechste Tankstelle zu erreichen, stresst unglaublich.
Wir fuhren den ganzen Tag und erst am fruehen Abend liessen wir die californische Grenze hinter uns. Wir schafften es bis kanppe 300 km vor den Grand Canyon und zelteten auf einem kleinen Campingplatz. 
Am naechsten morgen holte uns die Sonne ziemlich schnell aus dem Zelt. Wir waren verdammt geraedert, denn es ist nicht weniger anstrengend, als mit dem Rad zu fahren. Und der Hintern tut auch irgendwann genauso weh. 
Dennoch freuten wir uns, mit unserer Harley weiterzuduesen und mit voll aufgedrehter Mucke, fuhren wir ein Stueck auf der Legendaeren Route 66! Es war unwirklich! Es fuehlte sich so an, wie man es traeumt. Der Inbegriff von Freiheit: Mit der Harley auf der Route 66 durch die USA!
Bevor wir den Grand Canyon erreichten fuhren wir bereits ein Stueck am Colorado River entlang, der diesen gigantischen Canyon einst formte. Dort sahen wir Camping-Resorts mit riesigen Motorhomes (gigantische Wohnmobile), super gepflegte Gruenanlagen und Leute, die alle Arten von Wassersport auf dem Fluss betrieben.
Als wir den Grand Canyon dann erreichten, waren wir von der Groesse wirklich beeindruckt. Die Fotos sprechen da fuer sich!
 
Damit hatten wir unser erstes Ziel erreicht. Auf dem Rueckweg wollten wir dann ueber Las Vegas fahren. Wir hatten noch ein ordentliches Stueck vor uns. Aber die Landschaft wurde nie langweilig. Aus der Wueste wurde ploetzlich eine Waldlandschaft, die wieder zur Wueste wurde. Wir arbeiteten uns auf ein riesiges Plateau hoch, von dem man Blick in die Ebene hatte, aus der wir kamen. Eine wirklich rieisge Flaeche plattes Land, umrahmt von stehengebliebenen Erdmassen. Wie aus den Indianerfilmen, wo einst riesige Bueffelherden grasten. 
 
Dieser zweite Tag wurde ein verdammt langer Tag, denn Las Vegas muss man in der Nacht erleben. Und somit fuhren wir in die Dunkelheit hinein und erreichten die Stadt der Lichter gegen 22:00 Uhr. Es war unglaublich und einmal mehr unwirklich, dass wir mit einer Harley nun auch noch durch die Casinostadt Las Vegas fuhren. Es war Freitag Abend und der Baer los. Die Stadt des Entertainment brodelte und das Klischee lebte. Das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten, die Stadt der Tabulosigkeit war Wirklichkeit. Die Menschen liefen voellig aufgestilt herum. Knappe enge Minikleidchen, Frauen in Haeschenkostuem, ein Typ als Captain Jack Sperrow verkleidet, tanzende Schaufesterdamen und das gigantische Licht- und Wasserspiel am "Caesars Palace" . Wir konnten unsere Harley am Harley Davidson Cafe kostenfrei parken, schlenderten ein wenig umher, natuerlich auch in einem Casino und tranken einen Kaffee im Harley Cafe.
Die Stadt besteht aus Kopien aller Sehenswuerdigkeiten der Grossstaedte aus aller Welt. So gibt es den Eifelturm, die Freiheitsstatue, Disneyland, Rom und natuerlich die Pyramiden. Es war super abgedreht. Wir fuhren natuerlich mit der Harley durch jeden Eingangsbereich der grossen Casinos und Luxus-Hotels. Wir wurden sogar von Touristen fotografiert, denn die Harley ist eben der Inbegriff der USA. 
Man kann dieses Erlebnis von Freiheit wirklich kaufen, ohne solch eine gigantische Maschine zu besitzen. Echt bekloppt!
 
Nach Mitternacht fuhren wir voellig berauscht von den Eindruecken aus Las Vegas heraus und zelteten mitten in der Wueste. Es war 2 Uhr nachts, bis wir uns schlafen legten, aber der Schlaf wollte nicht gleich kommen. Wir waren zu voll von diesen irren Eindruecken und es war zu unwirklich, als dass wir realisieren konnten, dass wir gerade in Las Vegas waren.
Die Sonne holte und noch vor 7:00 Uhr aus dem Zelt und wir setzten unsere Fahr zurueck nach L.A. fort. Wir fuhren im Norden von L.A. an den Pazifik auf den Highway Nr. 1. Eine kleine sich windende Strasse brachte uns ans Meer. Tobias konnte die Maschine noch mal richtig ausfahren und wir arbeiteten uns von Malibu Beach ueber Beverly Hills nach Hollywood vor. Wir sahen die legendaeren weissen Buchstaben von Hollywood auf dem Berg stehen. Allerdings hat man davon eine falsche Vorstellung. Der Aussichtspunkt, um die Buchstaben gut zu sehen, ist so weit weg, dass sie verdammt klein sind. Aber es war ein kroenender Abschluss, diese Buchstaben und die Stadt von oben zu sehen.
Im Abendlicht fuhren wir zurueck nach Hermosa Beach, wo unsere Bekannten wohnen. Es waren unglaubliche drei Tage, in denen wir gute 2000 km zuruecklegten. Eine Strecke, die uns mit dem Fahrrad 3-4 Wochen kostet. Voellig uebermuedet, aber gluecklich vielen wir ins Bett. Am Sonntagmorgen brachten wir die Maschine dann zurueck, was fast etwas traurig war, aber auch gut so. Eine weitere verrueckte Idee wurde fuer uns Wirklichkeit! Man muss Dinge einfach tun und nicht zu lange darueber nachdenken. Man lebt nur ein mal auf diesem Planeten!
 
Sicherlich habt ihr auch gewisse Klischees ueber Amerika im Kopf und wir koennen bisher sagen, dass vieles zutrifft. Wir wachen jeden Morgen mit Bob Dylan auf. Der Nachbar scheint dies als Aufwachmusik zu brauchen und es ist jeden Morgen das gleiche Album. Wir fuehle uns ein bisschen wie im Film von "Und taeglich gruesst das Murmeltier". In den Strassen haengen ueberall riesige Amerika-Flaggen. Sie sind wirklich so patriotische, wie man hoert. Alles ist XXL. Wir kannten ja schon riesige Wohnmobile aus Australien, aber die groesste Version sahen wir nur einmal, was hier nun der Standard ist.
In Supermaerkten gibt es alles in Megagrosse, und in der Tanke wird man von der Frau hinter dem Tresen mit "Hi sweety! How are you?" begruesst und mit "Have a good one, honey!" verabschiedet.   
Auch wenn wohl viele Amerikaner Workerholics sind, oft blass und kraenklich aussehen, so sind sie doch verdammt gut und locker drauf. Wir freuen uns nun darauf, mit dem Rad das Land und die Leute besser kennenzulernen und werden sehen, ob wir diese Klischees relativieren koennen.
   

Ecuador (28.06.2011 - 18.07.2011)

veröffentlicht um 17.07.2011 17:13 von Tobias Pieper   [ aktualisiert: 07.11.2011 06:45 ]

Machala - Quito

Der Grenzuebertritt nach Ecuador verlief ganz problemlos, und das am gefaehrlichsten Grenzuebergang Suedamerikas, wie wir hoerten. Ich war leicht nervoes, wie ich es jedoch bei jedem Grenzuebergang bin. Wir fuehren den Schildern nach. Es war eine riesige, breit ausgebaute Strasse. Keine Menschenseele war zu sehen, kein einziges Auto fuhr an uns vorbei. Wir waren ganz alleine. Es wirkte sehr absurd, dass dies ein viel genutzter und vor allem gefaehrlicher Grenzuebergang sein sollte. Und dann kamen wir zum Mirgationsgebaeude und zwei einsame Polizisten bearbeiteten unsere Paesse. Es war nichts los, aber auch gar nichts. Und das soll hier gefaehrlich sein?
Wir fragten, ob dieser Uebergang ganz neu sei, denn es wirkte auch noch etwas spaerlich eingerichtet, aber diese Grenze ist wohl schon seit 2000 in Betrieb. Zuletzt erfuhren wir aber, dass es noch einen Grenzuebergang gibt, der durch die Stadt Huaquillas fuehrt. Das erklaerte einiges. Dort fahren die Busse mit allen Toursiten durch und dort sind dann wohl auch die Trickbetrueger von denen wir hoerten. Mit dem Fahrrad ist man doch oft besser dran!

Kaum waren wir auf ecuadorianischer Seite, hatte die Wueste ein Ende und alles war gruen ueber gruen. Es tat sooo gut! Jedoch bestand das Gruen aus Monokulturen von Bananenplantagen. Die Provinz El Oro mit seiner Hauptstadt Machala bezeichnet sich als "Bananenhauptstadt der Welt". Wir stoppten bei einer Bananenverpackungsfirma, die ihre super gruenen Bananen als Premiumbananen nach Italien verkauft. Es war schon interessant zu sehen. Es dauert wohl bis zu viel Wochen, bis diese Bananen gelb werden. Und natuerlich alles im Karton. 
Wir blieben zunaechst im Flachland von Ecuador. Entlang der Kueste war es uns zu weit, ueber die Berge wollten wir noch nicht, weil auch das zu zeitintensiv geworden waere und so blieben wir in der Mitte westlich der Anden. Es war verdammt warm. Die Strasse voller Autos und oft zu eng. Die Bananenplantagern wurden bald von Zuckerrohr und spaeter von Palmoelplantagen abgeloest. Dazwischen sah man immer wieder Mais und Reis! So gut das "Gruen " auch tat, nach der vielen Wueste in Peru, so traurig ist es auch. Natur ist nur noch dort, wo es fuer den Menschen nicht rentabel ist, sie zu nutzen und die Landschaft und das Klima zu extrem sind.

Wir fuhren im Flachland bis Quevedo. Von dort aus namhen wir den Weg ueber die Anden, um nach Quito zu kommen. Quito liegt auf 2800 m Hoehe. Um dort hinzugelangen mussten wir aber wieder auf 4000 m hoch, runter und wieder hoch. Es war wieder eine anstrengende Etappe  mit der wir in dieser Dimension gar nicht gerechtnet hatten. Aber es hat sich super gelohnt. Es war mal wieder eine beeindruckende Landschaft. Berge sind eben der Hammer. Und die Anden hier in Ecuador sind ganz anders als in Bolivien oder Peru. Waehrend es dort ziemlich kark und trocken war, so ist es hier bis auf 4000 m Hoehe gruen. Es gibt in dieser Hoehe noch Waelder und um die Siedlungen herum richtig viel Landwirtschaft von Getreide. Es war unglaublich zu sehen, was fuer schwarze, fruchtbare Erde dort ist. Mehrere Meter Boden liegen auf, bis das Muttergestein kommt. Einfach unglaublich!

Tobias hatte ja aus Peru ein ganz einfaches und billiges Hinterrad eingebaut. Da er deshalb nur noch 3 Gaenge hatte und der Weg verdammt steile Abschnitte hatte, musste er teilweise schieben. Es war unmoeglich zu fahren. Selbst fuer mich mit 9-fach Gangschaltung wurde es zu steil. Und dann verabschiedete sich das Hinterrad von Tobias voellig. Es fing an unangenehme Geraeusche zu machen. Tobias dachte, die Lagerkugeln wuerden sich zerlegen. Bei dem Versuch, die Nabe aufzuschrauben, um die Kugeln neu zu fetten, mussten wir feststellen, dass wir die Kasette gar nicht abziehen konnten, weil fuer dieses Modell anderes Werkzeug benoetigt wird, als das, was wir mithaben. Zudem sahen wir, dass das Problem wohl nicht die Kugeln waren, sondern die Achse. Das Gewicht des Fahrrades hat die Achse der Nabe verbogen. Es war klar, dass dies nicht mehr lange gut gehen wuerde. Wir waren in einem kleinen Dorf in den Bergen, Esperanza. Die Idee war nun, Werkzeug aufzutreiben, um die Kassette abzuziehen, um dann die Nabe auszuspeichen, um dann die alte einzuspeichen, die wir Gott sei Dank noch hatten. Unklar blieb jedoch, ob die Speichenlaenge passen wuerde. 
Es war schon Nachmittag und wir wussten, wenn wir anfangen, das Rad zu reparieren, mussen wir dort bleiben. Wir fragten zunaechst, ob es eine Fahrradwerkstadt gaebe und man sagte uns wo. Wir waren erstaunt und froh, dass es wohl eine Werkstatt gab. Wir furhen zum beschriebenen Haus und mussten natuerlich feststellen, dass es keine Radwerkstatt war und doch keine gab. Es war nicht mal eine Werkstatt fuer etwas anderes. Nun ja, wir versuchten den Leuten zu erklaeren, was unser Problem war und fragten, ob wir denn bei ihnen Zelten koennten. Es dauerte eine ganze Weile und Tobias musste viel reden und erklaeren, bis sie letztlich einwilligten. Waehrend ich unser Lager aufbaute und unsere Reise usw. erklaerte, um die Leute etwas zu unterhalten, versuchte Tobias mit dem Rad klarzukommen. Es gab kein passendes Werkzeug, es war auch nicht moeglich, die Kassette irgendwie herauszubrechen und so blieb nur die Variante, die Speichen durchzuknipsen. Wir brauchten ja im Grunde nur die Felge, denn wir hatten auch noch die Speichen des alten Rades. Tobias speichte also die alte Nabe mit den alten Speichen und der billigen Felge zusammen. Und zum Glueck passten die Speichen gerade so. Sie waren im Grunde etwas zu kurz, d.h. es sass zu wenig Gewinde im Nippel, aber immer noch genug, um es einigermassen stabil zu bekommen. Wir mussten also hoffen, dass es die letzten Tage bis Quito durchhaelt und die Speichen nicht herausreissen. Nach guten 2 Stunden war alles fertig, hat Tobias ein neues Laufrad gebaut. Wir hatten noch einen richtig schoenen Abend mit der Familie. Sie waren sehr interessiert. Die Tochter belegt einen Englischkurs an der Uni und hat ihre Freundin geholt, um mich mit ihr zu interviewen. Das haben sie dann gefilmt, um es in ihrem Kurs zu zeigen. Sie hatten wohl gerade gelernt, Interviewfragen zu stellen. Es war sehr nett. Am Ende dachte ich nur, es sollte so sein, dass Tobias Rad kaputt geht, denn wir hatten einen ganz netten und intensiven Abend mit diesen lieben Menschen und die Tochter hatte die Moeglichkeit ein Interview fuer ihren Kurs mit mir auf englisch zu machen.
Am naechsten Tag konnten wir weiterfahren und Tobias hatte nun wieder eine Gangschaltung, was die Sache erheblich erleichterte. 

Wir besuchten die Lagune Quilotoa, ein Kratersee mit tuerkisblauem Wasser, wie man sich den schoensten Strand vorstellt. Und dann war es bis Quito nicht mehr weit. Wir genossen noch eine Nacht in einem luxurioesen Hotel, weil wir es uns hier eben noch leisten koennen, zelteten eine Nacht in einem Erholungsgebiet, was uns sehr an Deutschland erinnerte, denn es ware ein Kiefernwald, und erreichten dann Quito.
Unsere Freunde empfingen uns bereits in Tambillo, der letzte Ort vor Quito. 
Dort standen sie dann mit deutscher und ecuadorianischer Fahne und Blumen. Wir wurden dann von 2 Polizisten auf Motoraedern ins Zentrum eskortiert. Arturo und alle anderen fuhren im Auto mit Warnblinklicht hinterher. Die Polizei sperrte jedes Mal einmuendende Strassen ab und stoppten den Verkehr, wenn unsere Ampel rot zeigte, um pausenlos durchfahren zu koennen. Wir fuehlten uns wie der Praesident und die First Lady persoenlich! Es war echt genial. Tobias hat sich solch eine Eskorte schon immer gewuenscht. Nun wurde es Wirklichkeit. In der Stadt am Plaza Grande stand Presse und Fernsehn bereit. Wir wurden interviewt und von der Stadt Quito persoenlich begruesst und bekamen Geschenke ueberreicht. Der Vorsitzende des Sportvereins Quitos war auch da und brachte uns Trikots und eine Medaille! Es war der helle Wahnsinn. Wir waren umringt von Menschen und ueberall blitzte es und Fragen ueber Fragen. Wir haben es echt genossen, mal so im Rampenlicht zu stehen. Nach 1,5 Stunden Trubel und endlos vielen Fotos wurden unsere Raeder auf einen Pickup der Polizei geladen, um uns dann zu dem Haus von unseren Freunden Martha und Arturo zu fahren. 

Hier in Quito hatten wir nun eine schoene Zeit. Wir hatten eine Praesentation ueber unsere Reise, die gut besucht und gut angekommen ist. Es hat uns sehr Spass gemacht, unsere Erlebnisse mit interessierten Menschen zu teilen. 
Entspannt haben wir uns in den nahe gelegenen Thermen von Papallacta. In Otavalo besuchten wir den Markt mit viel traditioneller Kunst und zu letzt machten wir natuerlich auch noch einen Ausflug zum Aequator! 
Obwohl wir 10 Tage hier hatten, ist die Zeit schnell verflogen. 
Am Montag, 18.07. werden wir nun fliegen. Wohin, lassen wir natuerlich wie immer offen. Vielleicht nach Panama, in die USA, nach Cuba, Afrika oder doch schon nach Hause? 

Wir haben auch zwei neues Videos hochgeladen. Das eine gibt einen kleinen Eindruck, wie es ablaeuft, wenn wir unseren Zeltplatz gefunden haben.
Und das andere berichtet ueber unsere Ankunft in Quito am Plaza Grande.

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